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2 Die Zukunft der Fische – die Fischerei der Zukunft

Stand der Weltfischerei

Die weltweite Jagd nach Fisch

> Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich der industrielle Fischfang von den klassischen Fischereigebieten auf der Nordhalbkugel über alle Meere ausgebreitet. Viele Bestände sind überfischt und zusammengebrochen. Ausweglos ist die Situation aber nicht. Verschiedene Länder haben inzwischen gezeigt, dass sich Fischbestände durch ein nachhaltiges Fischereimanagement tatsächlich wiederaufbauen lassen

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Von der Kunst, Fische zu zählen

Wohl kaum eine Tiergruppe ist so schwer zu erfassen wie die Fische. Zugvögel werden entlang ihrer Flugroute mithilfe von Ferngläsern und Radargeräten geortet und gezählt. Fledermäuse erfasst man mit Ultraschalldetektoren und mit Lichtschranken am Eingang ihrer Höhlen. Aber Fische?

Der Mensch kann nicht ins Meer blicken und die Fische direkt zählen. Vielmehr muss die Größe von Fischbeständen so genau wie möglich berechnet werden. Die Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Or­ganization of the United Nations, FAO) bemüht sich, aus verschiedenen Quellen die Entwicklung der Fischbestände weltweit möglichst realistisch abzuschätzen. Die aktuellen Ergebnisse werden alle 2 Jahre in einem Statusbericht veröffentlicht, dem SOFIA-Report (The State of World Fisheries and Aquaculture). Der letzte Bericht ist im Jahr 2012 erschienen und stellt die Entwicklung der Weltfischerei bis 2009/2010 dar. Fisch ist eine Lebensgrundlage für Milliarden Menschen. Insofern ist der Report eine wichtige Grundlage für die Entscheidungen der UNO sowie für internationale Abkommen und Verträge. Für den SOFIA-Report nutzt die FAO Daten aus folgenden Quellen:

Fischerei– Fischer melden ihre Fangmengen an staatliche Behörden ihres Heimatlandes, zum Beispiel an Fischerei- oder Agrarministerien. Die Behörden sind verpflichtet, diese Daten an die FAO zu schicken. Zudem werden die Daten an Wissenschaftler im eigenen Land weitergeleitet.

Wissenschaft– Die Daten der Fischerei sind oftmals unvollständig oder fehlerhaft. So melden Fischer zum Beispiel nur die Mengen jener Fische, die sie offiziell fangen dürfen. Der unerwünschte Beifang wird nicht erfasst. Dabei handelt es sich um all jene Fische und Meerestiere, die versehentlich mitgefangen und bislang meist wieder über Bord geworfen werden. Eine quantitative Erfassung des Beifangs wäre allerdings sehr wichtig, da sie eine realistischere Einschätzung des Zustands der Fischbestände liefern könnte. Um die unsichere Datenbasis zu verbessern, erheben Fischereiwissenschaftler deshalb eigene Daten.

1.  Fischereiabhängige Daten: Fischereiwissenschaftler fahren regelmäßig auf Fangschiffen mit. Sie nehmen Proben des Fangs und erfassen detaillierte Fischdaten: das Alter, die Größe, die Länge und die Menge geschlechts­reifer Fische. Von Interesse sind die Fangmenge und die Zusammensetzung des Fangs. Darüber hinaus protokollieren sie den Fischereiaufwand, beispielsweise wie lange ein Netz hinter dem Schiff hergezogen wird, bis es gefüllt ist. Dabei wird exakt ermittelt, wie viel Aufwand man betreiben muss, um eine bestimmte Menge zu fischen. Forscher sprechen vom „Fang pro Aufwand“ (catch per unit effort, CPUE). Nur aus diesem Verhältnis kann man auf die Bestandsdichte schließen, darauf, wie viele Fische in einem Gebiet zu finden sind.

2. Fischereiunabhängige Daten: Wissenschaftler un-ternehmen außerdem Fahrten mit eigenen Forschungsschiffen. Dabei machen sie zahlreiche Probefänge – und zwar nicht nur in den besonders ergiebigen Gebieten, die die Fischer aufsuchen, sondern an vielen verschiedenen Stellen eines Meeresgebiets. Die Probenahmestellen werden entweder zufällig oder nach einem bestimmten Schema ausgesucht. Das Ziel ist, einen umfassenden Überblick über das ganze Meeresgebiet sowie die Verbreitung der Fischbestände zu erhalten. Wichtig ist, dass bei diesen Fahrten alle gefangenen Meerestiere gezählt und vermessen werden. Damit lässt sich der Zustand des gesamten Ökosystems einschätzen. Die Wissenschaftler interessieren sich auch für das Alter der Fische. Sie fangen deshalb mit engmaschigen Netzen auch Jungtiere, die Fischer für gewöhnlich nicht aus dem Meer holen. Die Altersverteilung der Fische in einem Bestand ist für Vorhersagen besonders wichtig. Nur so erfährt man, wann wie viele Tiere geschlechtsreif sein werden und wie sich der Bestand in den folgenden Jahren entwickeln kann. Wie viele Forschungsfahrten es gibt, ist von Land zu Land verschieden. Forscher beproben einzelne Fischbestände bis zu 5-mal im Jahr. Zusätzlich werden für einige Bestände auch Eier und Larven erfasst. Die Zahl der Eier oder Larven lässt auf den Elternbestand und die zu erwartende Zahl der Jungtiere schließen.

Die fischereiabhängigen und -unabhängigen Daten nutzen die Forscher, um damit die offiziellen Fangzahlen der Fischerei zu korrigieren und zu ergänzen. So können sie beispielsweise anhand eigener Probefänge abschätzen, wie hoch die Beifangmenge im Fanggebiet in etwa gewesen sein muss. Zudem fallen dabei oftmals illegal gefischte Mengen auf. So gibt es in vielen Fällen doppelte Logbücher, solche mit den offiziellen Zahlen für die Behörden und jene mit den höheren echten Fangzahlen, die an die Wissenschaftler geschickt werden. Durch den Vergleich lässt sich besser schätzen, wie viel Fisch in einem Meeresgebiet tatsächlich gefangen wurde.
3.1 > Ehrwürdige Herren der Fischereiwissenschaft: 1929 trafen sich die Fischereiforscher des ICES zu ihrer satzungsgemäßen Versammlung im House of Lords in London. Im Jahr der Gründung 1902 gehörten dem ICES 8 Länder an. Heute sind es 20.
3.1 > Ehrwürdige Herren der Fischereiwissenschaft: 1929 trafen sich die Fischereiforscher des ICES zu ihrer satzungsgemäßen Versammlung im House of Lords in London. Im Jahr der Gründung 1902 gehörten dem ICES 8 Länder an. Heute sind es 20. © ICES 2012

Der ICES wurde 1902 in Kopenhagen als erste zwischenstaatliche Institution der Welt gegründet. Damals hatte sich in einigen europäischen Fischereinationen das Bewusstsein durchgesetzt, dass wandernde Fischbestände auf Dauer nur gemeinsam zu bewirtschaften sind. Der ICES arbeitet heute im Auftrag der EU und anderer Fischerei­nationen wie etwa Kanada, Island oder Russland. Er ist für alle lebenden Ressourcen im Nordostatlantik zuständig, insgesamt 120 Arten. Der ICES gibt Empfehlungen, wie viel Fisch in einem Meeresgebiet höchstens gefangen werden sollte.   © ICES 2012

ICES In Kopenhagen als erste zwischenstaatliche Institution der Welt gegründet. Damals hatte sich in einigen europäischen Fischereinationen das Bewusstsein durchgesetzt, dass wandernde Fischbestände auf Dauer nur gemeinsam zu bewirtschaften sind. Der ICES arbeitet heute im Auftrag der EU und anderer Fischerei­nationen wie etwa Kanada, Island oder Russland. Er ist für alle lebenden Ressourcen im Nordostatlantik zuständig, insgesamt 120 Arten. Der ICES gibt Empfehlungen, wie viel Fisch in einem Meeresgebiet höchstens gefangen werden sollte.

Der Weg der Daten zur FAO

Sowohl die Fangdaten der Fischer als auch die von den Wissenschaftlern erhobenen Daten werden zunächst an übergeordnete wissenschaftliche Einrichtungen weitergereicht, die aus den Daten die aktuellen Bestandsgrößen für die verschiedenen Fischarten und Meeresgebiete errechnen. Ein Ziel besteht darin, aus den nationalen Daten einen überregionalen Überblick zu generieren. Für den Nordostatlantik ist beispielsweise der Internationale Rat für Meeresforschung (International Council for the Ex­ploration of the Sea, ICES) in Kopenhagen zuständig. Die Arbeitsgruppen des ICES berechnen aus den offiziellen Fangdaten der Fischerei und den wissenschaftlichen Ergebnissen die aktuellen Bestandsgrößen der verschiedenen Fisch- und Tierarten. Diese Bestandsabschätzungen schickt der ICES schließlich an die FAO. In gleicher Weise gelangen Bestandsdaten aus anderen Meeresgebieten zur FAO. Für den Nordwestatlantik etwa ist die Nordwestatlantische Fischereiorganisation (Northwest Atlantic Fisheries Organization, NAFO) zuständig. Sie trägt Daten aus Kanada, den USA, Frankreich (für die Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon) und von den ausländischen Flotten aus Russland oder der EU zusammen, die in diesem Gebiet fischen. Die Daten leitet die NAFO dann an die FAO weiter. Darüber hinaus berichten die nationalen Fischereiinstitute aus Kanada und den USA direkt an die FAO. Die FAO bewertet diese Daten nicht noch einmal. Sie fasst sie für die verschiedenen Meeresregionen der Welt lediglich zusammen, bereitet diese auf und veröffentlich sie im Anschluss.

Streit um den Zustand der Fischbestände

Weltweit werden rund 1500 Fischbestände kommerziell befischt, wobei die verschiedenen Bestände unterschiedlich stark genutzt werden. Nur für gut 500 dieser Bestände gibt es heutzutage umfassende Bestandsberechnungen. Dabei handelt es sich vor allem um Bestände, die seit vielen Jahrzehnten industriell befischt werden. Für einige wird seit Langem genau protokolliert, was und wie viel gefangen wird: die Fangmenge in Tonnen und auch das Alter und die Größe der Fische. Die Datensätze für den Kabeljau vor Norwegen zum Beispiel reichen bis in die 1920er Jahre zurück. Über andere Fischarten oder ­Meeresgebiete ist kaum etwas bekannt – insbesondere über die Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) mancher Ent­wicklungsländer. Viele Entwicklungsländer liefern reine Fangdaten, die nicht wissenschaftlich bewertet sind. ­Solche Daten nutzt die FAO nur begrenzt. Des Weiteren gibt es diverse Meeresgebiete, über die noch nicht einmal einfache Fangdaten vorliegen. Nach Ansicht der FAO sind für die betreffenden Bestände keine sicheren Aussagen möglich. Für viele Fischbestände weltweit gibt es also keine sicheren Daten. Außerdem können Fischereibiologen bis heute nicht einmal sagen, wie viele Fischbestände es überhaupt gibt. Schließlich liegen, wenn überhaupt, nur für kommerziell genutzte Arten Daten vor. Natürlich wäre ein Gesamtüberblick über alle Fische weltweit wünschenswert. Doch wäre der Aufwand exorbitant hoch. Hunderte von Forschungsfahrten wären dafür nötig, und das bleibt unbezahlbar.
3.2 > Weltweite Bestands­schätzung: Daten über den Zustand der Fischbestände werden von der Fischerei und von Wissenschaftlern geliefert. Die FAO trägt die Daten zusammen und versucht daraus ein globales Gesamtbild zu erstellen. Problematisch ist, dass nur für etwa 500 Bestände sichere Daten vorliegen. Wie es um die anderen Fischbestände steht, darüber streiten sich die Experten.
3.2 > Weltweite Bestandsschätzung: Daten über den  Zustand der Fischbestände werden von der Fischerei und  von Wissenschaftlern  geliefert. Die FAO trägt die Daten zusammen und versucht daraus ein globales Gesamtbild zu erstellen. Problematisch ist, dass nur für etwa 500 Bestände sichere Daten vorliegen. Wie es um die anderen Fischbestände steht, darüber streiten sich die Experten. © maribus
Kritiker geben zu bedenken, dass die FAO-Statistik damit einen Großteil der Bestände unberücksichtigt lässt. Eine amerikanisch-deutsche Forschergruppe hat deshalb ein eigenes mathematisches Modell entwickelt, mit dem sie versucht, den Status aller Bestände allein aus den von den Fischern gemeldeten Fangmengen abzuschätzen, also ohne fischereiunabhängige Daten, die von den Fischereiwissenschaftlern erhoben werden. Die Forscher untersuchen dazu, wie sich die Fangmenge eines Bestands über die Jahre entwickelt hat. Nach diesem Modell ist ein Bestand dann zusammengebrochen, wenn die Fangmenge innerhalb weniger Jahre auffällig stark abnimmt. Es wird versucht, das Problem fehlender Bestandsberechnungen dadurch zu umgehen, dass man allein den zeitlichen Verlauf der Fangmenge interpretiert. Für Gebiete, über die bislang noch nicht einmal Fangdaten vorlagen, haben die Forscher in mühevoller Kleinarbeit bei den Behörden in den betreffenden Ländern Informationen abgefragt. Nach diesem Modell, das 1500 kommerziell genutzte Bestände und darüber hinaus etwa 500 weitere Bestände berücksichtigt, steht es um den Fisch noch schlechter, als die FAO annimmt: 56,4 Prozent der Bestände sind demnach überfischt/­zusammengebrochen, nicht 29,9 Prozent, wie die FAO sagt. Doch auch die Arbeit der amerikanisch-deutschen Forschergruppe steht in der Kritik. Die Daten seien uneinheitlich und nach wie vor unsicher. Sie gäben nur ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit wieder, sagen andere Forscher. Welche der Methoden den Zustand der Weltfischerei besser abbildet, wird derzeit also kontrovers diskutiert. In einem aber stimmen die Forscher und die FAO trotz aller Unsicherheit überein: Insgesamt hat sich der Zustand der Bestände mit den Jahren verschlechtert. Eine Erholung ist nur dann möglich, wenn man die gefährdeten Bestände für mehrere Jahre weniger stark befischt.

Es wird langsam schlimmer

Die Ergebnisse sind besorgniserregend, denn der Druck auf die Fische nimmt seit Jahren zu. So ist laut des aktuellen SOFIA-Berichts der Anteil der überfischten oder zusammengebrochenen Bestände von 10 Prozent im Jahr 1974 auf 29,9 Prozent im Jahr 2009 gestiegen. Der Anteil der voll genutzten Bestände stieg im selben Zeitraum nach zwischenzeitlichen Schwankungen von 51 auf 57 Prozent. Der Anteil der gemäßigt genutzten Bestände ist hingegen seit 1974 von knapp 40 auf nur noch 12,7 Prozent geschrumpft. Damit zeichnet sich ein klarer Trend ab: Was die Überfischung und intensive Nutzung der Meere angeht, wird es nicht besser, sondern langsam, aber stetig schlechter. Interessanterweise schwankt die jährliche Gesamtfangmenge an Fisch seit ungefähr 2 Jahrzehnten stets zwischen gut 50 und 60 Millionen Tonnen. Den Höchstwert erreichte sie 1994 mit 63,3 Millionen Tonnen. 2011 betrug die Fangmenge 53,1 Millionen Tonnen – rund 4-mal mehr als 1950 (12,8 Millionen Tonnen). Die FAO wiederum erfasst nicht nur Fische, sondern auch die Fänge anderer mariner Artengruppen wie Garnelen, Muscheln oder Tintenfische. Addiert man diese Mengen zum Fischfang, ergeben sich noch deutlich größere Fangmengen. Demnach liegt die jährliche marine Gesamtfangmenge seit circa 2 Jahrzehnten stets bei etwa 80 Millionen Tonnen. Den Höchstwert erreichte sie 1996 mit 86,4 Millionen Tonnen. 2011 betrug die Fangmenge 78,9 Millionen Tonnen.

Abb. links 3.3 > Die Zahl der überfischten Bestände ist seit den 1970er Jahren stark gestiegen, die der gemäßigt genutzten gesunken. Dass Bestände voll genutzt werden, ist nicht grundsätzlich problematisch. Wichtig ist, sie nachhaltig zu bewirtschaften.

Abb. rechts 3.4 > Entwicklung der Fangmengen aller marinen Meereslebewesen seit 1950 weltweit. Die chinesischen Daten sind unsicher und vermutlich zu hoch und werden deshalb separat aufgeführt.

Abb. links: 3.3 > Die Zahl der überfischten Bestände ist seit den 1970er Jahren stark gestiegen, die der gemäßigt genutzten gesunken. Dass Bestände voll genutzt werden, ist nicht grundsätzlich problematisch. Wichtig ist, sie nachhaltig zu bewirtschaften. Abb. rechts: 3.4 > Entwicklung der Fangmengen aller marinen Meereslebewesen seit 1950 weltweit. Die chinesischen Daten sind unsicher und vermutlich zu hoch und werden deshalb separat aufgeführt. © nach FAO (2012)

Dass die reine Fischfangmenge ziemlich stabil geblieben ist, hat folgenden Grund: Weil man im Laufe der Zeit nach und nach die Meeresregionen nahe den Küsten leergefischt hatte, wurde die Fischerei in immer neue Meeresgebiete ausgedehnt. Einerseits breitete sich die Fischerei geografisch aus: von den klassischen Fischrevieren im Nordatlantik und Nordpazifik immer weiter nach Süden. Außerdem dehnte man die Fischerei in die Tiefe aus. Noch vor wenigen Jahrzehnten war es technisch kaum möglich, Netze tiefer als 500 Meter hinabzulassen. Heute fischt man bis in 2000 Meter Tiefe. Des Weiteren schwenkte die Fischerei, sobald die Bestände klassischer Zielarten ausgeschöpft waren, auf andere Fischarten um. Diesen gab man als verkaufsfördernde Maßnahme zuweilen neue Namen, um sie dem Kunden schmackhaft zu machen. Der „Schleimkopf“ (Slimehead) etwa kam als „Granatbarsch“ (Orange Roughy) in den Handel. So ist es bis heute möglich, den Meeren jährlich annähernd gleiche Mengen zu entnehmen, die Zusammensetzung des Weltfangs und die Auswahl der Bestände aber haben sich verändert. Gleichbleibende Fangmengen sind also keineswegs ein Zeichen dafür, dass die Fischbestände stabil sind.
3.5 > Die wichtigsten Fischereinationen nach Fangmenge.
3.5 > Die wichtigsten Fischereinationen nach Fangmenge. © nach FAO (2012)

China fängt am meisten Fisch

Nimmt man die Fangmenge als Maßstab, ist China seit Jahren die wichtigste Fischereination. Allerdings sind die Fangmengenwerte äußerst unsicher. Viele Experten gehen davon aus, dass die Mengenangaben über etliche Jahre hinweg nach oben korrigiert wurden, um das von der Regierung offiziell vorgegebene Plansoll erfüllen zu können. Die Werte sind daher vermutlich seit geraumer Zeit zu hoch. Erst seit Kurzem beginnt China diese Praxis zu ändern. Peru, bis 2009 zweitwichtigste Fischereination, ist auf Platz 4 abgerutscht. Der Grund sind geringe Sardellenfangmengen, was insbesondere auf Klimaänderungen, aber auch auf Fangstopps zurückgeführt wird, durch die der Sardellennachwuchs geschont werden soll. Derzeit ist Indonesien die zweit- und die USA sind die drittwichtigste Fischereination. Interessant ist die Entwicklung in Russland. Seit 2004 sind die Fänge hier um etwa 1 Million Tonnen gestiegen. Dieser Zuwachs liegt nach Angaben der russischen Behörden daran, dass Russland die umfangreiche Dokumentation der Fänge geändert hat. Bislang wurden Fänge der eigenen Flotte in Heimathäfen teilweise als Import und nicht als heimischer Fang verbucht. Russland will in den kommenden Jahren die Fischerei weiter ausbauen. Bereits 2020 sollen 6 Millionen Tonnen angelandet werden. Das wäre etwas mehr als die Fangmenge aller EU-Staaten, die es 2010 auf insgesamt 5,2 Millionen Tonnen gebracht haben. >
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