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Das Ende des Fischs?

In den vergangenen Jahren verkündeten Forscher und Medien gelegentlich Hiobsbotschaften über den Zustand der Meeresfische. 2006 kursierten Meldungen, wonach die Meere bis zum Jahr 2048 leergefischt seien. Diese Aussage wurde jedoch stark kritisiert. Zum einen hatten die Forscher angenommen, dass sich zusammengebrochene Bestände in den kommenden Jahrzehnten nicht erholen würden. Damit blieben die aktuell erfolgreichen Fischereimanagement­maßnahmen in den USA, Neuseeland, Australien und in anderen Ländern unberücksichtigt, die eine Erholung der Bestände zum Ziel haben. Zum anderen wurden Messwerte aus den vergangenen Jahren über einen Zeitraum von 30 Jahren in die Zukunft hochgerechnet. Aussagen über einen so langen Zeitraum sind aber per se mit großen Unsicherheiten behaftet. Heute ist sich die Wissenschaft darin einig, dass der Status der Fischbestände weltweit differenzierter betrachtet werden muss. Schlechte Nachrichten lieferte auch die EU-Kommission: 88 Prozent der EU-Fischbestände seien überfischt, hieß es noch im Jahr 2009. Inzwischen ist diese Zahl, nicht zuletzt aufgrund stärkerer Fangbeschränkungen, auf rund 50 Prozent der Bestände gesunken. Grundsätzlich sind diese Werte aber unvollständig, weil die EU-Kommission ihren Berechnungen nur etwa ein Fünftel der europäischen Fischbestände zugrunde gelegt hatte, für die besonders gute fischereibiologische Daten sowie verlässliche Referenzwerte vorlagen. Insgesamt gibt es in den Gewässern der EU rund 200 genutzte Bestände. Die schlechten Nachrichten haben aber auch ihr Gutes. Sie haben erheblich dazu beigetragen, das Problem der weltweiten Überfischung bekannt zu machen. Etablierte Fischereiwissenschaftler vertraten lange den Standpunkt, „nicht genug zu wissen“, um bewerten zu können, wie es um die Fische steht. Die Fischereiindustrie reagierte meist damit, dass sie mit gleicher Intensität weiterfischte. Heute sind die Wissenschaftler trotz mangelnden Wissens eher bereit, Empfehlungen zu geben, wie sich Bestände nachhaltig bewirtschaften lassen. Zudem setzt sich vielerorts die Einsicht durch, dass man mit mehr Bedacht fischen muss. Nachhaltige, schonende Fischerei ist das Ziel. Einige Nationen haben dieses Ziel bereits gesetzlich verankert. Viele andere müssen diesen Schritt noch gehen.