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2 Die Zukunft der Fische – die Fischerei der Zukunft

Fischerei in der Tiefsee

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Ausschließliche Wirtschaftszone Die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) wird auch 200-Seemeilen-Zone genannt. Hier hat der jeweilige Küstenstaat das alleinige Recht, lebende und nicht lebende Ressourcen zu explorieren und zu ernten. Dazu gehört die exklusive Nutzung der Fischbestände in der eigenen AWZ. Des Weiteren darf ein Staat in seiner AWZ Bohrinseln oder Windkraft­anlagen errichten.

So werden die Black-Smoker-Gebiete auch von Garnelen, fächerförmigen Gorgonien-Korallen oder Röhrenwürmern besiedelt. Weltweit sind heute etwa 300 Black-Smoker-Gebiete bekannt. Die meisten liegen im Pazifik. Wirtschaftlich relevante Fischarten gibt es in diesen extremen Lebensräumen allerdings kaum. Erst seit wenigen Jahren ist bekannt, dass sogenannte kalte Tiefseequellen besondere und wichtige Lebensräume sind. Dort fließt kaltes nährstoffreiches Wasser aus dem Meeresboden. Während einer Expedition vor der Küste von Pakistan stießen Wissenschaftler 2007 auf dicht bevölkerte kalte Quellen. Hier gibt es Muschelbänke, Krabben, Schnecken und Seegurken. Zwar kennen Experten schon länger intensiv belebte kalte Quellen im Golf von Mexiko, doch hielt man sie lange Zeit für eine Ausnahme. Tatsächlich aber gibt es kalte Quellen in verschiedenen Meeresgebieten. Vor der pakistanischen Küste zum Beispiel schiebt sich die arabische Kontinentalplatte unter die eurasische Platte. Dabei wird das im Sediment enthaltene Wasser herausgepresst. Durch Risse im Boden fließt es zurück ins Meer. Von den im Wasser enthaltenen Substanzen ernähren sich vor allem Bakterien und kleinere Tiere, die wiederum höheren Organismen wie etwa Krabben als Nahrung dienen.

Die Fische der Tiefsee

In den nährstoffreichen und produktiven Küstenregionen ist die Massenvermehrung typisch für viele Arten, denn dadurch sichern sie ihr Überleben. Viele Fischarten der Tiefsee hingegen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie langsam wachsen, erst spät geschlechtsreif werden, ein sehr hohes Alter erreichen und nur wenige Nachkommen zeugen. Sie sind an ein Leben in der Tiefe angepasst, an einen Lebensraum, in dem stets gleiche Umweltbedingungen herrschen. Starke Temperaturschwankungen, die die Vermehrung von Fischen in flachen Küstenregionen beeinflussen können, gibt es hier nicht. Die Tiefsee ist allerdings nicht so nährstoffreich wie die Küstengewässer. Die Kapazitäten sind nahezu ausgeschöpft, die Konkurrenz um die Nahrung groß. Daher haben sich die meisten Arten dahingehend angepasst, dass sie nur wenige, dafür aber konkurrenzfähige Nachkommen produzieren. Diese Fortpflanzungsstragie nennt sich K-Strategie (K für Kapazität). Der Nachwuchs wird von den Eltern gut ausgestattet. So sind etwa die Eier vieler Tiefseefische verhältnismäßig groß und nährstoffreich, sodass sich die Larven gut entwickeln können.
3.17 > Viele für die kommen in tiefen Wasserschichten vor. Einige werden erst in hohem Alter geschlechtsreif.
3.17 > Viele für die kommen in tiefen Wasserschichten vor. Einige werden erst in hohem Alter geschlechtsreif.  © maribus
Ein Beispiel ist der als Orange Roughy oder Granatbarsch bekannte Tiefseefisch Hoplostethus atlanticus, der erst mit etwa 25 Jahren geschlechtsreif wird und ein Alter von bis zu 125 Jahren erreichen kann. Er lebt an Seebergen und bildet im Laufe der Zeit sehr große Bestände. Die langsam wachsenden Fische überleben auch Perioden, in denen Nahrungsmangel herrscht. Zudem kann so ein Bestand dank der hohen Lebenserwartung der Individuen auch Zeiten mit schwacher Nachwuchsproduktion ausgleichen. Fischarten mit K-Strategie sind durch die Tiefseefischerei besonders gefährdet. Denn wenn man Alttiere kontinuierlich wegfängt, sind irgendwann zu wenige geschlechtsreife Tiere vorhanden, um die Population aufrechtzuerhalten. Doch nicht alle Fische, die in der Tiefsee zu finden sind, sind K-Strategen. Der Blaue Wittling (Micromesistius poutassou) etwa kommt an Kontinentalabhängen in einer Tiefe von 100 bis 1000 Metern vor. Dennoch gehört er zu jenen Fischarten, die sich massenhaft vermehren. Der Grund: Die Jungtiere halten sich vor allem in den flachen Schelfgebieten um die 100 Meter Tiefe auf. Hier gibt es viele Räuber und Nahrungskonkurrenten. Für den Blauen Wittling ist deshalb Massenvermehrung die ideale Reproduktionsstrategie.

Hohe See Die Hohe See ist jener Teil des Meeres, der allen Nationen offensteht. Kein Staat darf Teile der Hohen See seiner Souveränität unterstellen. Die Hohe See, in der die Freiheit der Schifffahrt, der Forschung und der Fischerei gilt, schließt sich an die 200-Seemeilen-Zonen der Staaten an. Viele Tiefseegebiete liegen außerhalb der AWZ und sind damit Teil der Hohen See. Dort dürfen alle Staaten die Fischbestände ausbeuten.

Die Fischerei in der Tiefe

Kommerziellen Fischfang in der Tiefe gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Zwar fischte man schon im 18. Jahrhundert mit Langleinen, aber erst seit den 1950er Jahren, seit es hochseetüchtige Kühlschiffe gibt, ist an einen industriellen Fischfang weit draußen auf See zu denken. Einen Schub bekam die Tiefseefischerei Anfang der 1970er Jahre mit der Einführung der 200-Seemeilen-Zone, der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), die es ausländischen Schiffen unmöglich machte, nah an fremden Küsten zu fischen. Alternative Fanggebiete waren die Hohe See und damit auch die Tiefsee. Vor allem die Sowjetunion und Japan spezialisierten sich bald auf die Tiefseezonen. Anfangs waren die Fangmengen enorm – insbesondere an Strukturen wie etwa Seebergen und Bänken. In dem Maße, wie die Fischbestände in den Küstengebieten nach und nach schrumpften, wurde die Tiefsee­fischerei auch für andere Nationen zunehmend interessanter. Nach einer Erhebung der FAO gab es im Jahr 2008 27 Nationen, die Tiefseefischerei betrieben, allen voran Spanien, Südkorea, Neuseeland und Russland. Etwa 70 Prozent aller Schiffe setzen Schleppnetze ein, oftmals Grundschleppnetze. Diese reichen heute bis in eine Tiefe von 2000 Metern.
3.18 > Der Granatbarsch lebt in einer Tiefe von bis zu 1800 Metern. Er kann 70 Zentimeter und länger werden.
3.18 > Der Granatbarsch lebt in einer Tiefe von bis zu 1800 Metern. Er kann  70 Zentimeter und länger werden.  © Courtesy of JNCC
Relativ schnell zeigte sich, dass die Tiefseefischerei gleich in zweifacher Hinsicht problematisch ist. Erstens werden wertvolle Lebensräume wie etwa Kaltwasser­korallen oder Ökosysteme an Seebergen zerstört, sofern die Netze Grundberührung haben. Zum anderen werden vor allem jene Arten, die zu den K-Strategen gehören, schnell dezimiert. So wurden zum Beispiel neu entdeckte Bestände des Orange Roughy innerhalb von nur 5 bis 10 Jahren auf 15 bis 30 Prozent ihrer ursprünglichen Größe reduziert. In vielen Gebieten war die Art damit kommerziell ausgerottet. Diese sogenannte Boom-and-Bust-Fischerei (Aufschwung und Pleite) ist typisch für die Jagd nach Tiefseefischarten. Der Grund: Spezies wie der Orange Roughy zeugen nicht nur wenige Nachkommen, ihre Reproduktionsleis­tung ist zudem sehr schwankend und episodisch. So können mehrere Jahre mit geringem Nachwuchs vergehen, bis wieder eine starke Saison folgt. Wodurch diese Schwankungen gesteuert oder ausgelöst werden, ist nach wie vor unklar. Untersuchungen am Großen-Meteor-Seeberg westlich von Madeira deuten darauf hin, dass offenbar Veränderungen der Winde und damit der Strömungswirbel über dem Seeberg einen Einfluss haben. >
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