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5 Die Küsten – ein wertvoller Lebensraum unter Druck

Die Leistung der Küsten

Die Leistung der Küsten © Pietro Canali/SIME/Schapo- walow/Mato

Die Leistung der Küsten

> So vielfältig wie die Küstenlebensräume sind auch die Leistungen, die sie für die Menschen erbringen. Manche dieser Leistungen, wie die Produktion von Fisch, stehen vielerorts zur Verfügung, andere nur in einigen wenigen Gebieten – etwa die Bereitstellung von Bodenschätzen wie Diamanten in den Gewässern vor Namibia. Und schon seit jeher sind Küsten für den Menschen interessante Siedlungs- und Handelsplätze.

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Das enge Band zwischen Küsten und Menschen

Für die Menschen sind die Küsten seit Jahrtausenden ein bedeutender Lebensraum. Zunächst stellte der Übergang vom Land zum Meer nur eine natürliche Barriere dar. Mit der Zeit aber lernten die Menschen die Vorzüge der Küstenregion zu schätzen. Schon früh lieferten die Küstengewässer Fisch, Algen oder auch Salz. Mit der Entwicklung einfacher Fischerboote wurden die Küstenbewohner zunehmend mobiler. Es waren vor allem die mit dem Meer vertrauten Fischer, die sich weiter hinauswagten und nach und nach die Inseln entlang der heimischen Küste entdeckten.
Frühe Hinweise auf diese Erkundung gibt es zum Beispiel in China. Archäologische Funde im Gebiet der südchinesischen Stadt Guangzhou deuten darauf hin, dass die Menschen dort bereits um 6500 vor Christus Einbäume nutzten, um das weitläufige Delta des Perlflusses, aber auch offene Gewässer in Küstennähe zu befahren. Von den neu entdeckten Gebieten wagten sich die nautisch erfahreneren Menschen immer weiter in noch unerschlossene Meeresregionen vor. Mit der Zeit entdeckten sie andere Kulturen, die über andere Nahrungsmittel oder Werkzeuge verfügten. Güter wurden zwischen den verschiedenen Küstenvölkern getauscht. Daraus entwickelten sich Handelsrouten, die nicht mehr nur die Siedlungen an der Küste miteinander verbanden, sondern über Händler bis weit ins Binnenland reichten.
2.1 > In den 1960er-Jahren wurde bei Ausgrabungen am Isthmus von Korinth ein 2600 Jahre alter Schiffskarrenweg freigelegt.
Abb. 2.1: In den 1960er-Jahren wurde bei Ausgrabungen am Isthmus von Korinth ein 2600 Jahre alter  Schiffskarrenweg freigelegt. © Public Domain
Gehandelt wurden vor allem Güter und Rohstoffe, die für den Alltag wichtig waren. Auf Zypern zum Beispiel hat man Reste von Messern gefunden, die aus dem glasartigen Vulkangestein Obsidian bestehen und aus der Zeit um 6000 vor Christus stammen. Da das Gestein nicht auf Zypern vorkommt, muss es zu jener Zeit auf dem Seeweg dorthin gelangt sein. Archäologen vermuten, dass es über eine jungsteinzeitliche Siedlung auf der anatolischen Hochebene gekommen ist, die damals mehrere Tausend Einwohner hatte und 150 Kilometer vom Mittelmeer entfernt lag. Heute gehört die Ausgrabungsstätte unter dem Namen Çatalhöyük zum Weltkulturerbe der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Or­ganization, Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur). Der Obsidian selbst dürfte vom Vulkan Göllü Dağ stammen, der noch einmal
200 Kilometer östlich von Çatalhöyük liegt.
Andere frühe Hinweise auf maritime Handelswege von Küste zu Küste finden sich in Vorderasien. Inschriften aus Mesopotamien, einem Gebiet, das sich über Teile des heutigen Iraks und Syriens erstreckte, deuten darauf hin, dass indische Seefahrer bereits um 2300 vor Christus ­Kupfer, Holz, Elfenbein und Perlen aus dem hoch ent­wickelten Industal ins westliche Asien transportierten. Hier entwickelte sich demnach schon früh eine Art Fernhandel über das Meer.

Küsten verbinden

In den folgenden Jahrhunderten gewann der Seehandel in Europa und Asien weiter an Bedeutung. Zunächst entstanden starke regionale Handelszonen – beispielsweise rund um das Ostchinesische und das Südchinesische Meer sowie um das Mittelmeer. Im östlichen Mittelmeer suchten die Händler an den stark frequentierten Schiffsrouten schon früh nach Möglichkeiten, die Wege abzukürzen. So wurde um 600 vor Christus am Isthmus von Korinth der sogenannte Diolkos angelegt – ein gepflas­terter Pfad, auf dem Schiffe vom Golf von Korinth zum Saronischen Golf über Land gezogen wurden. Die Abkürzung an der schmalsten Stelle der Landbrücke ermöglichte es, die
400 Kilometer lange Umschiffung der Halbinsel Peloponnes zu vermeiden. Der Schiffs­karren­weg war bis in das 1. Jahrhundert nach Christus in Betrieb, bis größere und schnellere Schiffe ihn überflüssig machten.
2.2 > Im 3. Jahrhundert vor Christus waren die wichtigsten Mächte im westlichen Mittelmeer Karthago, Rom und Griechen­land. In den folgenden Jahr­hun­derten weitete vor allem Rom seinen Machtbereich aus.
Abb. 2.2: Im 3. Jahrhundert vor Christus waren die wichtigsten Mächte im westlichen Mittelmeer Karthago, Rom und Griechenland. In den folgenden Jahrhunderten weitete vor allem Rom seinen Machtbereich aus. © Dörrbecker

Vormachtstellung im Mittelmeer

Beim Handel entlang der Küsten ging es aber nicht nur um den reinen Austausch von Waren, sondern oft auch um die wirtschaftliche Vormachtstellung in einer Region. Immer wieder gerieten die Anrainer über strategisch wichtige Handelspunkte oder Rohstoffquellen in Streit, der nicht selten zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte. Beispielhaft dafür steht der mehr als 300 Jahre lange Konflikt zwischen den beiden großen aufstrebenden Mächten am Mittelmeer – den Römern und den Karthagern. Im 6. Jahrhundert vor Christus betrieben beide Mächte bereits rege Geschäfte. Karthago beherrschte das Gebiet im Norden des heutigen Tunesiens und trieb vor allem im westlichen Mittelmeer Handel. Rom begann damals, seinen Machtbereich über die Apen­ni­nen-Halb­in­sel hinaus auszuweiten. Um Konkurrenz zu vermeiden, schlossen die beiden Reiche im Laufe der Zeit mehrere Verträge. Der allererste wurde um 500 vor Christus ausgehandelt und definierte klar den jeweiligen Einflussbereich. Die Römer durften an der nordafrikanischen Küste nicht über einen bestimmten Punkt im Norden der Stadt Karthago hinaus nach Westen fahren. Wollten römische Kaufleute im karthagischen Einflussbereich in Nordafrika und auf Sardinien Geschäfte abschließen, so konnte dies nur im Beisein eines karthagischen Beamten geschehen. Im von Karthago beherrschten westlichen Teil Siziliens hingegen wurden die römischen Kaufleute den karthagischen gleichgestellt. Die Karthager wiederum verpflichteten sich, römisch beherrschte Städte in Latium, der Region um die Stadt Rom, nicht anzugreifen.
2.3 > Bis heute zieren die Wappen von Amalfi, Genua, Pisa und Venedig die Flagge der italienischen Marine. Die einstigen Stadtstaaten, groß geworden durch die Verknüpfung von Meer, Stadt und Land, hatten ihre Blütezeit im Mittelalter.
Abb. 2.3: Bis heute zieren die Wappen von Amalfi, Genua, Pisa und Venedig die Flagge der italienischen Marine. Die einstigen Stadtstaaten, groß geworden durch die Verknüpfung von Meer, Stadt und Land, hatten ihre Blütezeit im Mittelalter. © ug/fotolia.com
Da beide Reiche weiter expandierten, folgten 348 und 306 vor Christus weitere Verträge. Sie legten fest, dass sowohl Rom als auch Karthago den erweiterten Einflussbereich der jeweils anderen Macht respektieren sollten. So wurde Karthago unter anderem die Souveränität über Libyen und Sardinien zugesichert.
Vor allem Rom expandierte in den folgenden Jahren und herrschte schließlich über die gesamte Apen­ni­nen-Halb­in­sel. Die alte Rivalität blieb aber weiter bestehen und mündete schließlich in die Punischen Kriege, einer Serie von Kriegen. Daraus ging 146 vor Christus das Römische Reich als Sieger hervor. Die Stadt Karthago wurde vollständig zerstört. Von da an blieb Rom im Mittelmeer für lange Zeit die herrschende Großmacht.
Ab dem 5. Jahrhundert nach Christus zerfiel das Römische Reich. In der Folge gewannen vor allem islamische Volksgruppen am Mittelmeer und im Nahen Osten an Bedeutung. Zu wichtigen Handelsposten wurden zu jener Zeit die syrische Stadt Damaskus, die Vorläufersiedlungen der Stadt Kairo, Isfahan im heutigen Iran und Bagdad, die spätere Hauptstadt Iraks – Binnenstädte, über die ein Großteil des Handels zwischen den Küsten des Mittelmeers und China und Indien abgewickelt wurde. Über mehrere Jahrhunderte kontrollierten Muslime die Handelsrouten entlang der nordafrikanischen Küste, des Mittelmeers und des Roten Meeres, das den Zugang zum Indischen Ozean eröffnete. Nach Ansicht von Historikern ist es deren großes Verdienst, die Handelsrouten Zentral- und Westasiens und des Mittelmeerraums zu einem großen System verbunden zu haben.
Im frühen 9. Jahrhundert wurde das westliche Mittelmeer vor allem von muslimischen Piraten dominiert, die die Küsten plünderten und Sardinien und Sizilien in ihre Gewalt brachten. Diese wurden von den Christen verallgemeinernd als Sarazenen bezeichnet, obwohl sie verschiedenen islamischen Volksgruppen ­entstammten. Die Stadt Amalfi an der heutigen italienischen Riviera wiederum war wegen ihrer besonderen Lage vor den Angriffen sicher. Am Golf von Salerno auf der Sorrentinischen Halbinsel an einer Steilküste gelegen, war sie bestens geschützt. Den Kaufleuten dort gelang es, mit den Sarazenen ins Geschäft zu kommen – und so einen Zugang zu den wichtigen islamischen Märkten in Nord­afrika zu erhalten. Die Sarazenen verfügten zu der Zeit über wichtige Handelskontakte nach Nordafrika. Amalfi konnte sich daher zu einem bedeutenden Handelsplatz entwickeln und eine größere Flotte aufbauen. Die Stadt wurde so mächtig, dass sie schließlich die Sarazenen im Hafen Ostia bei Rom schlagen und deren Einfluss auf den Handel in dieser Region erheblich schwächen konnte. Amalfi wird mit Genua, Pisa und Venedig zu den sogenannten italienischen Seerepubliken gezählt – Stadtstaaten, die durch kluges Handeln und Taktieren zu großen Wirtschaftsmächten aufsteigen konnten und deren Handelsbeziehungen bis nach Byzanz reichten, jenem Reich im östlichen Mittelmeer mit der Hauptstadt Konstantinopel, dem heutigen Istanbul.
Eindrucksvoll ist die Geschichte der Seerepublik Venedig, die sich etwa ab dem 7. Jahrhundert zur wichtigen Wirtschaftsmetropole entwickelte. Im Hinblick auf den Warenaustausch hatte die Stadt große Vorteile. Sie verfügte über ein gut ausgebautes Textilgewerbe, besaß einen Flusshafen mit großer Wassertiefe und kontrollierte über ein funktionierendes Netz von Flüssen auch das Hinterland. Venedigs Entwicklung verlief auch deshalb so dynamisch, weil die Stadt nach außen aggressiv agierte. Venedig unterwarf benachbarte Konkurrenten und kontrollierte Dalmatien, jene Region, die heute zu Kroatien und Montenegro gehört. Diplomatisches Geschick, militärische Brutalität und Boykott von Handels­kon­kurrenten: Das war die Mischung, mit der Venedig seinen Einflussbereich schließlich bis auf die Krim und nach Zypern ausdehnen konnte. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts verlor die Seerepublik an Bedeutung, weil der Handel im Mittelmeer keine große Rolle mehr spielte. Wirtschaftlich wichtiger war fortan der Überseehandel nach Amerika und Asien, der von anderen Mächten wie England oder den Niederlanden dominiert wurde.

Die Hanse – ein starkes Bündnis für 500 Jahre

Im Ost- und Nordseeraum bildete sich seit der Mitte des 12. Jahrhunderts mit der Hanse ein großes Handelsbündnis heraus, das sich von Brügge im heutigen Belgien bis nach Reval in Estland erstreckte. Handelte es sich zunächst um eine Vereinigung von Kaufleuten, deren wichtigstes Ziel die sichere Fahrt durch die Küstengewässer der Nord- und Ostsee war und die sich zum Schutz vor Piraten zusammenschlossen, gehörten ihr schließlich fast 300 Städte in Nordeuropa an. Diese lagen nicht alle an der Küste, sondern teils weit im Binnenland – wie beispielsweise Köln. Der Erfolg der Hanse beruht insbesondere darauf, dass man Waren transportierte, die nur in bestimmten Regionen hergestellt wurden und an anderen Orten wiederum sehr gefragt waren. Tuche, Pelze, Wachs, Salz, Trocken- oder Salzfische, Getreide, Holz und Bier machten den größten Teil des Warenvolumens aus. Wobei Textilien lange Zeit das bedeutendste Gut waren. Erst Mitte des 17. Jahrhunderts löste sich die Hanse auf.
2.4 > Ende des 15. Jahrhunderts war der Einfluss der beiden See­mächte Portugal und Spanien so groß, dass Papst Alexander VI. die Welt unter diesen aufteilte. Die Gebiete westlich der blauen Linie im Atlantik wurde Spanien zuge­schlagen, die Gebiete östlich Portugal. Im Vertrag von Tordesillas wurde die Demarka­tions­linie korrigiert.
Abb. 2.4: Ende des 15. Jahrhunderts war der Einfluss der beiden Seemächte Portugal und Spanien so groß, dass Papst Alexander VI. die Welt unter diesen aufteilte.  Die Gebiete westlich der blauen Linie im Atlantik wurde Spanien zugeschlagen, die Gebiete östlich Portugal. Im Vertrag von Tordesillas wurde die Demarkationslinie korrigiert. © maribus

Reichtum und Missgunst entlang der Küsten

Wie stark die Handelsschifffahrt von Machtinteressen geprägt war, verdeutlicht der Überseehandel, der sich nach der Entdeckung der Neuen Welt 1492 durch Chris­toph Kolumbus zu Beginn des 16. Jahrhunderts zwischen den Häfen des neu entdeckten Kontinents und Europa entwickelte. Die mächtigsten Seemächte waren damals Portugal und Spanien. Spanien hatte die Neue Welt in Besitz genommen, Portugal wollte insbesondere die neu erschlossenen Handelswege nach Indien entlang der afrikanischen Küste absichern. Zudem hatten die Portugiesen bereits Anfang des
15. Jahrhunderts Madeira und die Azoren er­obert. Papst Alexander VI. verfügte daher 1493, dass die Welt außerhalb Europas zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt werden solle. Spanien erhielt als Besitz die bis dahin bekannte westliche Welt und alle westlichen Ländereien, die noch entdeckt werden sollten. Portugal wurde die östliche Welt zugesprochen. Die Grenze zwischen West und Ost sollte in der Mitte des Atlantiks auf Höhe des 38. Längengrads verlaufen. Die Portugiesen aber protestierten und verlangten, die Grenze noch etwa 1000 Kilometer weiter nach Westen zu verschieben – bis etwa zum 46. Grad westlicher Länge. Ihr Protest hatte schließlich Erfolg, und 1494 wurde die Grenze im Vertrag von Tordesillas dementsprechend festgelegt. Heute wird vermutet, dass den Portugiesen damals bereits der Küsten­verlauf Südamerikas bekannt war, denn durch die Westverschiebung der Linie fiel ein großer Teil des heutigen Brasiliens den Portugiesen zu. Schon wenige Jahre nach dem Vertrag begann die Ausbeutung Südamerikas. Die eroberten Gebiete wurden zu Kolonien. Große Mengen an Gold und Silber wurden aus der Neuen Welt nach Europa gebracht. Wichtige Häfen für diesen frühen interkontinentalen Fracht­verkehr zwischen Europa und Amerika waren Sevilla und Lissabon. Die spanische Flotte war die größte und mächtigste ihrer Zeit.

Zusatzinfo Taktik kleiner Nadelstiche – die Kaperei

Doch in den folgenden Jahrzehnten begann sich eine weitere Seemacht zu etablieren: England. In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts gewann das englische Bürgertum, das weniger den Papst, sondern den eigenen König als Oberhaupt seiner Kirche betrachtete, an Einfluss. Zwischen Spanien und dem aufstrebenden Neuling kam es immer wieder zu Konflikten, die sich im Laufe der Zeit aufschaukelten. Mitte des 16. Jahrhunderts entdeckten die Engländer die Gewässer vor Neufundland als reiche Fischgründe, weil dort große Bestände an Kabeljau zu finden waren. Die Spanier aber betrachteten die Fischerei als Wilderei in den ihnen vom Papst zuge­sproch­enen Gewässern der westlichen Hemisphäre. Die Spannungen stiegen, als die Spanier englische Schiffe im Golf von Mexiko angriffen, die für Werftarbeiten in einem Hafen lagen. Zu offenen kriegerischen Auseinandersetzungen kam es damals zwar nicht, doch schickte Königin Elisabeth I. englische Kapitäne auf Kaperfahrt. Lange Zeit blieb der Konflikt daher eher ein Handelskrieg.
Erst 1588 kam es zur großen Seeschlacht zwischen den Mächten. Der spanische König Philipp II. schickte die große spanische Flotte, die Armada, gegen England, um ­Elisabeth I. zu stürzen. Die Invasion Englands misslang jedoch. Die Engländer konnten die Armada im Ärmelkanal zurückschlagen. Anders als vielfach überliefert, wurde die spanische Flotte damit aber nicht gänzlich vernichtet. Spanien blieb weiter eine starke Seemacht. Erst ein Überraschungsangriff der Niederlande im Jahr 1607 in der Bucht von Gibraltar war so durchschlagend, dass Spanien einen maßgeblichen Teil seiner Flotte und seine Rolle als stärkste Seemacht verlor.

Historische Verkehrsdrehkreuze

Der Handel zwischen den weit entfernten Küsten machte es erforderlich, auf bestim­mten Strecken Häfen einzurichten, in denen sich die Mannschaften mit Nahrung und Frischwasser versorgen konnten. Viele dieser Häfen entwickelten sich zu Verkehrs­dreh­kreuzen. Ein Beispiel ist Mauritius. Bereits seit dem 10. Jahrhundert war die Insel auf Karten arabischer Seefahrer verzeichnet. Von Portugiesen wurde sie Anfang des 16. Jahrhunderts entdeckt, und zwar als Zwischenstopp für ihre Schiffe auf dem Weg nach Asien und zurück nach Portugal. Die Portugiesen nutzten Mauritius aber nur als Stützpunkt und machten die Insel nicht zur Kolonie. Mitte des 17. Jahr­hun­derts schließlich siedelten sich hier die Niederländer als Kolonialherren an, nun wurde Zuckerrohr eingeführt und die Produktion von Rum aufgenommen.
2.6 > Im Jahr 1607 kämpfte Spanien vor Gibraltar gegen die Niederlande. Dabei verloren die Spanier einen maßgeblichen Teil ihrer Flotte und in der Folge ihre Vormachtstellung zur See.
Abb. 2.6: Im Jahr 1607 kämpfte Spanien vor Gibraltar gegen die Niederlande. Dabei verloren die Spanier  einen maßgeblichen Teil ihrer Flotte und in der Folge ihre Vormachtstellung zur See. © https: © //en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_ Gibraltar_(1607)#/media/File: ©Battle_of_Gibraltar_1607.jpg (Stand: © 02.2017)
1715 dann besetzten Franzosen die Insel. Sie verkauften nicht nur Lebensmittel, Wasser und vor allem Zucker sowie Rum an die Handelsschiffe, die auf ihren langen Reisen Mauritius ansteuerten, sondern nutzten darüber hinaus die strategisch gute Lage, um Schiffe der Engländer zu überfallen, die auf dem Weg zwischen Europa und Asien die Gewässer um Mauritius passierten. Dieser Piraterie machten die Briten 1810 ein Ende, indem sie ihrerseits die Franzosen angriffen und die Insel übernahmen. Genutzt wurde Mauritius fortan vor allem von europäischen Kaufleuten, die einen regen Seehandel zwischen Europa, Südamerika, Indien und Südost­asien unterhielten. Umgeschlagen wurden auf Mauritius Texti­lien und Gewürze aus Indien sowie Porzellan aus China, aber auch Elfenbein aus Afrika. Erst mit den modernen, motorisierten Schiffen, die große Strecken nonstop zurücklegen konnten, und schließlich mit dem Bau des Sueskanals sank die Bedeutung der Insel. Andere Häfen hingegen konnten ihren Status als wichtiges Drehkreuz über die Jahrhunderte halten. Der niederländische Hafen Rotterdam etwa war bereits zu Beginn des 17. Jahr­hun­derts ein wichtiger Sitz der Niederländischen Ostindien-Kompanie, die im Gewürz­handel aktiv war. Es wurden und werden noch immer Waren aus aller Welt nach Rotterdam gebracht und dann weiter ins europäische Binnenland transportiert: seinerzeit mit dem Schiff über den Rhein, heute auch per Güterzug und Lastwagen. Gemessen am Warenumschlag steht Rotterdam in der Rangliste der größten Häfen der Welt heute auf Platz 6. Vor allem Container, Erdgas und Erdöl werden hier angelandet. >
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