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2 Die Zukunft der Fische – die Fischerei der Zukunft

Die illegale Fischerei

Die illegale Fischerei

> In vielen Meeresgebieten hat die illegale Fischerei zum Zusammenbruch der Bestände beigetragen – insbesondere in den Küstengewässern von Entwicklungsländern. Durch eine bessere internationale Zusammenarbeit bei der Kontrolle von Schiffen soll die illegale Fischerei künftig eingedämmt werden.

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Skrupelloses Fischen verschärft die Probleme

Die Fischbestände der Welt sind heute nicht nur durch intensive legale Fischerei, sondern auch durch illegale, nicht gemeldete und nicht regulierte Fischerei (illegal, unreported and unregulated fishing, IUU-fishing) bedroht. Diese schwarz gefangene Menge lässt sich nur schwer abschätzen. Wissenschaftler tragen dafür in mühevoller Kleinarbeit Daten der Fischereiaufsicht aus verschiedenen Ländern, Einschätzungen von Experten, Handelsdaten oder Ergebnisse von fischereiunabhängigen Forschungsfahrten zusammen. Da es sich um einen Schwarzmarkt handelt, bleiben die Einschätzungen dennoch unsicher. Manche Fachleute gehen von jährlich 11 Millionen Tonnen, andere sogar von bis zu 26 Millionen Tonnen aus. Das entspricht immerhin 14 beziehungsweise 33 Prozent der Menge an Fischen und anderen Meerestieren, die im Jahr 2011 weltweit legal gefangen wurde. Diese Fänge müssen zur jährlichen weltweiten marinen Gesamtfangmenge von derzeit 78,9 Millionen Tonnen Meerestieren dazugerechnet werden. Viele Jahre aber wurde die IUU-Fischerei bei der Einschätzung von Fischbeständen nicht ausreichend berücksichtigt. Das ist problematisch, denn wenn der IUU-Anteil nicht in die Berechnungen eingeht, lassen sich die legalen Fangquoten für ein bestimmtes Meeresgebiet nicht richtig bestimmen. In der Annahme, dass weniger Fische gefangen werden, als dies tatsächlich der Fall ist, überschätzt man die Größe des Bestands und setzt die Fangquoten im folgenden Jahr daher zu hoch an. Die Konsequenz ist, dass auf Dauer ein Bestand so noch schneller überfischt werden kann. Die Überfischung wird durch illegale Fischerei auch deshalb verschärft, weil die IUU-Schiffe sogar in Meeresschutzgebiete eindringen, wo totales Fangverbot herrscht. Des Weiteren werden Fischereimanagementpläne völlig oder zumindest teilweise ignoriert, durch die überfischte oder zusammengebrochene Bestände geschont werden sollen. Letztlich ist die IUU-Fischerei heute aber vor allem deshalb kritisch zu betrachten, weil viele Fischbestände bereits legal überfischt sind. Die IUU-Fischerei erhöht den Druck auf die Bestände noch zusätzlich. Wären die Bestände hingegen nachhaltig bewirtschaftet, könnte die IUU-Fischerei die ohnehin angespannte Situation nicht in dem Maße verschärfen wie bisher. Die Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) teilt die illegale Fischerei in drei Kategorien ein:
Illegale Fischerei (illegal fishing): Von illegaler Fischerei spricht man, wenn fremde Schiffe ohne Erlaubnis in den Hoheitsgewässern einer anderen Nation fischen oder in anderer Weise die Fischereigesetze des Landes missachten – beispielsweise indem sie Fangzeiten oder Schutzgebiete des Staates ignorieren. So fischen IUU-Schiffe unter anderem in den Hoheitsgebieten westafrikanischer Staaten. Da sich die Länder kaum eine schlag­kräftige Fischereiaufsicht leisten können, kommen die IUU-Fischer in vielen Fällen ungestraft davon.
Nicht gemeldete Fischerei (unreported fishing): Nicht gemeldete Fischerei liegt dann vor, wenn Schiffe den nationalen Aufsichtsbehörden ihren Fang nicht vollständig melden oder niedrigere Mengen angeben, als sie tatsächlich aus dem Wasser gezogen haben. So fischen manche Schiffe mehr Tonnen, als ihnen nach einer staatlich verordneten Fangquote zusteht. 2006 wurden beispielsweise mehrere spanische Trawler bei Spitzbergen aufgebracht. Wie sich bei Kontrollen durch die norwegische Küstenwache herausstellte, befanden sich im Laderaum zusätzlich zur offiziell gemeldeten Ladung, die aus ausgeweidetem Kabeljau bestand, 600 Tonnen Kabeljau­filets. Die Fischer hatten diese nicht gemeldet. Das spanische Fischereiunternehmen wurde im Anschluss zu einer Buße von 2 Millionen Euro verurteilt.
3.25 > Verfolgungsjagd vor Südkorea: Ein ganze Flotte illegaler chinesischer Fischerboote versucht vor der südkoreanischen Küs­tenwache zu fliehen. Wenig später werden die Fischer durch bewaffnete Einsatzkräfte gestoppt.
3.25 > Verfolgungsjagd vor Südkorea: Ein ganze Flotte illegaler chinesischer Fischerboote versucht vor der südkoreanischen Küs­tenwache zu fliehen. Wenig später werden die Fischer durch bewaffnete Einsatzkräfte gestoppt. © Dong-A Ilbo/AFP ImageForum/Getty Images
Nicht regulierte Fischerei (unregulated fishing): Nicht reguliert ist die Fischerei dann, wenn in einem Gebiet überhaupt kein Management vorhanden ist, das den Fang reglementiert, wie das zum Beispiel im Südatlantik der Fall ist. Der Begriff bezieht sich aber auch auf den Fang weit wandernder Fischarten und mancher Haiarten, der nicht durch eine der Regionalen Organisationen für das Fischerei­management (Regional Fisheries Management Organisation, RFMO) geregelt ist. Schließlich ist mit der Bezeichnung auch jene Art von Fischerei gemeint, die in internationalen Gewässern stattfindet und dabei die Vorgaben der entsprechenden RFMO missachtet. Zwar ist der nicht regulierte Fang nach der rechtlichen Konstituierung der Hohen See nicht im eigentlichen Sinne illegal. Er ist aber insofern problematisch, als dadurch in RFMO-Gebieten über die zwischen den jeweiligen RFMO-Mitgliedsstaaten vereinbarten maximalen Fangmengen hinaus zusätzlich Fisch gefangen wird. Voll genutzte Bestände können dadurch leicht überfischt werden. Zudem ignorieren die IUU-Fischer oftmals von den RFMOs eingerichtete Meeresschutzgebiete, in denen sich überfischte Bestände eigentlich erholen sollen.

Warum gibt es IUU-Fischerei?

Für die Fischer ist illegale Fischerei vor allem deshalb so attraktiv, weil sie weder Abgaben noch Steuern auf diese Fänge zahlen. Darüber hinaus gibt es IUU-Fischerei in großem Ausmaß, weil sie vielfach ungestraft bleibt. Das ist vor allem in den Hoheitsgewässern oder den Ausschließlichen Wirtschaftszonen von Staaten der Fall, die sich eine kostspielige Fischereiaufsicht wie beispielsweise in Europa nicht leisten können. Schwierig ist die Situation vor allem in den Entwicklungsländern. In einer umfassenden Analyse der weltweiten IUU-Fischerei kommen Forscher zu dem Schluss, dass IUU-Fischerei vor allem in jenen Staaten praktiziert wird, die typische Anzeichen für schwache staatliche Kontrolle zeigen. Dazu gehören ausufernde Korruption, unklare Gesetzgebungen oder mangelnde Fähigkeit beziehungsweise mangelnder Wille, bestehende Gesetze im Land durchzusetzen. Die westafrikanische Subregionale Fischereikommission (Subregional Fisheries Commission, SRFC), die aus 7 westafrikanischen Staaten besteht (Mauretanien, Senegal, Sierra Leone, Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Kap Verde), zählt die Ursachen der IUU-Fischerei im Detail auf:
  • Den Behörden fehlt es an gut ausgebildeten Fachkräften.
  • Die Behörden sind kaum motiviert, in Aufsichtspersonal zu investieren. Finanziell schwache Staaten setzen andere Prioritäten.
  • Die Fachkräfte sind schlecht bezahlt und häufig bestechlich. IUU-Fischer nutzen das aus und zahlen Schmiergeld.
  • Überwachungsboote und -flugzeuge sind teuer, sowohl in der Anschaffung als auch in Unterhalt und Wartung. Zudem lässt sich eine wirksame Fischereiaufsicht nur dann realisieren, wenn Schiffe und Flugzeuge auch eingesetzt werden. Häufig aber sind sie aus Mangel an Treibstoff oder Ersatzteilen nicht einmal betriebsbereit.
3.26 > Das Transshipment ist typisch für die IUU-Fischerei. So wie hier vor Indonesien wird die schwarze Ware von kleineren Fangschiffen auf größere Kühlschiffe umgeladen. Die Fangschiffe werden im Gegenzug mit Treibstoff und Vorräten versorgt und können so Monate auf See bleiben.
3.26 > Das Transshipment ist typisch für die IUU-Fischerei. So wie hier vor Indonesien wird die schwarze Ware von kleineren Fangschiffen auf größere Kühlschiffe umgeladen. Die Fangschiffe werden im Gegenzug mit Treibstoff und Vorräten versorgt und können so Monate auf See bleiben. © Alex Hafford/AFP ImageForum/Getty Images

Wo schwarz gefischt wird

Besonders kritisch ist die Situation vor Westafrika. Hier hat die IUU-Fischerei einen Anteil von 40 Prozent am Gesamtfang in dieser Region. Das ist der höchste Wert weltweit. Für die in dieser Region ohnehin stark ausgebeuteten Fischbestände ist das geradezu katastrophal. In dem Wissen, dass hier in der Regel weder eine Kontrolle durch die Fischereiaufsicht noch eine Strafverfolgung zu befürchten ist, fischen die IUU-Schiffe zum Teil direkt vor der Küste – mitunter in einem Abstand von nur 1 Kilometer. Ähnlich ist die Situation in Teilen des Pazifiks. Fachleute aus Indonesien berichten, dass es ungeheuer schwer ist, IUU-Fischer inmitten der Inseln und Archipele zu verfolgen. Mit jährlich 1,5 Millionen Tonnen ist die Menge des illegal gefangenen Fischs hier entsprechend groß. Besonders betroffen ist die Arafurasee zwischen Australien und Indonesien. Damit ist der zentrale Westpazifik nach Westafrika die Region mit der intensivsten IUU-Fischerei weltweit. Die durch die IUU-Fischerei gefangene Fischmenge entspricht im Westpazifik 34 Prozent der dort gefangenen Fischmenge. Ähnlich ist die Situation im Nordwestpazifik, insbesondere der westlichen Beringsee. IUU-Fischerei wird in dieser Gegend vor allem durch China und Russland betrieben. Sie liegt hier bei 33 Prozent. Die Angaben für den Südwestatlantik sind unsicher. Experten schätzen die IUU-Fischerei dort auf 32 Prozent.

Was schwarz gefischt wird

Bei Schwarzfischern besonders begehrt sind wertvolle demersale, am Boden lebende, Fischarten, wie zum Beispiel Kabeljau, sowie Lachse, Forellen, Hummer und Garnelen. Von Interesse sind meist jene Arten, die bereits legal überfischt sind oder deren Fang durch das Fischereimanagement beschränkt wurde. Da sie dementsprechend nur noch in kleinen Mengen gehandelt werden dürfen, sind Nachfrage und Preis hoch – was sie für Schwarzfischer lukrativ macht. >
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