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1 Mit den Meeren leben – ein Bericht über den Zustand der Weltmeere

Fischereimanagement

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6.14 > Verschiedene Fischereimethoden wirken sich unterschiedlich stark auf die Fischbestände und die Meeresumwelt aus.
6.14 > Verschiedene Fischereimethoden wirken sich unterschiedlich stark auf die Fischbestände und die Meeresumwelt aus. 
© maribus

Den Aufwand beschränken

Der Fischfang lässt sich nicht nur durch die Festlegung von Fangmengen, sondern auch durch eine Begrenzung des Fischereiaufwands regulieren. So lässt sich die Fangkapazität begrenzen, indem nur eine bestimmte Zahl an Lizenzen für Fangschiffe vergeben oder indem die Motorleistung oder die Größe der einzelnen Schiffe begrenzt wird. Darüber hinaus kann die Fangdauer beschränkt werden, beispielsweise durch eine bestimmte Zahl von Fangtagen auf See. Eine aufwandsbasierte Regulierung bietet jedoch Schlupflöcher. Nicht selten umgehen Fischer die begrenzten Fangzeiten, indem sie die Fangkapazität erhöhen. Auf diese Weise kann die gleiche Menge Fisch in wenigen Tagen auf See gefangen werden. Ein bekanntes Beispiel ist die pazifische Heilbutt-Fischerei, bei der Ende der 1980er Jahre nur drei Fangtage pro Jahr zugelassen wurden. Wie sich zeigte, wurde in dieser kurzen Zeit mit einer geradezu gigantischen Flotte die gleiche Menge gefangen, die in der Vergangenheit innerhalb eines ganzen Jahres gefischt wurde. Darüber hinaus muss die aufwandsbasierte Regulierung laufend an den Stand der aktuellen technischen Entwicklung angepasst werden. Eine immer effizientere Technik zur Ortung der Fische macht es beispielsweise möglich, die gleiche Menge Fisch in immer geringerer Zeit aufzuspüren und zu fangen. Außerdem werden immer detailliertere Vorschriften erforderlich, was letztlich zu Überregulierung und hohen volkswirtschaftlichen Kosten führt. Einig sind sich die Experten allerdings darin, dass bestimmte Vorschriften für Fangtechnik und Fangmethoden nötig sind. So sind in vielen Regionen Fangmethoden verboten, die das Meeres-Ökosystem besonders schädigen, wie zum Beispiel das Fischen mit Sprengstoffen, bei dem tatsächlich alle Fische in einem bestimmten Umkreis getötet werden.
6.15 > Das Dynamitfischen ist fast überall verboten, weil durch die Explosion unzählige Tiere verenden. In Gebieten, die von Behörden kaum kontrolliert werden, praktizieren Fischer diese radikale Fangmethode dennoch – so wie hier in Brasilien.
6.15 > Das Dynamitfischen ist fast überall verboten, weil durch die Explosion unzählige Tiere verenden. In Gebieten, die von Behörden kaum kontrolliert werden, praktizieren Fischer diese radikale Fangmethode dennoch – so wie hier in Brasilien. © M. Tristao/UNEP/Still Pictures/OKAPIA

Die Fangrechte verteilen

Eine Alternative zu zentralen Fischereimanagement-Ansätzen sind territoriale Nutzungsrechte (territorial use rights in fisheries, TURF). Dabei wird einzelnen Nutzern oder bestimmten Nutzergruppen wie etwa Genossenschaften langfristig das Recht zugestanden, ein räumlich begrenztes Meeresgebiet exklusiv zu nutzen. Fangmengen und Fangaufwand werden vom einzelnen Fischer oder der Nutzergruppe selbst festgelegt. Diese privatwirtschaftlich organisierte Selbstverwaltung kann auch zu einer erheblichen Senkung der staatlichen Regulierungs- und Kontrollausgaben führen. Zugleich haben die Nutzer ein Eigeninteresse daran, die Bestände nicht zu überfischen, denn nur so können sie ihr zukünftiges Einkommen sichern. Ein exklusives Nutzungsrecht für einen Bestand von Fischen oder anderen lebenden Ressourcen des Meeres lässt sich aber nur für Arten definieren, die kaum wandern, wie zum Beispiel Krebstiere und Muscheln. Ein Beispiel für ein erfolgreiches Management mit territorialen Nutzungsrechten ist die handwerkliche Küstenfischerei in Chile, die vor allem am Meeresboden lebende Arten befischt, besonders Seeigel und Austern. Dort zeigt sich, dass die Fischer im eigenen Interesse darauf achten, nachhaltig zu fischen, wenn sie die Möglichkeit haben, die Erträge einer solch nachhaltigen Fischerei langfristig zu nutzen. Textende
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