Obwohl mit den Leistungen des Ozeans viel Geld verdient wird, existieren bislang keine umfassenden, allseits anerkannten Berechnungen oder einheitliche Statistiken über den ökonomischen Wert der Weltmeere. Dies
ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass es eine Vielzahl von Methoden und Ansätzen gibt, um die vielfältigen Werte der Natur und somit auch des Meeres zu ermitteln und zu bewerten.
Der Weltbiodiversitätsrat listet in seinem Wertebericht mehr als 50 verschiedene Methoden aus unterschiedlichen Disziplinen und Wissenssystemen, die weltweit angewendet und in der Fachliteratur beschrieben werden, um die Werte der Natur zu ermitteln. Keine davon sei jedoch geeignet, als einheitliche Bewertungsmethode für alle Zwecke genutzt zu werden – so groß sei die Vielfalt der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Ausgangsbedingungen, die bei der Methodenauswahl eine Rolle spielen, so die Expertinnen und Experten.
Fachleute versuchen dennoch immer wieder, den ökonomischen Wert der Leistungen des Meeres und seiner Ökosysteme zu berechnen – oft verbunden mit der Hoffnung, die ermittelten Summen würden politische Entscheidungen zur Nutzung des Meeres beeinflussen. Die zur Verfügung stehenden wissenschaftsbasierten Bewertungsverfahren lassen sich in vier Methodenfamilien einteilen: in naturbasierte, aussagenbasierte, verhaltensbasierte und integrierte Bewertungsmethoden. Sie unterscheiden sich vor allem darin, welche Naturaspekte bewertet werden, welche Informationsquellen genutzt werden, auf welche Art Informationen über die Werte der Natur generiert werden, welche Wertindikatoren berücksichtigt werden und welche Bewertungs„produkte“ am Ende entstehen (siehe Tabelle). Die Wahl der Methode beeinflusst demnach maßgeblich das Ergebnis der Bewertung, betonen die Autorinnen und Autoren des Weltbiodiversitätsrats.
Den ökonomischen Wert des Meeres und seiner Ökosysteme und Artenvielfalt zu bewerten, ist demnach ein wirklich schwieriges Unterfangen und lässt sich bisher nur für Teilaspekte umsetzen. Forschende
aus Großbritannien beispielsweise berechneten im Jahr 2016, wie viel Geld das britische Gesundheitswesen spart, weil die Menschen am Meer oder anderen Gewässern des Landes gern Sport treiben und demzufolge gesünder leben. Das Ergebnis: Die Einsparungen belaufen sich auf 176 Millionen britische Pfund.
Zwei Jahre später veröffentlichten Experten der irischen Umweltschutzbehörde einen Bericht, in dem sie darstellen, welchen Gegenwert ausgewählte Ökosystemleistungen des Meeres für Einwohner und Gäste Irlands haben. Ihren Berechnungen zufolge entstehen allein durch die Reisen von Menschen an die irische Küste Geldströme im Umfang von 1,6 Milliarden Euro. Der irische Fischerei- und Aquakultursektor profitiert pro Jahr in einem Umfang von 664 Millionen Euro vom Meer. Die CO2-Aufnahme und -Speicherung durch den Ozean bewerteten die Fachleute mit 819 Millionen Euro pro Jahr – um nur drei Beispiele zu nennen.
Es sei jedoch nicht möglich, auf Basis dieser Zahlen einen Gesamtwert der Meeresleistungen für Irland zu berechnen, betonen die Experten. Schließlich stellten die bewerteten Leistungen nur einen kleinen Teil dessen dar, was das Meer in seiner Gesamtheit an Lebensgrundlagen und somit an Werten uns Menschen zur Verfügung stelle.
Tab. 3.7 > Die vielen verschiedenen Methoden zur Bewertung der Natur können in vier nicht disziplinäre Methodenfamilien eingeteilt werden, deren Hauptmerkmale hier übersichtlich erläutert werden. Jede Bewertungsmethode selbst kann dabei verschiedene Arten von Naturwerten und den Beiträgen der Natur für die Menschen bewerten. Zudem besitzt jede Methode unterschiedliche Möglichkeiten und Grenzen.