Was uns die Natur und das Leben im Meer bedeuten
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WOR 9 Marine Biodiversität – das vitale Fundament unserer Meere | 2025

Was uns die Natur und das Leben im Meer bedeuten

Was uns die Natur und das Leben im Meer bedeuten
> Die Lebensgemeinschaften des Meeres sind Teil der Natur, deren Wert Menschen ganz unterschiedlich beurteilen. Abhängig davon, wo wir geboren werden, in welchem Kulturkreis wir aufwachsen und wie nah wir am oder mit dem Ozean leben, sprechen wir dem Leben im Meer variierende Bedeutungen zu. Aus den unterschiedlichen Betrachtungsweisen resultiert der entsprechend vielfältige Umgang mit der Natur, was auch erklärt, warum uns Meeresschutz bislang nur in Einzelfällen gelingt.
Zeit für eine Wiederannäherung Abb.3.8 © mauritius images/ClickAlps

Zeit für eine Wiederannäherung

> Sozialwissenschaftliche Forschung zeigt: Je weniger das Wohlergehen von Menschen auf direkte und spürbare Weise von der Natur abhängt, desto weniger interessieren sich viele für die Belange der Umwelt und des Meeres vor der eigenen Haustür. Gerade Menschen in Industrie­nationen haben sich von der Natur entfremdet und wissen kaum noch, warum gesunde Meeresökosysteme über­lebenswichtig für uns Menschen sind. Zeit für eine Kehrtwende. In Sachen Meer bedarf diese jedoch einer Abkehr von der dominierenden Überzeugung, der Ozean müsste uns gewinnbringend dienen.

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Ein neues Bewusstsein für den Wert des Meeres und seiner Lebensgemeinschaften

Menschen nehmen die Natur und damit auch das Meer auf vielfältige Weise wahr. Sie erleben Naturräume, Tiere und Pflanzen auf unterschiedliche Weise und interagieren deshalb auch unterschiedlich mit ihnen. Während zum Beispiel Tigerhaie für die einen der Schrecken der Meere sind, setzen sich andere Menschen für den Schutz der imposanten Raubfische ein, deren Beutezüge das Gedeihen von Seegraswiesen in vielen tropischen und sub­tropischen Regionen des Ozeans sichern.
Aus den verschiedenen Wahrnehmungen und Interaktionen mit der Natur ergeben sich unterschiedliche Auffassungen von der Rolle der Natur als Grundlage für das Leben der Menschen und ihre Lebensqualität. Daraus wiederum resultiert eine große Vielfalt von Werten, die Menschen der Natur beimessen.
Nach Ansicht des Weltbiodiversitätsrats IPBES lassen sich Menschen oftmals einer von vier Typenkategorien zuordnen. Sie leben entweder von, mit oder in der Natur oder aber verstehen sich als fester Teil dieser. Welche dieser Kategorien nun passt, entscheidet sich wiederum anhand der individuellen Weltanschauung eines Menschen sowie auf Basis der von ihm genutzten Wissenssysteme, Werte und Wertindikatoren.
Was so schwarz auf weiß sehr abstrakt klingt, entwickelt im Alltag eine enorme Relevanz. Prägt das eigene Verhältnis zur Natur und zum Meer doch maßgeblich, wie Menschen individuelle, politische und wirtschaftliche Entscheidungen zum Umgang mit der Natur treffen.
Der Weltbiodiversitätsrat kommt in seinem Assessment über die vielfältigen Werte und die Bewertung der Natur zu dem Ergebnis, dass Ver­antwortliche in Politik und Wirtschaft bislang nur eine begrenzte Anzahl größtenteils marktbasierter Werte der Natur berücksichtigen. Ihre Entscheidungen gingen deshalb häufig auf Kosten der Natur und somit auch auf Kosten der Gesellschaft und künftiger Generationen.
Erschwerend kommt hinzu, dass Menschen mit zunehmender Industrialisierung und Verstädterung den direkten Kontakt zur natürlichen Umwelt verlieren. Es kommt zu einer Entfremdung, gepaart mit enormen Wissensverlusten über die Artenvielfalt, Rolle und Bedürfnisse der natürlichen Lebensgemeinschaften an Land sowie im Meer. Wenn es gelingen soll, das Artensterben zu beenden und die Natur zu stärken, müssen Verantwortliche in Wirtschaft und Politik auf allen Ebenen von gewohnten Überzeugungen abrücken und ein neues Naturbewusstsein entwickeln. Es gilt, bislang vernachläs­sig­te Werte sowie lokales und indigenes Wissen in Entscheidungen mit einzubeziehen und die überlebenswichtige Rolle gesunder Naturräume in allen Gesellschaftsteilen zu kommunizieren. Fakt ist nämlich auch: Was Menschen nicht kennen und verstehen, schützen und bewahren sie nicht.