Wann Schutzzonen im Meer der Artenvielfalt nutzen
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WOR 9 Marine Biodiversität – das vitale Fundament unserer Meere | 2025

Wann Schutzzonen im Meer der Artenvielfalt nutzen

Wann Schutzzonen im Meer der Artenvielfalt nutzen
> Meeresschutzgebiete gelten als wichtiges Instrument im Kampf gegen die Übernutzung und das Artensterben im Meer. Sie sollen Meeresorganismen und deren Lebensräume schützen, indem sie bestimmte Aktivitäten des Menschen verbieten oder regulieren. Ihre Zahl hat in den zurückliegenden Jahren deutlich zugenommen, Erfolge aber lassen trotzdem vielerorts auf sich warten. Denn viel zu oft werden die geplanten Schutzmaßnahmen gar nicht oder nur halbherzig umgesetzt und überwacht.
Meeresschutzgebiete richtig planen und umsetzen - Abb. 7.12 © „Marine Reserve Action in the North Sea“ – Philip Reynaers/Greenpeace

Meeresschutzgebiete richtig planen und umsetzen

> Die überwiegende Zahl der Meeresschutzgebiete auf der Welt verfehlt ­bislang ihre Schutzziele und schafft es nicht, die lokalen Meeresorganismen und Lebensräume wirksam zu schützen. Diese Misserfolge haben Fachleute zum Anlass genommen, genauer zu hinterfragen, unter welchen Voraussetzungen das Leben im Meer von Schutzzonen profitiert. Die Ergebnisse sind eindeutig: Es braucht gemeinsam entwickelte Schutzpläne, viel wissenschaftliches Know-how sowie Geld, Personal und regelmäßige Erfolgskontrollen, um den Artenrückgang in diesen Meeresregionen zu stoppen.

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Meeresschutzgebiete: Viel zu häufig wirkungslost

Meeresschutzgebiete gelten als bedeutendes Instrument im Kampf gegen die Übernutzung des Mee­res und das damit verbundene Artensterben. Sie sollen Meeresbewohner und deren Lebensräume vor menschlichen Eingriffen bewahren, indem sie bestimmte Aktivitäten des Menschen verbieten oder regulieren. Ihre Zahl hat in den zurückliegenden Jahren stark zugenommen. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Gebiete in ihren Schutzzielen und Managementansätzen stark voneinander. Kein Schutzgebiet ist wie das andere. Aus diesem Grund ist es auch schwierig, genau zu sagen, welcher Anteil der Meeresfläche tatsächlich effektiv geschützt wird.
Die konsequente Unterschutzstellung von Meeresgebieten trägt dazu bei, lokale Arten und Lebensräume zu erhalten. Der Nutzen von Schutzgebieten über ihre Grenzen hinaus ist jedoch wissenschaftlich nicht immer eindeutig belegt, auch weil vielerorts geplante Schutzmaßnahmen nicht umgesetzt werden (Paper Parks). Wandernde Arten profitieren vor allem dann von Schutzzonen, wenn diese über größere ­Flächen miteinander vernetzt sind und in Regionen liegen, in denen sich die Meeresbewohner paaren oder ihre Jungen aufziehen. Es ist jedoch schwierig, den Ansprüchen aller Bewohner eines Schutzgebiets gleichzeitig gerecht zu werden, weil sich deren Verhaltensmuster oft voneinander unterscheiden. Schutzgebiete adressieren nur einige wenige Herausforderungen für die Meeresumwelt, etwa die Gefährdung und Zerstörung lokaler Lebensgemeinschaften durch Überfischung, übermäßigen Rohstoffabbau oder Massentourismus. Sie schützen jedoch weder vor großräumiger Verschmutzung (zum Beispiel durch Mikroplastik) noch vor den Folgen des Klimawandels und stellen deshalb nur eine von vielen Maßnahmen dar, um der Klima- und Artenkrise des Ozeans entgegenzuwirken.
Mit der zunehmenden Ausweisung von Schutzgebieten nehmen Interessenkonflikte zu – vor allem, wenn die betreffenden Gebiete bislang stark von Menschen genutzt wurden (zum Beispiel für die Fischerei). Bei der Planung von Schutzgebieten müssen deshalb die Interessen aller Nutzergruppen berücksichtigt werden. Die Erfolgsaussichten steigen, wenn Schutzgebiete auf inklusive und transparente Weise geplant, umgesetzt und überwacht werden und bisherigen Nutzergruppen alternative Einnahmequellen aufgezeigt werden können.
Um die Entwicklung und den Erfolg eines Schutzgebiets beurteilen zu können, braucht es wissenschaftliche Untersuchungen. Diese müssen regelmäßig und über längere Zeiträume hinweg durchgeführt werden. Ziel dieser Begleitforschung muss es sein, herauszufinden, ob die ursprünglich definierten Schutzziele erreicht werden, ob die Unterschutzstellung sich positiv auf die betroffenen Ökosysteme auswirkt und welche Arten von der Schutzzone profitieren. Außerdem müssen häufiger Methoden zum Einsatz kommen, mit denen die Vor- und Nachteile einer Unterschutzstellung für Mensch, Meer und Gesellschaft frühzeitig dargestellt und beurteilt werden können. Solche Vorhersagen können helfen, die verschiedenen Nutzergruppen des Meeresgebiets für eine Unterschutzstellung zu begeistern.
Bei der Planung, Umsetzung und Evaluation von Schutzgebieten müssen in zunehmendem Maße auch die Folgen des Klimawandels für das Leben im Meer berücksichtigt werden. Die klimabedingte Artenabwanderung erfordert neue, flexibel geplante Schutzgebiete, die engmaschig überwacht und im Tempo der Artenwanderung angepasst und verschoben werden können. Benötigt werden zusätzlich verschiebbare Pufferzonen, Schutzkorridore und geschützte Trittstein-Gebiete, um Meeresorganismen ein Abwandern in klimatisch passende Gebiete zu ermöglichen.