Unter diesen Voraussetzungen erholt sich das Leben im Meer
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WOR 9 Marine Biodiversität – das vitale Fundament unserer Meere | 2025

Unter diesen Voraussetzungen erholt sich das Leben im Meer

Unter diesen Voraussetzungen erholt sich das Leben im Meer
> Obwohl viele Lebensräume des Meeres stark übernutzt und geschädigt sind, sind Fachleute überzeugt, dass ein Wiederaufbau der Meeresflora und -fauna bis zum Jahr 2050 möglich ist. Ihr Optimismus fußt auf den vielen kleinen Erfolgen des Meeresschutzes und den Lehren daraus. Ein echtes Comeback mariner Ökosysteme wird es allerdings nur geben, wenn die Staatengemeinschaft entschieden handelt und menschliche Eingriffe ins Meer künftig deutlich weniger Schaden anrichten
Gute Nachrichten: So kann das Comeback gelingen -Abb. 6.4 © Giacomo d’Orlando

Gute Nachrichten: So kann das Comeback gelingen

> Im Pazifik kehren die Schwärme des Blauflossen-Thunfischs zurück, im Südpolarmeer erholen sich die Finnwale: Die vielen kleinen Erfolge des Meeres- und Artenschutzes zeigen, dass sich das Leben im Meer erholen kann. Dafür braucht es jedoch Zeit, die richtigen Schutzmaßnahmen, enge wissenschaftliche Beobachtungsnetzwerke und ein Umdenken, wie wir Menschen das Meer künftig nutzen wollen. Am Ende wird sich dieser Aufwand jedoch lohnen, denn ein arten- und funktionsreiches Meer wird uns vieles von dem bieten, was wir für eine sichere und lebenswerte Zukunft brauchen.

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Rettungsanker für das Leben im Meer

Meeresschutz wirkt. Das belegt die Entwicklung vieler Meeresarten und -lebensräume, die einst vom Menschen nahezu ausgerottet oder großflächig zerstört wurden, sich im Zuge von Schutzmaßnahmen mittlerweile aber wieder erholen. Fachleute schätzen die Resilienz und das Gesundungspotenzial mariner Ökosysteme sogar so hoch ein, dass es der Menschheit bis zum Jahr 2050 gelingen könnte, die aktuell stark geschwächten Lebensräume des Meeres in großen Teilen wiederherzustellen.
Damit ein solcher Wiederaufbau gelingen kann, braucht es eine Kombination aus bewährten Meeresschutzmaßnahmen, neuen partizipativen Ansätzen des Meeresmanagements sowie Konzepten für einen wirksamen Klimaschutz. Benötigt werden außerdem ausreichend Geld, Fachexpertise aus vielen Forschungsdisziplinen, klare politische Rahmenbedingungen sowie eine breite Unterstützung auf allen Ebenen unserer Gesellschaft und über viele Staaten hinweg. Fachleute sprechen von einer globalen Partnerschaft zum Wiederaufbau des marinen Lebens. Diese muss sofort ein- und angegangen werden, wenn das ehrgeizige Ziel gesunder Meereslebens­räume bis zum Jahr 2050 erreicht werden soll.
Meeresschutzmaßnahmen zielten bislang vor allem darauf ab, die unmittelbaren Gefahren für bedrohte Arten und Lebensräume zu reduzieren oder gänzlich abzuwenden. Das gelang, dadurch dass zum Beispiel die Jagd auf bestimmte Arten streng reguliert oder sogar verboten wurde, indem man nachhaltige Fischereitechnik anstelle zerstörerischer Methoden einsetzte und bestimmte Ursachen für Meeresverschmutzung bekämpft wurden. Menschen begannen, geschwächte oder zerstörte Küsten- und Meeresökosysteme wiederherzustellen und wirksamer zu schützen.
Die Erfolge dieser Maßnahmen können sich durchaus sehen lassen. In der Summe aber reicht das bisher Geleistete bei Weitem nicht aus, den Artenreichtum und die Biodiversität des Meeres zu erhalten. In Zeiten des drastischen Klima- und Arten­wandels braucht es ein koordiniertes und dynamisches Meeresmanagement, dessen Bausteine auf­einander abgestimmt sind und in dessen Planung alle von möglichen Maßnahmen betroffenen Bevölkerungsgruppen eingebunden sind.
Das Wissen indigener Völker spielt für den Erfolg eines solchen Meeresmanagements ebenso eine Rolle wie die Erkenntnis, dass es auch in Zukunft intensiv genutzte Meeresgebiete geben wird. Deren Gesamtfläche wird vermutlich kleiner ausfallen als heute, weil in den kommenden Jahren mehr Schutzgebiete ausgewiesen werden sollen. Entscheidend aber wird es sein, das Meer auch außerhalb von Schutzzonen auf eine Weise zu nutzen, die der Meeresumwelt gar nicht oder nur noch in einem möglichst geringen Maß schadet.
Gelingt eine solche Transformation, könnten sich auch die Ökosysteme in intensiv genutzten Meeresgebieten erholen und langfristig jene vielen Leistungen erbringen, die wir Menschen von ihnen erwarten und auf die wir angewiesen sind. Das notwendige Wissen ist vorhanden. Jetzt liegt es an uns, entsprechende Prioritäten zu setzen und zu handeln.