- Leben im Meer: Ein Artenreichtum, der zählt
- > Als Lebensraum sprengt das Meer alle Dimensionen. Kein anderes Habitat auf dem Planeten Erde ist so groß, so abwechslungsreich und so unerforscht wie der Weltozean. Die Formen- und Farbenvielfalt des Lebens im Meer sucht ihresgleichen. Diese Diversität zu erfassen, zu verstehen und vor allem zu bewahren und zu stärken, stellt in Zeiten des Klimawandels und der Übernutzung natürlicher Ressourcen eine riesige Herausforderung dar.

Der Ozean: Vielfältiges Leben bis in den letzten Winkel
Der Ozean ist der größte Lebensraum auf dem Planeten Erde. Er bedeckt 71 Prozent der Erdoberfläche und reicht in Tiefen von bis zu elf Kilometern. Leben gibt es in diesem riesigen Raum wirklich überall – selbst dort, wo es Menschen nicht für möglich gehalten hätten.
Die Gesamtzahl der Meeresarten ist unbekannt. Fachleute schätzen, dass die Meere ein bis zwei Millionen verschiedene Arten beherbergen; es könnten aber auch viel mehr sein. Wissenschaftlich beschrieben sind allerdings erst maximal ein Viertel der geschätzten Menge.
Der hohe Anteil unbekannter Arten im Meer erklärt, warum Forschende bei nahezu jeder Expedition Neuentdeckungen machen. Diese zu bestimmen und einer Organismengruppe oder -familie zuzuordnen, ist sehr schwierig, zeitaufwendig und verlangt enorme Fachkenntnisse.
Aus diesem Grund setzen Fachleute verstärkt auf molekulare Methoden wie Barcoding, Metabarcoding und Metatranskriptomik.
Analysiert werden dabei die Erbinformationen der Organismen oder genauer gesagt ausgewählte Bereiche ihrer DNA-Moleküle. Deren Informationen erlauben es, Arten eindeutig zu bestimmen, ihre Funktionen und Stammesgeschichte abzuleiten sowie erfolgreiche Anpassungsstrategien der Arten zu identifizieren.
Dieses Grundlagenwissen wird benötigt, um Aussagen über die Biodiversität eines ausgewählten Meeresgebiets zu treffen – sei es eines einzelnen Ökosystems, einer Meeresregion oder des gesamten Ozeans.
Unter dem Begriff „Biodiversität“ verstehen Fachleute die Diversität innerhalb von Arten, zwischen Arten sowie zwischen Lebensräumen und Ökosystemen. Die Vielfalt umfasst dabei Variationen in genetischen, morphologischen, stammesgeschichtlichen und funktionellen Merkmalen sowie Veränderungen in der Häufigkeit und Verteilung im Laufe von Zeit und Raum.
Das Konzept der Biodiversität ist mehrdimensional und nicht ganz einfach zu verstehen. Hinzu kommt, dass Forschende verschiedene Methoden nutzen, um die Biodiversität eines ausgewählten Gebiets zu quantifizieren. Sie schätzen oder messen den Artenreichtum der Region, berechnen die Gesamtmenge der vorhandenen Biomasse und deren Verteilung auf Arten und Artengruppen oder untersuchen die Stammesgeschichte der in der Region lebenden Organismen und analysieren die Verwandtschaftsbeziehungen der verschiedenen Arten.
Marine Lebensräume mit großem Artenreichtum sowie hoher funktioneller und stammesgeschichtlicher Diversität sind in der Regel widerstandsfähiger als Ökosysteme mit geringer Diversität. Sinkt die Biodiversität einer Meeresregion, nimmt meist auch die Produktivität der betroffenen Lebensgemeinschaften ab. Diese sind dann nicht mehr in der Lage, alle gewohnten Leistungen zu erbringen.
Eine solche Leistungsabnahme infolge drastischer Biodiversitätsverluste beobachten Fachleute aktuell in vielen Meeresregionen. Mancherorts schrumpfen nur die Populationen, andernorts verschwinden Arten ganz.
Die Ursachen dieser Entwicklung sind menschengemacht. Durch den Klimawandel und die anhaltende Zerstörung und Übernutzung mariner Lebensräume schwächen wir die Ökosysteme des Meeres in einem Maße, dass es für deren Überleben und die vielen Leistungen, die sie für uns Menschen erbringen, keine Garantie mehr gibt.
