- Ein Neustart für das Meeresmanagement
- > Wer den Ozean wie nutzen darf, wird von einer Vielzahl von Akteuren und ebenso vielen Regeln, Gesetzen und Abkommen bestimmt. Dennoch gelingt es den Staaten bislang nicht, die Übernutzung des Meeres einzudämmen und den Artenrückgang zu stoppen. Neue Handlungsprinzipien sowie das UN-Hochseeschutz-Rahmenabkommen sollen helfen, das verbleibende Leben im Meer und seine Vielfalt zu erhalten und zu schützen. Dafür müssen den vielen Worten allerdings auch Taten folgen.

Zusammenarbeit über alle Ebenen hinweg
Der Ozean kennt weder nationale noch institutionelle Grenzen. Diese Tatsache stellt die internationale Staatengemeinschaft vor mindestens zwei riesige Herausforderungen beim Meeresmanagement und dem Schutz der marinen Artenvielfalt. Zum einen müssen die Akteure über alle Verwaltungsebenen und meeresrelevanten Themen hinweg zusammenarbeiten und Pläne zur nachhaltigen Meeresnutzung miteinander abstimmen. Zum anderen gilt es, Lösungen zu erarbeiten, welche die Lebensgemeinschaften lokal oder regional stärken, ohne dabei anderswo im Meer Schäden zu verursachen. Im Idealfall stärken lokale Maßnahmen wie eine nachhaltige Fischerei oder die Wiederherstellung zerstörter Seegraswiesen und Salzmarschen die Gesundheit des gesamten Meeres oder großer Teile davon.
Von dieser Idealvorstellung eines gemeinsamen, an den Bedürfnissen der Meeresökosysteme ausgerichteten Meeresmanagements aber ist die Menschheit noch weit entfernt. Aktuell werden Meeresthemen auf allen Ebenen von einer Vielzahl an Akteuren und Institutionen bearbeitet, für die wiederum je nach Themenfeld unterschiedliche Übereinkommen und Gesetze gelten. Fachleute sprechen von einer fragmentierten Ocean Governance. Diese führt nicht nur zu Zielkonflikten und ineffizientem Handeln. Sie schränkt auch unsere Möglichkeiten und Kapazitäten ein, die sich gegenseitig verstärkenden Auswirkungen der vier Umweltkrisen Meeresübernutzung, Klimawandel, Artensterben und Meeresverschmutzung zu bewältigen.
Meeresschutz und -management müssen daher neu und vor allem ganzheitlich gedacht werden. Es gilt, den strategischen Fokus auf den Erhalt, den Schutz und die Gesundung des Lebens im Meer zu richten und kurzfristige wirtschaftliche Interessen hintanzustellen, wenn diese den Lebensgemeinschaften des Ozeans schaden.
Große Hoffnungen ruhen aktuell auf dem neuen UN-Hochseeschutz-Rahmenabkommen (BBNJ), welches im Januar 2026 in Kraft tritt. Es regelt beispielsweise, unter welchen Voraussetzungen auf Hoher See Meeresschutzgebiete ausgerufen werden können, und verpflichtet die Regionalen Fischereiorganisationen zu einer engeren Zusammenarbeit mit anderen Akteuren des Meeresmanagements. Im Abkommen steht zudem, dass jedem Projekt in internationalen Gewässern eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorausgehen muss. Darüber hinaus macht es Vorgaben zum Wissens- und Technologietransfer zwischen den Ländern und erklärt den Anspruch auf gerechte Teilhabe aller zum Leitprinzip. Dieses umfasst den Vorsatz, dass alle Staaten von den monetären und nicht monetären Vorteilen aus der Nutzung genetischer Ressourcen des Meeres profitieren sollen.
Um den Rückgang des Artenreichtums im Meer zu stoppen, braucht es einen grundlegenden Wandel der Ocean Governance. Mithilfe welcher konkreten Schritte dieser angestoßen werden kann, ist schwer zu sagen. Eine bessere Vorstellung haben Fachleute hingegen über den Rahmen, innerhalb dessen sich die nationale und internationale Meerespolitik künftig bewegen muss, wenn sie das Leben im Meer wirksam erhalten und schützen möchte. Dabei gilt es, die Bedürfnisse von Menschen und Meeresbewohnern zusammen zu denken, Meereswissen und Daten miteinander zu teilen, Entscheidungen gemeinsam und auf transparente Weise zu fällen, ausreichend Geld für Innovationen und Beobachtungssysteme zur Verfügung zu stellen und vorausschauend zu agieren, um die sich gegenseitig verstärkenden Folgen des Klimawandels und anderer Umweltkrisen für das Leben im Meer auf bestmögliche Weise zu reduzieren. Die Lebensgemeinschaften im Meer bilden eine wichtige Lebensgrundlage der Menschheit. In ihren Erhalt und Schutz zu investieren, bedeutet, in unsere eigene sichere Zukunft zu investieren.
