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5 Die Küsten – ein wertvoller Lebensraum unter Druck

Die Leistung der Küsten

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Küsten entwickeln sich zum Urlaubsziel

Die Küsten weltweit sind nicht nur Handelsplatz, militärische Grenzzone oder Lieferant von Nahrung. Schon früh erkannten die Menschen auch die Bedeutung der Küsten als Ort der Erholung, Gesundheit und als Kraftquelle für die Seele. 414 vor Christus schrieb der griechische Philosoph Euripides: „Das Meer wäscht und säubert von jeg­lichem Schmutze.“ Er bezog sich dabei vor allem auf das Küstengebiet, in dem sich die Elemente Erde, Wasser und Wind berühren. Die Römer übernahmen die Vorstel­lung von der Heilkraft des Meeres. Spaziergänge und Festessen am Strand gehörten zum kultivierten Müßiggang des Adels. Für das süße Nichtstun verwendeten die Römer den Begriff „otium“. Sie badeten jedoch nicht im Meer. Vielmehr errichteten sie zahlreiche Thermalbäder an warmen vulkanischen Quellen – etwa auf der italienischen Insel Ischia, wo sie noch heute in Betrieb sind.
2.7 > Die Promenade des englischen Seebads Brighton war bereits im Jahr 1907 gut besucht. Bis heute hat die Stadt nichts von ihrer Attraktivität für Touristen eingebüßt.
Abb. 2.7: Die Promenade des englischen Seebads Brighton war bereits im Jahr 1907 gut besucht. Bis heute hat die Stadt nichts von ihrer Attraktivität für Touristen eingebüßt.<br /> © Interfoto/Mary Evans
Abb. 2.8: Der Hamburger Reeder Albert Ballin gilt als Erfinder der Kreuzfahrt. Um seine Passagierschiffe im Winter besser auszulasten, bot er ab 1891 Schiffsreisen zu Städten rund um das Mittelmeer an. © ull- stein bild – The Estate of Emil Bieber/Klaus Niermann

2.8 > Der Hamburger Reeder Albert Ballin gilt als Erfinder der Kreuzfahrt. Um seine Passagier­schiffe im Winter besser auszulasten, bot er ab 1891 Schiffsreisen zu Städten rund um das Mittelmeer an.
Im Mittelalter entfremdeten sich die Menschen wieder vom Meer. Obgleich sich der Handel zwischen den teilweise weit entfernt voneinander liegenden Küsten aus­brei­tete, galten die Meere allgemein als bedrohlich und von Monstern bevölkert. Die Strände des Mittelmeers galten als abschreckender, von Piraten verseuchter Raum. Erst ab dem 17. Jahrhundert begann die Rückbesinnung auf das Meer als Sehn­suchts­ort. Dazu trug unter anderem der englische Gelehrte Robert Burton bei, der 1621 das Buch „The Anatomy of Melancholy“ (Die Anatomie der Melancholie) veröffentlichte – eine Sammlung historischer und philosophischer Betrachtungen aus 2000 Jahren zum Thema Melancholie. Darin lobte er die Sommerfrische an der See und riet Melancholikern, das bewegte Meer zu betrachten.
Die Gentry, der englische Landadel, begann zudem die Bedeutung der körperlichen Ertüchtigung an der frischen Luft zu schätzen. 1626 wurden in der Stadt Scar­borough an der englischen Ostküste säurehaltige Mineralquellen entdeckt. Die Bevölkerung sprach dem Wasser heilende Wirkung zu, was die Quellen schnell überregional bekannt machte. Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zu einem etablierten Seeheilbad, zunächst in der Regel allerdings nur für Adlige, die sich den Aufenthalt leisten konnten.
Einen Boom löste der englische Arzt Richard Russell mit seinen Studien über die heilende Wirkung von Meerwasser aus. 1747 ließ er sich im südenglischen Seebad Brighton nieder. Er schrieb, dass Menschen mit Erkrankungen des Drüsensystems dank heilender Bäder im kühlen Wasser schneller genesen würden und sich auch Frauen, die an Kraftlosigkeit litten, schnell erholten. Vor allem aus London reisten nun etliche Menschen zur Erholung nach Brighton, das sich zu einem der beliebtesten Seebäder im Land entwickelte – nicht mehr nur für Adlige, sondern auch für wohlhabende Bürgerliche. 1793 wurde schließlich mit Heiligendamm an der deutschen Ostseeküste das erste deutsche Seebad gegründet. In den folgenden Jahrzehnten entwickelten sich viele weitere Küstenorte in Europa zu Seebädern.
Eine gänzlich andere Art von Küstentourismus forcierte der Hamburger Reeder Albert Ballin in den 1890er-Jahren: die Kreuzfahrt, bei der Passagiere gleich mehrere Reiseziele an den Küsten besuchten. Ballin betrieb seit längerer Zeit Passagierschiffe auf der Route zwischen Nord­amerika und Europa. Auch viele Auswanderer reis­ten mit Ballins Schiffen. Da die Schiffe in der Winterzeit aber nicht stark genug genutzt wurden, kam Ballin auf die Idee, Vergnügungsreisen in wärmere Regionen anzubieten, um die Schiffe besser auszulasten. So stach am 22. Januar 1891 in Cuxhaven das Passagierschiff „Augusta Victoria“ zur weltweit ersten Kreuzfahrt in See. 57 Tage, 22 Stunden und 3 Minuten war das Schiff unterwegs und lief Gegenden an, die damals für die meisten Menschen ­ in Nordeuropa noch sehr exotisch klangen: Ägypten, die Insel Malta oder die Hafenstadt Lissabon.

Was Küsten zu leisten vermögen

Der Lebensraum Küste erfüllt aus Sicht des Menschen allerdings noch viele weitere Funktionen, er erbringt sogenannte Ökosystemleistungen, die sich wie folgt einteilen lassen:
  • unterstützende Ökosystemleistungen, die als unabdingbare Basis für die übrigen Dienstleistungen angesehen werden können und beispielsweise die Primär­produk­tion oder Nährstoffkreisläufe umfassen;
  • regulierende Ökosystemleistungen, die Vorteile und Nutzen beinhalten, die der Mensch aus der regulierenden Wirkung der Küstengewässer und ihrer Öko­sys­teme bezieht;
  • bereitstellende Ökosystemleistungen, zu denen einerseits Produkte und Güter für die Versorgung des Menschen gehören, andererseits Räume, die das Meer zur Verfügung stellt;
  • kulturelle Ökosystemleistungen, die vielfältige Leistungen und Nutzen beinhalten, die dem immateriellen Wohlbefinden des Menschen dienen.
Das Konzept der Ökosystemleistungen bietet sich an, um die Vielzahl von Leistungen, die beispielsweise in Küstenregionen erbracht werden und aus denen der Mensch materiellen wie immateriellen Nutzen zieht, systematisch zu ordnen und zu ana­ly­sieren. Allerdings bleiben gesellschaftliche Fragen wie etwa die Vertei­lungs­gerech­tigkeit oder eine Betrachtung, welche Bevölkerungsgruppen von diesen Leistungen profitieren, bei derartigen Analysen in vielen Fällen offen. Insofern wird etwa eine einseitige, rein ökonomische Beurteilung von Ökosystemleistungen ohne Einbeziehung von soziokulturellen oder ethischen Zusammenhängen kritisch gesehen.
Bei der Betrachtung von Lebensräumen nur hinsichtlich ihrer Leistungen wird häufig nicht berücksichtigt, dass jeder Lebensraum, auch ohne dass er genutzt wird, einen Wert haben kann. Umweltethiker sprechen vom sogenannten Nicht-Nutzungswert. Zu diesem zählt zum einen der Existenzwert, den Menschen Lebewesen wie Korallen oder Lebensräumen wie Mangrovenwäldern beimessen, ohne davon ausgehen zu können, die Lebensräume selbst einmal zu nutzen oder zu erleben. Der Existenzwert ergibt sich aus der bloßen Freude darüber, dass die Lebewesen oder Lebensräume überhaupt exis­tieren. Zum Nicht-Nutzungswert zählt zum anderen der Vermächt­nis­wert, der darauf beruht, dass Menschen den Wunsch verspüren, Naturgüter so unversehrt wie möglich an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Die Bemessung der Nicht-Nutzungswerte, die zu den kulturellen Ökosystemleistungen zählen, ist nicht einfach. Für die Bewertung muss beispielsweise auch das Wissen der einheimischen Bevölkerung oder anderer Interessengruppen eingeholt werden – etwa das Wissen darüber, ob ein Lebensraum für die Bevölkerung eine besondere religiöse oder spirituelle Bedeutung hat. Erst wenn man dieses Wissen berücksichtigt, lässt sich der Wert des Lebensraums ermessen.
Unterstützende Ökosystemleistungen –
die Grundlage der Nahrungsnetze

Abb. 2.9: Produktive Preziosen: Kieselalgen gehören zu den wichtigsten Primärproduzenten. Erst bei starker Vergrößerung wird die Schönheit ihrer Schalen sichtbar. Mikroskopische Präparate wie dieses waren vor etwa 100 Jahren vor allem unter Diplomaten ein beliebtes Mitbringsel.  © Watson & Sons, London

2.9 > Produktive Preziosen: Kieselalgen gehören zu den wichtigsten Primärproduzenten. Erst bei starker Vergrößerung wird die Schönheit ihrer Schalen sichtbar. Mikroskopische Präparate wie dieses waren vor etwa 100 Jahren vor allem unter Diplomaten ein beliebtes Mitbringsel.

Klein, aber produktiv

Die Basis allen Lebens im Meer und zugleich die bedeutendste Ökosystemleistung ist die Primärproduktion: der Aufbau von Biomasse durch Pflanzen und Mikroorganismen. Diese gewinnen ihre Energie meist durch Photosynthese oder durch bestimmte chemische Verbindungen und stellen energiereiche Substanzen wie zum Beispiel Glukose (Zucker) her. Zu den wichtigsten Primärproduzenten im Ozean zählen die mikroskopisch kleinen Vertreter des marinen Phytoplanktons wie die Diatomeen (Kieselalgen), die Coccolithophoriden (Kalkflagellaten) oder auch die Cyanobakterien (früher Blaualgen genannt). Da das Phytoplankton auf Sonnenlicht angewiesen ist, kommt es ausschließlich in den oberflächennahen Wasserschichten der Weltmeere vor. Wie die Pflanzen an Land benötigt es zusätzlich zum Sonnenlicht Nährstoffe wie Phosphor- und Stickstoffverbindungen. Diese gelangen vor allem durch die Flüsse ins Meer. Da in den Küstengewässern sowohl ausreichend Sonnenlicht als auch Nährstoffe vorhanden sind, zählen diese zu den besonders produktiven Regionen der Meere. Diese Produktivität führt auch zu besonderem Fischreichtum. Denn vom Phytoplankton ernähren sich Kleinstkrebse und Fisch- und Muschellarven, die wiederum Nahrung für Fische sind.
Jedoch nicht immer stammen die Nährstoffe aus den Flüssen. Zum Beispiel in sogenannten Auftriebsgebieten steigt nährstoffreiches, kaltes Wasser aus der Tiefe des Ozeans auf. Das ist unter anderem an den Küsten von ­Chile, Kalifornien, Mauretanien und Namibia der Fall. Die Primärproduktion ist hier entsprechend hoch. Wie schon die produktiven Küstengewässer sind auch die Auftriebsgebiete besonders fischreich.

Seegraswiesen
Seegraswiesen sind spezielle Lebensräume, die auf Sand­böden in flachem Wasser und im Wattenmeer vorkommen. Anders als Algen, die sich meist mit Haftorganen auf Steinen festsetzen, schlägt das Seegras Wurzeln, mit denen es in sandigen Meeresgebieten eine feste Struktur bildet. Zahlreiche Organismen finden hier Halt, etwa kleinere Algen oder Schnecken, was Seegraswiesen oftmals zu besonders artenreichen Lebensräumen macht. Darüber hinaus ist Seegras für viele Meerestiere und Wasservögel eine wichtige Nahrungsquelle.

Wie stark die Primärproduktion in den Küstengewässern ist, hängt aber nicht nur von der Menge an Nährstoffen ab, die Strömungen und Flüsse herantragen, sondern auch von der Intensität, mit der die Wassermassen durchmischt werden. Durch diese Durchmischung kann die Nährstoffkonzentration in verschiedenen Küstenabschnitten oder Wassertiefen stark variieren. Im Golf von Bengalen, wo Ganges und Brahmaputra ein großes Flussdelta bilden und viele Nährstoffe aus dem Himalaja-Hochland herantransportieren, verändert sich die Primärproduktion beispielsweise in Abhängigkeit vom Monsun. Weil dort im Sommer, wenn die feuchten Monsunwinde wehen, sehr viel Niederschlag fällt, wird das Wasser entlang der Küste stark verdünnt. Damit sinkt auch die Konzentration an Nährstoffen.
Zu den besonders produktiven Küstenregionen der Welt zählt auch das Süd­chine­sische Meer, weil hier westlich von Hongkong der Perlfluss mündet. Er wird aus mehreren Flüssen gespeist und bildet das größte Flusssystem in Südchina. Sein Einzugsgebiet ist rund 452 000 Quadratkilometer groß, was in etwa der Fläche von Schweden entspricht. Entsprechend gewaltig sind die Nährstoffmengen, die sich ins Südchinesische Meer ergießen.
Regulierende Ökosystemleistungen –
Schutz vor Schadstoffen und Stürmen

Zusatzinfo Die Wandlung eines wichtigen Nährstoffs – der Stickstoffzyklus

Klärwerk Küste

Küstengewässer spielen eine wichtige Funktion bei der Reinigung von Abwässern und Schadstoffen, die über die Flüsse, aus der Kanalisation oder über die Atmosphäre ins Meer eingetragen werden. Sie haben somit eine regulierende Funktion und sind unter anderem für den Abbau von Nährstoffen von Bedeutung – insbesondere von Stickstoffverbindungen. Pflanzen benötigen Nährstoffe, vor allem Stickstoff und Phosphat, für ihr Wachstum. Um die Produktivität von Ackerflächen zu erhöhen und höhere Erträge erwirtschaften zu können, werden diese als Dünger auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht, entweder in Form von Gülle und Fäkalien oder auch als Kunstdünger.
In Regionen, in denen intensiv Landwirtschaft betrieben wird, gelangen sehr viele Nährstoffe in den Boden, die dort meist nicht vollständig von den angebauten Kulturpflanzen aufgenommen werden. Mit dem Regen werden diese überschüssigen Nährstoffe dann in das Grundwasser und die Bäche und Flüsse gespült, über die sie bis ins Meer gelangen. Die Phosphor- und Stickstoffverbindungen regen auch das Wachstum der Algen an. Bei einem Überangebot an Nährstoffen entwickeln sich die Algen aber so stark, dass es zu ausgeprägten Algenblüten kommt. Je mehr Algen vorhanden sind, desto intensiver ist dann in tieferen Wasserschichten der Abbau durch Mikroorganismen, die Sauerstoff zehren. Dieses Phänomen wird als Überdüngung beziehungsweise Eutrophierung bezeichnet. Im Extremfall entstehen sauerstofffreie Zonen, in denen Fische, Krebse oder Muscheln nicht mehr überleben können.
Mit der Intensivierung der Landwirtschaft hat die Zahl der sauerstoffarmen beziehungsweise -freien Zonen in den Küstengewässern seit den 1960er-Jahren vor allem auf der Nordhalbkugel massiv zugenommen. Weltweit gibt es etwa
400 Küstengebiete, in denen regelmäßig ein Sauerstoffmangel auftritt, insgesamt auf einer Fläche von 245 000 Quadratkilometern, was in etwa der Fläche Rumäniens entspricht. Besonders betroffen sind die Küstengewässer in Europa, an der US-amerikanischen Ostküste, im Golf von Mexiko und zunehmend auch in China. Da vor allem große Mengen an Stickstoff ins Wasser gelangen, ist gerade dessen Abbau von zentraler Bedeutung. Stickstoff liegt in Dünger, Gülle und Exkrementen meist als Ammonium-Ion (NH4+ ) vor. Kommt ­Sauerstoff hinzu, wandelt sich das Ammonium in Nitrat. In Gewässern wird das Nitrat dann von Mikroorganismen (denitrifizierenden Bakterien) über die sogenannte Denitrifikation zu reinem Stickstoff (N2) abgebaut, der von den Algen nicht mehr als Pflanzennährstoff genutzt werden kann. Die Küstengewässer fungieren dank der Denitrifi­kation bis zu einem gewissen Grade als Kläranlage des Meeres.
2.11 > Das Mündungsgebiet des Flusses Salak auf der Insel Borneo wird von Mangroven dominiert. Sie schützen die Küste vor Orkanen und Sturmfluten.
Abb. 2.11: Das Mündungsgebiet des Flusses Salak auf der Insel Borneo wird  von Mangroven dominiert. Sie schützen die Küste vor Orkanen und Sturmfluten. © Timothy Laman/Getty Images
Gelangen aber zu viele Nährstoffe ins Meer, können diese nicht mehr vollständig abgebaut werden, sodass es zur Überdüngung kommt.
In den Küstengewässern tragen auch die verschiedenen Pflanzengemeinschaften erheblich zum Abbau der Nährstoffe bei. Dazu gehören insbesondere die Mangroven und die Seegraswiesen, die wie die Pflanzen an Land über ihre Wurzeln große Mengen an Nährstoffen aufnehmen. Verstärkt wird der Nährstoffabbau ferner durch die zahlreichen im Meeresboden lebenden Organismen wie zum Beispiel Muscheln und Würmer. Abermillionen von ihnen leben in Böden vergraben, und ihre mehrere Zentimeter tiefen Gänge lassen die Sedimente vielerorts durchlöchert wie Schwämme erscheinen. Im Vergleich zu dem ansonsten festen und dichten Sediment, wo das Wasser nur durch die Poren zwischen den Sedimentkörnern eindringt, vergrößert sich durch die vielen Gänge die Fläche, an der die Mikroorganismen Denitrifikation betreiben können. Die Klärwerksfunktion der Küstengewässer wird dadurch deutlich gesteigert.
Eine regulierende Funktion haben die Küstengewässer auch beim Abbau und bei der Neutralisierung von Schadstoffen wie zum Beispiel langlebigen chemischen Verbindungen und Schwermetallen, die über die Flüsse und die Atmosphäre ins Küstenmeer eingetragen werden. Zum einen werden Schadstoffe verdünnt, zum anderen werden sie durch die Aktivität der Bodenbewohner ins Sediment eingelagert, etwa indem sie mit der Nahrung aus dem Wasser gefiltert und mit dem Kot ins Sediment abgegeben werden. Die Schadstoffe werden somit zwar nicht aus der Umwelt entfernt, doch die Einbindung ins Sediment verhindert, dass andere Meeresorganismen die Schadstoffe aufnehmen. So wird letztlich auch verhindert, dass die Schadstoffe über die Nahrungskette vom Menschen aufgenommen werden.

Die Gewalt des Meeres dämpfen

Küstenlebensräume wie Dünen, Korallenriffe und Mangroven übernehmen für den Menschen eine wichtige Schutzfunktion, denn sie sind in der Lage, Wind und Brandung zu dämpfen – in diesem Sinne regulieren sie die physikalischen Kräfte des Meeres. So wird Abidjan, die Stadt in Elfenbeinküste, genauso durch vorgelagerte Dünen geschützt wie die niederländische Stadt Amsterdam, die nigerianische Stadt Lagos oder die südafrikanische Stadt Durban.
Besonders deutlich wurde in den vergangenen Jahren auch die Bedeutung der Mangrovenwälder für den Küstenschutz. Tropische Stürme können Brandungswellen mit einer Höhe von bis zu 7 Metern erzeugen. Wie eine Studie englischer Forscher belegt, bieten Mangroven einen erstklassigen Schutz gegen solche Sturmfluten und Orkane. Anhand von Modellrechnungen konnten sie zeigen, dass bereits ein Mangrovenstreifen von 1 Kilometer Tiefe die Windenergie um 75 Prozent und die Wellen­höhe um bis zu einem halben Meter verringern kann. Bedenkt man, dass natürliche Mangrovenwälder viele Quadrat­kilometer groß sein können, so bedeutet dies eine erhebliche Schutzwirkung – wie etwa an der Südküste Floridas, wo sie eine Ausdehnung von rund 2000 Quadratkilometern haben. Über viele Jahre wurden Mangrovenwälder an zahlreichen tropischen Küsten allerdings in großem Stil zerstört. In Indonesien beispielsweise wurden sie entfernt, um Platz für Aquakulturanlagen zu schaffen. In Kolumbien wiederum, wo knapp 20 Prozent aller Mangrovenbestände zerstört sind, fielen sie der Holzgewinnung zum Opfer. Studien zeigen, dass die Schäden, die der Tsunami 2004 im Indischen Ozean vor allem an der Küste Indonesiens angerichtet hat, viel geringer ausgefallen wären, wenn man die Mangroven dort nicht über Jahre abgeholzt hätte. >
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