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5 Die Küsten – ein wertvoller Lebensraum unter Druck

Die Dynamik der Küsten

Die Dynamik der Küsten
> Küsten – der Bereich, wo Land und Meer ineinander übergehen – sind für den Menschen ein wichtiger Lebensraum. Sie verändern ihr Gesicht innerhalb von Jahrmillionen oder auch Jahrhunderten auf ganz natürliche Weise. Mancherorts gehen Küstengebiete verloren, andernorts entstehen neue. Je nach Perspektive, aus der man die Küsten betrachtet, lassen sich unterschiedliche Kategorien zur Unterscheidung bilden.
Vom Werden und Vergehen der Küsten © Richard Taylor/ 4Corners/Schapowalow/Mato

Vom Werden und Vergehen der Küsten

> Küsten sind ein dynamischer Lebensraum. Der Küstenverlauf wird von Naturkräften beeinflusst und reagiert an vielen Stellen stark auf variierende Umweltbedingungen. Andererseits greift aber auch der Mensch in den Küstenraum ein. Er besiedelt und bewirtschaftet die Küstenzone und baut Rohstoffe ab. Diese Eingriffe stehen im Zusammenspiel mit geologischen und biologischen Prozessen und können verschiedenste Veränderungen nach sich ziehen. Überhaupt ist die Entwicklungsgeschichte des Menschen eng mit den Küsten verknüpft.

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Die vielen Gesichter der Küsten © Image provided by the USGS EROS Data Center Satel- lite Systems Branch. This image is part of the ongoing Landsat Earth as Art series/NASA

Die vielen Gesichter der Küsten

> Das Erscheinungsbild unserer Küsten ist vielgestaltig. Ihr Charakter wird vor allem durch das Material bestimmt, aus dem sie bestehen, und durch die physikalischen Kräfte, die dieses Material formen. Will man die Küsten einteilen, so finden sich diverse Unterscheidungsmerkmale und eine Vielzahl von Kategorisierungen.

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Die Gestalt unserer Küsten – eine lange und wechselvolle Geschichte

Küsten sind für den Menschen von besonderer Bedeutung. In ihren Gewässern finden 90 Prozent der globalen Fischerei statt. Sie sind ein wichtiger Transportweg und bedeutender Standort für Industriebetriebe oder Kraftwerke. Sie sind bevorzugtes Reiseziel des globalen Tourismus und Quelle für Mineralien und fossile Rohstoffe. Insofern üben sie eine enorme Anziehungskraft als Arbeits- und Lebensraum aus, was sich auch darin zeigt, dass sich 75 Prozent aller Megastädte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern im Küstenbereich befinden. Allgemein betrachtet sind Küsten ein schmaler Saum, in dem Land und Meer aufeinandertreffen. Sie sind ein Übergangsraum und ständigem Wandel unterworfen, der unterschiedlich schnell vonstattengehen kann: im Laufe von Jahrmillionen durch die Kontinentaldrift, im Rhythmus von mehreren Zehntausend Jahren durch den Wechsel von Warm- und Eiszeiten und in den vergangenen Jahrhunderten insbesondere auch durch die Besiedlung durch den Menschen. In geologisch relativ kurzen Zeiträumen verändert vor allem die Schwankung des Meeresspiegels die Gestalt der Küsten stark. Da während einer Eiszeit viel Wasser in Form von Eis und Schnee an Land gebunden ist und nur wenig Wasser vom Land ins Meer abfließt, sinkt der Meeresspiegel. Während der letzten Eiszeit vor rund 20 000 Jahren lag der Meeresspiegel um etwa 120 Meter tiefer als heute. Viele Gebiete, die heute überflutet sind, lagen damals trocken, und die aus dem Wasser ragende Landmasse war insgesamt etwa 20 Millionen Quadratkilometer größer als heute. Australien und die Insel Neuguinea waren damals über eine Landbrücke verbunden, und Amerika wurde vermutlich über eine Landbrücke im Bereich der heutigen Beringstraße von Asien her besiedelt. Die Gestalt der Küsten auf der Nordhalbkugel wurde aber auch durch die eiszeitlichen Gletscher stark geprägt. Die norwegischen Fjorde zum Beispiel sind entstanden, nachdem sich von Land aus riesige Eismassen ins Meer geschoben und dabei den Untergrund abgehobelt hatten. Mit dem Abtauen der Gletscher und dem Anstieg des Meeresspiegels füllten sich diese Einkerbungen. Die Gletscher und zahlreiche weitere Einflussgrößen haben im Laufe von Jahrtausenden sehr viele Arten von Küsten entstehen lassen – kahle Granitküs­ten wie etwa in Skandinavien, metertief gefrorene Permafrostküsten in arktischen Regionen oder dichte Mangrovenwälder in tropischen Gebieten. Wissenschaftler ordnen diese Vielfalt nach unterschiedlichen Kategorien. So werden Küsten danach unterschieden, ob ihre Gestalt durch die Brandung und die Strömungen eher stark oder eher schwach geprägt werden. Auch kann man Küsten nach dem Material einteilen, aus dem sie bestehen, oder danach, wie stark dieses Material vom Meer abgetragen wird. Sie können darüber hinaus auch danach klassifiziert werden, wie gut sie Sedimente auffangen, die mit Flüssen oder Strömungen herangetragen werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von der Filterfunktion der Küsten. Es gibt Regionen, in denen sich große Mengen von Sediment an den Küsten ablagern wie etwa im Mississippidelta im Golf von Mexiko. Solche Küstengebiete sind oft besonders produktiv und reich an Fischen, weil mit den Sedimenten auch viele Nährstoffe ins Wasser gelangen. Die Mengen, die einzelne Flüsse ins Meer spülen, sind teilweise gigantisch. So trägt zum Beispiel der Ganges extrem viel Material aus dem Himalaja in den Golf von Bengalen – jährlich rund
3,2 Milliarden Tonnen. In vielen Fällen hat der Mensch durch Baumaßnahmen in die natürlichen Sedimentationsprozesse eingegriffen. Dadurch kommt es vielerorts zu Problemen.