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4 Der nachhaltige Umgang mit unseren Meeren – von der Idee zur Strategie

Der bedrohte Ozean

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Verschmutzung

Es gibt 2 völkerrechtliche Verträge, die den Meeresschutz international zur Pflicht gemacht haben: das Übereinkommen über die Verhütung der
Meeresverschmutzung
durch das Einbringen von Abfällen und anderen Stoffen (London Convention, LC) von 1972 und sowie das London Protocol (LP) von 1996, das die Bestimmungen verschärft und konkretisiert. Dennoch ist die Situation auch heute noch in vielen Küstengebieten desolat. Noch immer gelangen große Mengen verschiedener Schadstoffe ins Meer: Schadstoffe aus ungeklärten Abwässern oder der Abluft von Industrieanlagen, Erdöl aus dem Routinebetrieb von Bohrinseln oder von Tankerunfällen und mengenweise Plastikmüll. Der Plas­tikabfall stammt zum großen Teil vom Land. Vor allem dort, wo eine gut organisierte Müllabfuhr fehlt, wird er über Flüsse ins Meer gespült oder vom Land direkt ins Wasser geweht. In viel befahrenen Schifffahrtswegen (beispielsweise Ärmelkanal) hat der Schiffsmüll einen hohen Anteil am Plastikabfall im Meer. Bis heute gibt es nur ungenaue Schätzungen der Plastikmenge, die jährlich auf der ganzen Welt ins Wasser gelangt. US-Forscher der National Aca-demy of Sciences gingen bereits 1997 von 6,4 Millionen Tonnen Plas­tikmüll aus. Bis heute dürfte sich die Menge noch erhöht haben. Der Plastikmüll verschmutzt nicht nur die Küstengewässer. Ein großer Teil sammelt sich mitten in den Ozeanen. Dort rotieren große Wassermengen in gigantischen Wirbeln, die den Müll gewissermaßen einfangen. Der gewaltigste dieser Müllflecken ist der mehrere Tausend Quadratkilometer große Great Pacific Garbage Patch (Großer Pazifischer Müllflecken). Wie dicht der Müll dort ist, zeigte die dramatische Suche nach Trümmern des am 8. März 2014 über dem Pazifik abgestürzten Passagierflugzeugs der Malaysia Airlines (Flug MH370). Tagelang versuchten Spezialisten von Flugzeugen aus und mithilfe von Satellitenbildern, Teile des Wracks zu entdecken. Permanent gab es Falschmeldungen, weil die Suchtrupps Müllteile mit Trümmern verwechselten.
2.19 > Die Weltmeere sind unterschiedlich stark mit Plastikmüll belastet. Die höchsten Konzentrationen von 1 bis 2,5 Kilogramm pro Quadratkilometer finden sich in den großen Meereswirbeln – insbesondere im Nordpazifik.
Abb. 2.19: Die Weltmeere sind unterschiedlich stark mit Plastikmüll belastet. Die höchsten Konzentrationen von 1 bis 2,5 Kilogramm pro Quadratkilometer finden sich in den großen Meereswirbeln – insbesondere im Nordpazifik. © nach Cózar et al.

Zerstörung küstennaher Lebensräume

Zu den küstennahen Lebensräumen, die nach wie vor zerstört werden, zählen Feucht­gebiete, Salzwiesen und Wattflächen, Korallenriffe und Mangrovenwälder. Die Gründe für die Zerstörungen unterscheiden sich von Region zu Region. Feuchtgebiete wie zum Beispiel manche Buchten oder Wattgebiete gehen häufig durch Bauprojekte, durch Landgewinnung und Eindeichungen verloren. So wurde 2006 vor der Küste Südkoreas die Saemangeum-Bucht mit einem 33 Kilometer langen Deich vom Meer abgetrennt, um Land zu gewinnen. Die Bucht war bis dahin das drittgrößte Watten­meer weltweit gewesen (nach dem Wattenmeer an der dänischen, deutschen und niederländischen Nordseeküste und der Bay of Fundy an der kanadischen Atlantik­küste). Durch den Bau des Deiches ging eine Wattfläche von 400 Qua­drat­kilo­metern verloren, was in etwa der Fläche der griechischen Insel Naxos entspricht. Zwar gibt es ein Sperrwerk, über das Wasser aus der Bucht abfließen kann, allerdings wurde der regelmäßige Gezeitenstrom unterbrochen, sodass das Wattenmeer nicht mehr vorhanden ist. Saemangeum war früher eines der wichtigsten Rastgebiete von verschiedenen Zug­vögeln, die in Sibirien brüten und in Südostasien überwintern. Durch die Eindeichung des Wattenmeeres ging vielen Vögeln dieser wichtige Nahrungsraum verloren. In der Folge sind die Bestände einiger seltener Zugvogelarten stark geschrumpft.
2.20 > Korallenriffe, wie dieses im Roten Meer vor Ägypten, sind wegen ihres Artenreichtums von besonderer Bedeutung. Weltweit leben in Korallenriffen rund 1 bis 3 Millionen verschiedene Spezies. Allerdings sind diese Lebensräume heute gleich mehrfach bedroht.
Abb. 2.20: Korallenriffe, wie dieses im Roten Meer vor Ägypten, sind wegen ihres Artenreichtums von besonderer Bedeutung. Weltweit leben in Korallenriffen rund 1 bis 3 Millionen verschiedene Spezies. Allerdings sind diese Lebensräume heute gleich mehrfach bedroht. © Georgette Douwma/nature picture library
Tropen Als Tropen bezeichnet man die Klimazone zwischen dem nördlichen und südlichen Wendekreis der Sonne. Korallen kommen zum Teil auch jenseits der Wendekreise in den Subtropen bis etwa zum 30. Breitengrad vor, beispielsweise vor Florida oder im Roten Meer. Vereinfachend aber werden all diese Korallen als tropisch bezeichnet. Darüber hinaus gibt es an kaltes Wasser angepasste Kaltwasserkorallen, die in größeren Tiefen und dunkler Umgebung leben, beispielsweise vor Norwegen. Diese sind hier nicht berücksichtigt.
Auch viele Feuchtgebiete an den Küsten weltweit werden oder wurden zerstört. Ein Beispiel sind die Salz­wiesen und Schilfgürtel an der Bucht von San Francisco. Das Gebiet hat in etwa die Fläche von Manhattan und ist das größte Feuchtgebiet an der US-Westküste. Heute befinden sich nur noch etwa 8 Prozent in einem natürlichen Zustand, da ein Großteil der Fläche durch Straßen, Brücken und Siedlungsbereiche zerschnitten und überbaut wurde. In der Stadt Sacramento hat das Amt für Fisch und Wildtiere (Sacramento Fish and Wildlife Office) jetzt einen Maßnahmenplan ausgearbeitet, nach dem die Bucht zum Teil renaturiert werden soll. Bedroht sind heute auch tropische Korallenriffe. Sie bedecken nur etwa 1,2 Prozent der Kontinentalschelf­gebiete weltweit. Doch sie sind ungeheuer artenreich. Man schätzt, dass tropische Korallenriffe etwa 1 bis 3 Millionen Arten von Fischen, Muscheln, Korallen oder Bakterien beheimaten. Allein etwa ein Viertel aller Meeresfischarten lebt in tropischen Korallenriffen. Experten gehen davon aus, dass bis heute rund 20 Prozent der tropischen Korallenriffe zerstört wurden. 30 Prozent sind stark geschädigt. Mehr als 60 Prozent aller tropischen Korallenriffe sind aktuell durch mindestens einen der folgenden lokal bedingten Aspekte bedroht:
Abb. 2.21: Ein internationales Forscherteam hat 4 Kategorien von Bedrohungen definiert, denen tropische Korallenriffe vor Ort ausgeliefert sind. Fasst man diese Gefährdungen zusammen, so ergibt sich, dass 60 Prozent der Korallenriffe mindestens mittelstark gefährdet sind. Berücksichtigt man darüber hinaus auch die Meeres­erwär­mung, muss man sogar 75 Prozent der Riffe als mindestens mittelstark gefährdet einstufen. Die bedeutendste einzelne Gefährdungskategorie ist die Überfischung und unachtsame Fischerei. Davon sind 55 Prozent aller tropischen Riffe mindestens mittelstark betroffen. Für jede Kategorie wurde der Grad der Gefährdung (schwach bis stark) ermittelt. Riffe, die gleich in mehreren Kategorien stark gefährdet sind, gelten in der Zusammenfassung als sehr stark gefährdet. © World Resources Institute 2.21 > Ein internationales Forscherteam hat 4 Kategorien von Bedrohungen definiert, denen tropische Korallenriffe vor Ort ausgeliefert sind. Fasst man diese Gefährdungen zusammen, so ergibt sich, dass 60 Prozent der Korallenriffe mindestens mittelstark gefährdet sind. Berücksichtigt man darüber hinaus auch die Meeres­erwär­mung, muss man sogar 75 Prozent der Riffe als mindestens mittelstark gefährdet einstufen. Die bedeutendste einzelne Gefährdungskategorie ist die Überfischung und unachtsame Fischerei. Davon sind 55 Prozent aller tropischen Riffe mindestens mittelstark betroffen. Für jede Kategorie wurde der Grad der Gefährdung (schwach bis stark) ermittelt. Riffe, die gleich in mehreren Kategorien stark gefährdet sind, gelten in der Zusammenfassung als sehr stark gefährdet.
  • Zerstörung durch Überfischung oder unachtsame Fischerei, bei der die Korallen verwüstet werden;
  • Küstenentwicklung (Baumaßnahmen);
  • Verschmutzung des Meerwassers durch Eintrag von Schadstoffen oder Trübstoffen aus den Flüssen;
  • Verschmutzung des Meerwassers vor Ort durch direkte Einleitung von Abwässern an der Küste und von Handels- und Kreuzfahrtschiffen sowie Zerstörung durch Grundberührung von Fähren oder touristischen Booten.
Zählt man zu diesen direkten Bedrohungen noch den globalen Einfluss des Klimawandels, der Meereserwärmung und der Ozeanversauerung hinzu, dann müssten heute nach Ansicht von Experten bereits 75 Prozent aller tropischen Korallenriffe als bedroht eingestuft werden. Vor allem die Meereserwärmung ist ein Problem. Korallen sind auf symbiontische Einzeller angewiesen, die auf ihrer Oberfläche leben, Photosynthese betreiben und die Korallen mit Nährstoffen versorgen. Wird das Wasser zu warm, sterben zunächst die Symbionten und dann die Korallen. Die Ozeanversauerung erhöht den Stress für die Korallen zusätzlich.

Im weltweiten Vergleich sind die Korallenriffe in Südostasien am stärksten bedroht. 95 Prozent der Riffe dort werden durch mindestens einen der genannten lokal bedingten Aspekte belastet. Und auf rund 50 Prozent der südostasiatischen Korallenriffe wirken gleich mehrere Bedrohungs­aspekte ein. Besonders betroffen sind die Korallenriffe in Indonesien und den Philippinen. In beiden Gebieten sind Überfischung und unachtsamer Fischfang für die Riffe die größten Stressfaktoren. Zu den wichtigen küstennahen Lebensräumen, die heute weltweit stark gefährdet sind, gehören die Mangrovenwälder. Mangroven sind die einzigen Baumarten, die direkt im Meerwasser wachsen. Ihre Wurzeln befinden sich stets unter Wasser beziehungsweise im feuchten Sediment. Sie kommen in tropischen und subtropischen Breiten vor. Mangroven haben Stoffwechselprozesse entwickelt, mit denen sie das Salz, das sie über die Wurzeln aufnehmen, speichern und wieder ausscheiden können. Weltweit gibt es rund 70 verschiedene Mangrovenarten. Die unter Wasser reich verzweigten Mangrovenstämme sind ein wichtiger Lebensraum für viele Tierarten, insbesondere auch für Jungfische. Da Mangroven die Küsten wie ein grünes Band umgeben, wirken sie auch als natürliche Wellenbrecher und schützen vor Tsunamis und Stürmen.
2.22 > Das Verbreitungs­gebiet tropischer Korallen umfasst ungefähr den Bereich zwischen 30 Grad nörd­licher und 30 Grad südlicher Breite. Um zu untersuchen, wie bedroht die Korallen­riffe sind, haben Forscher verschie­dene Regionen, in denen Korallen vorkommen, miteinander ver­glichen.
Abb. 2.22: Das Verbreitungs­gebiet tropischer Korallen umfasst ungefähr den Bereich zwischen 30 Grad nörd­licher und 30 Grad südlicher Breite. Um zu untersuchen, wie bedroht die Korallen­riffe sind, haben Forscher verschie­dene Regionen, in denen Korallen vorkommen, miteinander ver­glichen. © World Resources Institute
Mangroven sind in den vergangenen Jahren vielerorts zerstört worden. So wurden Mangrovenwälder trockengelegt, um Bauland für Hafenanlagen oder Hotels zu gewinnen. Auch für den Bau von Garnelen-Zuchtfarmen wurden in vielen Regionen Mangroven zerstört. In Ecuador und den Philippinen hat man für die Zucht von Garnelen rund 70 Prozent der Mangrovenfläche vernichtet. Der Holzeinschlag trägt ebenfalls zur Zerstörung der Mangrovenwälder bei, was für die oftmals arme Küstenbevölkerung existenzbedrohend ist. Da mit den Mangroven die Kinderstube der Fische verschwindet, fangen Fischer in vielen Gebieten bereits deutlich weniger Fisch. Und durch den Verlust des Küstenschutzes richten Stürme heute oftmals erheblich mehr Schäden an als noch vor wenigen Jahren.
2.23 > Mangroven kommen in den Subtropen und Tropen vor. Es gibt insgesamt 70 verschie­dene Mangrovenarten, von denen viele vom Aussterben bedroht sind, besonders jene in Indonesien, den Philippinen und Zentralamerika.
Abb. 2.23:  Mangroven kommen in den Subtropen und Tropen vor. Es gibt insgesamt 70 verschie­dene Mangrovenarten, von denen viele vom Aussterben bedroht sind, besonders jene in Indonesien, den Philippinen und Zentralamerika. © Giri et al.

Überfischung

Rund 90 Prozent des gesamten Wildfischfangs stammen aus den Küstengebieten beziehungsweise aus den Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ), in denen jeweils nur der entsprechende Küstenstaat fischen darf. Viele Nationen haben ihre Küsten­ge­wässer und ihre AWZ in den vergangenen Jahrzehnten zu intensiv befischt. Dadurch hat die Größe der
Fischbestände zum Teil dras­tisch abgenommen
. So ist nach Angaben der Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) die Zahl der zusammengebrochenen und überfischten Bestände von 10 Prozent im Jahr 1974 auf 28,8 Prozent im Jahr 2011 gestiegen. Da zunächst viele Fischbestände auf der Nordhalbkugel geplündert wurden, verlegte sich die Fischerei von den klassischen Fischrevieren im Nordatlantik und Nordpazifik immer weiter nach Süden. Heikel ist diese Situation in zweierlei Hinsicht. Zum einen entzieht der Raubbau in einigen Gebieten den einheimischen Fischern ihre Erwerbsgrundlage und der Bevölkerung eine wichtige Nahrungsquelle. Dieses Problem ist beispielsweise aus dem Senegal bekannt. So verkaufte die inzwischen abgewählte senegalesische Regierung über viele Jahre Fischfanglizenzen an ausländische Fangflottenbetreiber. Diese befischten die senegalesischen Gewässer so intensiv, dass die Fangmengen der einheimischen Fischer massiv schrumpften. Zum anderen kann die intensive Fischerei dazu führen, dass sich die Nahrungsnetze im Meer und somit ganze Lebensräume verändern. Anfang der 1990er Jahre brachen durch die industrielle Fischerei die Kabeljaubestände vor Neuschottland an der Ostküste Kanadas zusammen. Obwohl ein Fangverbot verhängt wurde, haben sich diese Bestände bis heute nicht wirklich erholt. Man fürchtet, dass sich der Lebensraum so verändert hat, dass diese Fischart kaum nachwachsen kann. Der Kabeljau ist ein Raubfisch, der kleinere Fischarten wie den Hering oder die Lodde jagt, die sich von Plankton ernähren. Als er verschwand, vermehrten sich die kleinen Planktonfresser deutlich und fraßen den Kabeljaularven, die sich ebenfalls von Plankton ernähren, die Nahrung weg. Hinzu kommt, dass Hering und Lodde auch Kabeljaueier und Kabeljaularven fressen und damit den Nachwuchs dezimieren. So haben sich die Kabeljaubestände bis heute nur wenig erholen können.

Veränderung der Biodiversität

Überfischung und Eutrophierung sowie Hitze- und Säurestress beeinträchtigen die
Artenvielfalt
und die Lebensräume in den Küstengewässern. In manchen Fällen können sich diese Faktoren in ihrer Wirkung verstärken. In anderen Fällen verändert bereits ein Faktor die Meeres­umwelt in großem Umfang. Von der Eutrophierung zum Beispiel können größere Algenarten betroffen sein, die fest am Meeresgrund sitzen. Da das vermehrte Wachstum des Planktons das Wasser trübt, gelangt weniger Licht in die Tiefe. Aufgrund dieses Lichtmangels ist beispielsweise der
Blasentang Fucus vesiculosus
, der sich unter Wasser an Steine heftet, in der Ostsee aus dem Tiefenbereich zwischen 6 und 12 Metern verschwunden. Er kommt nur noch im flachen Wasser vor, in dem noch ausreichend Licht vorhanden ist. Fatalerweise verlieren mit den schwindenden Blasentangwäldern auch Jungfische ihren Lebensraum sowie zahlreiche andere Organismen, die auf dem Blasentang leben.
2.24 > Der Rotfeuerfisch Pterois volitans stammt ursprünglich aus japanischen Gewässern. Als Raubfisch hat er sich von Florida bis in die Karibik ausgebreitet. Man vermutet, dass erste Exemplare in den 1990er Jahren von Aquaristen an der US-Küste ausgesetzt worden waren.
Abb. 2.24:  Der Rotfeuerfisch Pterois volitans stammt ursprünglich aus japanischen Gewässern. Als Raubfisch hat er sich von Florida bis in die Karibik ausgebreitet. Man vermutet, dass erste Exemplare in den 1990er Jahren von Aquaristen an der US-Küste ausgesetzt worden waren. © Manfred Bail/SeaPics.com
Küstenlebensräume werden auch durch aus fremden Gebieten eingeschleppte neue Pflanzen- oder Tierarten verändert, die sich breitmachen. Wissenschaftler nennen dieses Phänomen Bioinvasion. Generell gibt es 3 Wege, auf denen fremde Arten aus einem Küstengebiet dieser Welt in ein anderes vordringen können; diese tragen jeweils zu etwa einem Drittel zur Bioinvasion bei:
  • Einschleppung durch Bewuchs auf Rümpfen von Handelsschiffen (Biofouling). Dazu zählen vor allem Muscheln, Schnecken oder Seepocken, die sich direkt an die Bordwand heften. Zahllose andere Arten finden in diesem Aufwuchs Schutz.
  • Einschleppung durch Ballastwasser in Schiffen. ­Ballastwasser stabilisiert Schiffe bei Leerfahrten. Je nachdem, ob ein Schiff nun be- oder entladen wird, wird Ballastwasser im Hafen ab- oder zugepumpt. Mit dem Ballastwasser können Eier oder ­Larven von Meerestieren übertragen werden, zum Teil sogar Krankheitserreger.
  • Einschleppung durch Muschelzüchter oder Aquaristen. Saatmuscheln, die beispielsweise für die Austernzucht ausgesetzt werden, verbreiten sich in den Importgebieten. Oftmals befinden sich auf den Saatmuscheln noch andere Arten, die, sofern die Umweltbedingungen günstig sind, ebenfalls im neuen Gebiet heimisch werden können. Aquarienbetreiber setzen Zuchtfische und andere Arten gelegentlich bewusst aus, um sich ihrer zu entledigen.
Ein Beispiel dafür, wie stark sich eine fremde Art in neuen Gebieten durchsetzen kann, ist der Pazifische Rotfeuerfisch Pterois volitans, der sich vor Florida, im Golf von Mexiko und in den Korallenriffen der Karibik verbreitet hat und ursprünglich aus japanischen Gewässern stammt. Der Rotfeuerfisch ist ein Räuber und dezimiert einheimische Tierarten. Er verfügt über giftige Stacheln an seinen Flossen und wird daher kaum gejagt. Man vermutet, dass Aquaristen Anfang der 1990er Jahre einige Exemplare vor der US-Küste aussetzten. Seitdem haben sich die Bestände weit nach Süden ausgebreitet. >
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