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3 Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

WOR 3 kompakt

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Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfide sind für die Industrie aus verschie­denen Gründen von Bedeutung. Da viele Metalle heute quasi monopolartig in wenigen Staaten und insbesondere in China abgebaut werden, wollen sich Industrie­nationen wie Deutschland oder Frankreich, die kaum über eigene Ressourcen verfügen, mit eigenen Claims am Meeresgrund ein Stück weit unabhängiger machen. Damit sich der Meeresbergbau aber nicht zu einem Wettlauf um die besten Claims auswächst, wird er im Gebiet des interna­tionalen Meeresbodens durch die Inter­na­tionale Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) geregelt. Diese UN-Behörde vergibt Erkundungslizenzen und sorgt zudem dafür, dass wertvolle Rohstoffvorkommen für Entwicklungsländer reserviert bleiben. Reglements für den künftigen Abbau werden derzeit erarbeitet und sollen 2016 zunächst für Mangan­knollen vorliegen. Erst danach kann der Meeresbergbau auf internationalem Terrain beginnen. Bemerkenswert ist, dass der Meeresumweltschutz in den Reglements der ISA eine große Rolle spielt. So müssen in den Abbaugebieten große Bereiche ausgespart bleiben, um den Meeresboden zu schützen. Damit liegen erstmals in der Geschichte klare Spielregeln für die Verteilung eines Rohstoffs und den Umweltschutz vor, ehe der Abbau beginnt. Derzeit gibt es 12 Lizenzen für die Erkundung von Manganknollen in der Clarion-Clipperton-Zone. Für den Indischen Ozean wurde bisher 1 Lizenz vergeben.
Während es für das internationale Gebiet des Meeresbodens also einheitliche und strenge Regeln für den Meeresbergbau gibt, entscheiden in den Einflussgebieten der Küstenstaaten diese allein darüber. Zwar ist jeder Staat nach dem Seerechts­überein­kommen (SRÜ) dazu verpflichtet, die Meeresumwelt zu schützen, doch ist die Verschmutzung von Küstengewässern weiterhin vielerorts gang und gäbe. So wird befürchtet, dass mit dem Meeresbergbau hier neue Umweltprobleme entstehen. Konkret gehen Umweltschützer davon aus, dass durch den großflächigen Abbau inbesondere endemische Arten am Meeresboden stark gefährdet sind. Meeresbiologen fordern daher weitere detaillierte Umweltstudien, um die Gefahren des Meeresbergbaus besser einschätzen zu können, ehe er beginnt. Doch steht zu befürchten, dass in manchen Gebieten schon vorher Abbaugeräte anrollen. Abgesehen davon, dass gemäß chemischer Analysen sowieso nur wenige Kobalt­krusten- und Massiv­sulfid­vorkommen so reich an Metallen sind, dass ein Abbau momentan lohnenswert ist, gibt es kritische Stimmen, die sich prinzipiell dagegen aussprechen. Beide Vorkommen bilden feste Strukturen, auf denen sich im Laufe der Zeit artenreiche Lebens­gemeinschaften aus festsitzenden Organismen wie etwa Schwämmen oder Korallen gebildet haben. Ein großflächiger Abbau ist nach Ansicht von Biologen nur dann zu vertreten, wenn die Unternehmen Bereiche unangetastet lassen, aus denen die abgeernteten Gebiete wiederbesiedelt werden können.
Ob es jemals einen Meeresbergbau in großem Stil geben wird, ist offen. Er wäre zwar teurer als der Bergbau an Land, potentielle Konflikte um die Landnutzung ließen sich aber umgehen. Der Inselstaat Papua-Neuguinea will in den kommenden 2 Jahren zusammen mit einem internationalen Bergbaukonzern gold- und silberhaltige Massiv­sulfide in seiner 200-Seemeilen-Zone abbauen. Und aller Voraussicht nach wird nach 2016 der Abbau von Manganknollen in der Clarion-Clipperton-Zone beginnen. Doch auch an Land gibt es nach Ansicht der Geowissenschaftler noch viele unentdeckte Lagerstätten, die somit theoretisch den wachsenden Bedarf an mineralischen Rohstoffen auch in Zukunft decken könnten. Am wahrscheinlichsten erscheint daher ein moderater Abbau von mineralischen Rohstoffen im Meer, der bei Bedarf den Abbau an Land ergänzt. Die weltweite Nachfrage nach fossilen Energieträgern und mineralischen Rohstoffen wird auch künftig nicht ohne Weiteres abnehmen. Sinnvoll erscheint es aber, nicht nur neue Versorgungsquellen zu erschließen, sondern gleichzeitig neue technische Verfahren zur Wiederverwertung von Rohstoffen zu entwickeln. Dazu gehören beispielsweise auch die Schaffung von Sammelinfrastrukturen und die Etablierung von Transportketten auf internationaler Ebene. Eine langfristige Strategie für eine umwelt­schonende Energie- und Rohstoffgewinnung zum Wohle der kommenden Generationen ist unabdingbar. Wir hoffen, der WOR 3 kann zu der Formulierung solch einer Strategie ein wenig beitragen. Textende

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