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3 Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

WOR 3 kompakt

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Generell fragwürdig ist die Ölförderung in politisch instabilen Regionen wie zum Beispiel in einigen westafrikanischen Ländern. Probleme entstehen dadurch, dass die Gewinne aus dem Ölgeschäft ungleich verteilt werden und aufgrund von Korruption nur wenigen zugutekommen. Häufig gehen dann gerade die Menschen leer aus, die in den Ölförderregionen leben. In Nigeria zum Beispiel kommt es daher immer wieder zu Konflikten, bei denen bewaffnete Gruppen um die Vorherrschaft im Ölgeschäft kämpfen. Ausgelaufenes Öl aus sabotierten Pipelines und illegal installierten Kleinst­raffinerien hat dazu geführt, dass weite Teile des Nigerdeltas vergiftet sind. In Angola, der heute wichtigsten Erdölnation südlich der Sahara, gibt es glücklicherweise zwar keine offenen Konflikte, doch werden die Gewinne auch dort ungleich verteilt. In weiten Teilen des Landes sind die Menschen sehr arm. Die Hauptstadt Luanda aber gilt als eine der teuersten Metropolen der Welt.
Eine alternative fossile Energiequelle, die aktuell viel diskutiert wird, sind Methan­hydrate. Dabei handelt es sich um feste eisähnliche Verbindungen aus Wasser und dem Erdgasbestandteil Methan. Das für die Bildung der Hydrate erforderliche Methangas steigt aus der Tiefe bis zum Meeresboden auf. Das meiste Methan entsteht in tiefen Sedimentschichten biogen durch bakterielle Zersetzungsprozesse. Ein geringerer Teil stammt aus noch größerer Tiefe und wird im Untergrund durch chemische Umwandlung von Biomasse bei hohen Drücken und Temperaturen thermogen erzeugt. Methanhydrat bildet sich in Wassertiefen von 500 bis 3000 Metern. Dort ist der Wasserdruck ausreichend hoch und das Meerwasser so kalt, dass sich das Methan mit Wasser im Sediment zum Hydrat verfestigen kann. Das Methan ist hier so dicht gepackt, dass 1 Kubikmeter festes Methanhydrat rund 160 Kubikmeter Methangas liefert. Experten schätzen, dass in den Hydraten weltweit 10-mal mehr Gas enthalten ist als in allen konventionellen Lagerstätten. Methanhydrate sind haupt­sächlich für Staaten interessant, die heute einen Großteil ihrer Energierohstoffe importieren müssen. Vor allem in Japan und Südkorea sind fossile Brennstoffe teuer, weil sie per Schiff angeliefert werden. Beide Nationen verfügen über große Mengen an Methanhydrat in ihrem Küstengebiet und wollen diese künftig verstärkt nutzen. Noch aber fehlt es an der erforderlichen Technik, um aus Hydraten in großem Stil Methan­gas zu fördern. Da Methanhydrate weiches Sediment wie Kitt zusammenhalten, fürchten Kritiker, dass durch den Abbau Kontinentalhänge ins Rutschen geraten und so Tsunamis ausgelöst werden könnten. Wissenschaftler entgegnen, dass in flachen Gebieten abgebaut wird und die Bohrungen kleinräumig sind, sodass nicht mit großen Hangrutschungen zu rechnen ist. Befürchtet wird heute auch, dass durch die Erwärmung der Meere große Mengen des starken Treibhausgases Methan in der Tiefe frei werden und bis in die Atmosphäre aufsteigen könnten. Auch hier beschwichtigen Forscher: Nach ihren Erkenntnissen liegen 95 Prozent aller weltweiten Vorkommen in Tiefen von mehr als 500 Metern und sind dort für lange Zeit vor einer Erwärmung geschützt.
Für Hochtechnologieanwendungen und moderne elektronische Massenprodukte wie Fotovoltaikanlagen, Motoren von Hybridautos oder Smartphones benötigt man heute eine Fülle von Rohstoffen, beispielsweise Metalle, die aus Erzen gewonnen werden. Auch diese sind am Meeresboden in großen Mengen zu finden. Metalle sind insbe­son­dere in 3 Typen von mineralischen Vorkommen enthalten: in Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfiden. Die kartoffel- bis salatkopfgroßen Manganknollen liegen in manchen Meeresgebieten in großer Zahl auf dem Sediment. Sie entstehen, indem sich um kleine Keime am Meeresboden wie zum Beispiel Muschelsplitter in Millionen Jahren Metallverbindungen anlagern, die im Meerwasser enthalten sind. Weltweit gibt es 4 große Manganknollengebiete, von denen das größte, die Clarion-Clipperton-Zone (CCZ) im Pazifik, so groß wie Eu­ropa ist. Manganknollen enthalten Mangan, Eisen und viele andere für die Industrie wichtige Metalle. Kobaltkrus­ten wiederum sind steinharte Beläge, die sich auf Seebergen bilden. Seeberge kommen weltweit in verschiedenen Meeresgebieten vor. Besonders krustenreiche Seeberge finden sich in der Primären Krustenzone (Prime Crust Zone, PCZ) 3000 Kilometer südwestlich von Japan. Die Krustenmenge in der PCZ wird auf rund 7,5 Milliarden Tonnen geschätzt. Kobaltkrusten entstehen ähnlich wie Manganknollen durch die Ablagerung metall­hal­tiger chemischer Verbindungen, die im Meerwasser vorkommen. Sie bilden sich an den Flanken der Seeberge. Kobaltkrusten enthalten ebenfalls Mangan und Eisen, außerdem Kobalt und andere Metalle. Massivsulfide wiederum entstehen an heißen untermeerischen Quellen, indem sich metallhaltige Schwefelverbindungen aus der Tiefe um die Quellen ablagern. Die Massivsulfide sind interessant, weil sie hohe Gold- und Silbergehalte aufweisen. Besonders vielversprechend sind unter anderem die Vorkommen in der Bismarcksee vor Papua-Neuguinea. >
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