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3 Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

WOR 3 kompakt

> Der WOR 3 befasst sich im Detail mit dem Thema Meeresrohstoffe. Er gibt eine Einführung in die heutige Rohstoffsituation und stellt die Märkte für Rohöl, Erdgas und metallhaltige Erze ausführlich dar. Vor diesem Hintergrund wird der Bedarf einer Rohstoffge­winnung im Meer diskutiert. Die Offshore-Gas- und -Ölindustrie ist längst etabliert und erreicht heute auf der Suche nach neuen und großen Lagerstätten immer größere Meerestiefen – beispielsweise im Golf von Mexiko oder vor Brasilien. Anders als die Gewinnung von Öl und Gas aus dem Meer steckt der künftige Meeresbergbau allerdings noch in den Kinderschuhen. Aktuell gibt es noch keine alltagstaugliche Technik für einen Abbau im großen Stil.
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Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

Der Rohstoffverbrauch der Menschheit ist gewaltig. Wir benötigen Erdöl, um 1 Milliarde Autos und Lastwagen anzutreiben, jährlich rund 20 Millionen Tonnen Kupferraffinade für beispielsweise Stromleitungen oder Elektromotoren und exotische Metalle wie etwa Neodym für viele industrielle Einsatzgebiete. Seit Anfang der 1970er Jahre hat sich der weltweite Energieverbrauch verdoppelt. Mit dem Wachstum der Weltbevölkerung und der Entwicklung der großen Schwellenländer China und Indien wird er sich nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris bis zum Jahr 2035 nochmals um mehr als ein Drittel erhöhen. So wird das Meer als Rohstoff­reser­voir zunehmend interessant. Vor allem in der Tiefsee gibt es noch große Mengen an Erdgas, Erdöl und Erzen, und die Aussicht, diese Schätze zu heben, ist verlockend.

Während Erdgas und Kohle noch weit bis über dieses Jahrhundert hinaus in aus­reich­ender Menge zur Verfügung stehen, ist Erdöl voraussichtlich derjenige fossile Rohstoff, der zuerst knapp wird. Öl ist heute der wichtigste fossile Energieträger weltweit und wird bereits zu einem guten Drittel im Meer gefördert. Die Offshore-Ölindustrie ist also längst etabliert. Wurde zunächst nur in flachen, küstennahen Meeresgebieten gebohrt, so hat die Ölindustrie inzwischen die Tiefsee erobert. Dank neuer geophysikalischer Erkundungsverfahren sind Wissenschaftler heute in der Lage, den Meeresboden und andere Bodenschichten bis in eine Tiefe von 12 Kilometern unter dem Meeresboden nach Gas- und Öllagerstätten abzusuchen. Mithilfe moderner Methoden wurden in den vergangenen Jahren immer wieder neue große Lagerstätten entdeckt oder schon bekannte neu vermessen. Zwischen den Jahren 2007 und 2012 wurden 481 größere Felder, die in Wassertiefen von mehr als 1500 Metern liegen, ausfindig gemacht. Das sind mehr als die Hälfte der insgesamt neu entdeckten größeren Offshore-Felder. Die Tiefseeförderung dürfte also in Zukunft immer wichtiger werden. Interessant ist, dass die neu ausgemachten Offshore-Felder in der Regel 10-mal größer als neu entdeckte Felder an Land sind. Wie die Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ zeigt, ist die Ölförderung in großer Tiefe sehr riskant, weil die Bohrlöcher dort nur mit speziellen Tauchgeräten versorgt werden können und Unfälle deshalb kaum beherrschbar sind. Zu dem Unglück kam es unter anderem, weil Mitarbeiter Messwerte aus dem Bohrloch falsch interpretierten und weil Schutzventile versagten, die das Bohrloch hätten schließen sollen. Eine Ursache ist auch, dass die Zuständigkeiten an Bord nicht klar geregelt waren, was insofern doppelt problematisch ist, als gleichzeitig Fachkräfte mehrerer Subunternehmen an Bord arbeiteten. So konnten Fehler unentdeckt bleiben.
Als Reaktion auf das Unglück im Golf von Mexiko hat die Offshore-Ölindustrie große Schutzhauben entwickelt, sogenannte Capping Stacks, die im Notfall in der Tiefe über ein sprudelndes Bohrloch gestülpt werden können. Mehrere dieser Capping Stacks werden heute jeweils in den großen Ölförderregionen für Notfälle bereitgehalten, etwa am Golf von Mexiko oder an der brasilianischen Küste. Auch das Management an Bord der Bohrinseln wurde im Golf von Mexiko neu geregelt. Fortan muss ein Betriebsleiter alle Tätigkeiten der Subunternehmer auf der Insel beaufsichtigen und verantworten. Vermutlich aber wird das nicht ausreichen, um künftig Unglücke und Schäden in Höhe von vielen Milliarden Euro zu vermeiden. Tragisch ist, dass Geschädigte wie regionale Fischer oder Touristikunternehmer heute oftmals lange auf Entschädigungen warten müssen, weil die Ölkonzerne und der Staat vor Gericht um die Haftung streiten. Sind zusätzlich durch einen Ölunfall auch Nachbarstaaten betroffen, kommt es zu noch komplizierteren Gerichtsverfahren. Um diese zu vermeiden, wäre eine unbürokratische Haftungsregelung von Vorteil, wie es sie schon für Tankerunfälle gibt. Gemäß einer internationalen Konvention gilt für Tankerunfälle, dass grundsätzlich der Schiffs­be­treiber haften und zahlen muss. Übersteigen die Kosten die Versich­erungs­summe, springt ein internationaler Fonds ein, der schnell und unbürokratisch zahlt. Eine solche Regelung wäre auch für die Offshore-Ölförderung sinnvoll, wird aber von den Ölkon­zernen bislang abgelehnt. In die Tankerfonds zahlen die Erdöl importierenden Staaten ein, die die Umlage wiederum von den im jeweiligen Land ansässigen Öl verarbei­ten­den Industrieunternehmen erhalten. >
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