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Reserven oder Ressourcen?

In der Diskussion um die Endlichkeit der fossilen Rohstoffe werden die Begriffe Reserve und Ressource, aber auch Reichweite und statische Reichweite häufig synonym verwendet, obwohl sie sich in einigen Aspekten voneinander unterscheiden.

Reserve: Damit ein Erdöl- oder Erdgasvorkommen als Reserve eingestuft wird, muss es 3 Bedingungen erfüllen: Erstens muss das Vorkommen durch Bohrungen bestätigt und der Vorrat mit großer Genauigkeit erfasst worden sein. Zweitens muss das Vorkommen mit heutiger Technik förderbar sein. Drittens muss die Förderung bei heutigen Rohstoffpreisen wirtschaftlich sein.

Ressource: Ressourcen sind einerseits die Mengen eines Energie-rohstoffs, die geologisch nachgewiesen sind, aber derzeit nicht wirtschaftlich gewonnen werden können, weil man neue und teure Technik benötigt; andererseits jene Mengen, die noch nicht nachgewiesen wurden, aber in einem Gebiet aufgrund der geologischen Charakteristika zu erwarten sind. Die Übergänge zwischen Reserve und Ressource sind manchmal fließend. So ist der Abbau von Ölsanden in Kanada das jüngste Beispiel für die Entwicklung von Ressourcen zu Reserven. Noch vor einigen Jahren war es nicht möglich, diese wirtschaftlich zu erschließen. Heute steht Kanada dank der Ölsandvorkommen in der Liste der Länder mit den größten Reserven weit oben. Da die Vorkommen mit neuer und aufwendiger Technik gefördert werden, gelten sie aber nach wie vor als nichtkonventionell.

Reichweite: Der Begriff Reichweite wird häufig verwendet, um zu verdeutlichen, wie viele Jahre ein Rohstoff noch verfügbar ist. Eine solche Angabe ist allerdings sehr unsicher, da niemand genau weiß, wie sich der Rohstoffbedarf künftig entwickeln wird. In der Diskussion um die Endlichkeit der Rohstoffe wird zudem nur selten definiert, ob die Reichweite jenen Zeitpunkt bezeichnet, an dem alle Lager erschöpft sind, oder jenen Zeitpunkt, an dem nicht mehr alle Bedürfnisse befriedigt werden können – beispielsweise wenn ein Mangel an Treibstoff herrscht. Fachleute verwenden daher meist den klarer definierten Begriff der statischen Reichweite.

Statische Reichweite: Die statische Reichweite ist das Verhältnis der Reserven oder der Ressourcen zur weltweiten Jahresförderung. Das Ergebnis ist eine Zahl, die angibt, für wie viele Jahre der Rohstoff bei gleichbleibendem Verbrauch und fixen Reserven beziehungsweise Ressourcen, also in einem theoretisch statischen Szenario, noch reichen wird. Da sich die Fördermenge und vor allem der Verbrauch eines Rohstoffs aber ständig ändern, ist selbst die statische Reichweite eine unsichere Größe. Künftige politische und wirtschaftliche Entwicklungen, die den weltweiten Verbrauch wie auch die Ölförderung und Ölmärkte beeinflussen können, sind nicht genau vorhersehbar. Wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat, wurden außerdem immer wieder neue große Rohstoffvorkommen entdeckt, die wiederum die statische Reichweite beeinflusst haben. Die statische Reichweite kann daher lediglich ein momentanes Bild der Rohstoffwirtschaft liefern.

Abb. 1.7 > Dank der Ölsande verfügt Kanada über erhebliche Ölreserven. Allerdings hat der Tagebau dort große Waldgebiete zerstört. © Jiri Rezac/Greenpeace

Abb. 1.7 > Dank der Ölsande verfügt Kanada über erhebliche Ölreserven. Allerdings hat der Tagebau dort große Waldgebiete zerstört. © Jiri Rezac/Greenpeace