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3 Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

Den Energiehunger stillen

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Fracking – Chancen und Risiken

Insgesamt umfassten die Gasreserven und -ressourcen 2011 rund 772 Billionen Kubikmeter Erdgas, das rund 230-Fache des Weltgasverbrauchs des Jahres 2011. Dabei machen die Ressourcen mit 577 Billionen Kubikmetern den Löwenanteil aus. 60 Prozent der Ressourcen wiederum sind nichtkonventionell. Ein Beispiel sind Kohleflözgase, die in Kohleschichten lagern und heute bereits in einigen Ländern wie Australien mit nichtherkömmlicher Technik gefördert werden können. Von besonderem Interesse sind derzeit die großen nichtkonventionellen Schiefergasressourcen in den USA. Dabei handelt es sich um Erdgas, das in kaum durchlässigen Bodenschichten gefangen ist. Zwar sind diese Böden porös, sodass sie Erdgas speichern können. Allerdings sind die Poren voneinander isoliert und nicht wie in konventionellen Lagerstätten durch sogenannte Porenhälse miteinander verbunden. In den USA hat man vor einigen Jahren begonnen, diese Gasvorräte zu erschließen, indem man in den gashaltigen Gesteinen künstliche Risse erzeugt. Dazu wird Wasser mit chemischen Zusätzen unter hohem Druck in den Boden gepresst. Hydraulic Fracturing (hydraulisches Aufbrechen) oder kurz: Fracking wird diese vergleichsweise neue Methode zur Erdgasförderung aus Schiefergas genannt. Das Fracking hat in Amerika eine Art Schiefergasrevolution ausgelöst. So wird sich die USA in den nächsten Jahren vermutlich gänzlich von Erdgasimporten unabhängig machen können. Die Schiefergasressourcen der USA werden derzeit auf fast 14 Billionen Kubikmeter geschätzt. Weltweit dürften es rund 157 Billionen Kubikmeter sein. Noch aber ist das Wissen über die Ausdehnung der weltweiten Schiefergaslagerstätten lückenhaft. Insofern sind diese Schätzungen gleichermaßen relativ unsicher. Auch ist das Fracking zum Teil stark umstritten. Kritiker fürchten, dass die Chemikalien aus Fracking-Bohrungen entweichen und das Grundwasser verschmutzen könnten.

Die Zukunft der Öl- und Gasförderung im Meer

Obwohl heute noch das meiste Gas und Öl an Land gefördert wird, ist ihr Anteil aus dem Meer (Offshore-Gas und -Öl) beachtlich. So trägt Offshore-Öl mit 37 Prozent zur weltweiten Ölförderung bei. Offshore-Gas hat einen Anteil von 28 Prozent an der globalen Gasförderung – Tendenz steigend. Kohle wird bis heute nicht im Meer abgebaut. Lange blieb die Erdgas- und Erdölförderung auf Flachwasserbereiche wie etwa die Nordsee oder küstennahe Gebiete der USA beschränkt. Da aber zahlreiche alte Lagerstätten versiegten, sind die Konzerne inzwischen in die Tiefe vorgedrungen. Dabei unterscheidet man 3 verschiedene Tiefenbereiche:
  • den Flachwasserbereich, der bis in eine Tiefe von etwa 400 Metern reicht;
  • den Tiefwasserbereich, der bis in eine Tiefe von etwa 1500 Metern reicht;
  • den Tiefstwasserbereich unterhalb von etwa 1500 Metern.
Dank neuer geophysikalischer Erkundungsverfahren sind Wissenschaftler heute in der Lage, den Meeresboden und andere Bodenschichten bis in eine Tiefe von 12 Kilometern unter dem Meeresboden in hoher Auflösung nach Gas- und Öllagerstätten abzusuchen. Dabei wurden in den vergangenen Jahren immer wieder neue große Lagerstätten entdeckt oder neu vermessen. Aktuelle Untersuchungen haben ergeben, dass zwischen 2007 und 2012 481 größere Felder im Tief- und Tiefstwasserbereich neu entdeckt worden sind. Das sind mehr als 50 Prozent der insgesamt neu entdeckten größeren Offshore-Felder, also jener Felder, die eine Größe von mindestens 170 Milliarden Barrel Öleinheiten haben, was in etwa 23 800 Millionen Tonnen Öleinheiten entspricht. Der Tief- und Tiefstwasserbereich wird also immer wichtiger. Interessant ist auch, dass die neu entdeckten Offshore-Felder in der Regel 10-mal größer als neu entdeckte Felder an Land sind, was die Tief- und Tiefstwasserförderung trotz höherer Kosten attraktiv macht. Betrachtet man die derzeitige Öl- und Gasproduktion weltweit, ist der Anteil der Förderung unterhalb von 400 Metern mit rund 7 Prozent aber noch relativ gering. Das liegt nicht zuletzt daran, dass derzeit nur 38 Prozent der bekannten Tief- und Tiefstwasserfelder in Betrieb sind. Die meisten Gebiete werden derzeit noch im Detail erkundet. In einigen Fällen wurden erste Probebohrungen durchgeführt. Viele Experten sind sich darin einig, dass die Tief- und Tiefstwasserbereiche die letzten Bastionen der Ölgewinnung sind. Da viele ehemals ertragreiche Felder an Land und im Flachwasser bereits weitgehend ausgebeutet sind, gibt es heute und in den kommenden Jahren kaum mehr eine Alternative. Wann sich die Förderung lohnt, hängt letztlich davon ab, wie hoch der Ölpreis ist. Grundsätzlich aber gilt: Je tiefer das Wasser ist, desto höher sind die Kosten der Förderung. Erschlossen werden im Meer heute fast ausschließlich konventionelle Ölvorkommen. Sollte der Ölpreis in den kommenden Jahrzehnten aber weiter deutlich steigen, könnte es künftig vielleicht sogar interessant sein, nichtkonventionelle Vorkommen wie etwa Schieferöl nicht nur an Land, sondern auch im Meer auszubeuten. Noch ist man davon aber weit entfernt.
1.12 > Betrachtet man die Volumina der zwischen 2007 und 2012 neu entdeckten Felder von Offshore-Öl und -Gas, wird deutlich, dass die Rohstoffmengen in einer Tiefe unterhalb von etwa 400 Metern den größten Anteil haben.

1.13 > Je tiefer das Wasser, desto höher die Kosten: Im Tiefstwasserbereich unterhalb von etwa 1500 Metern war ein Bohrtag im Jahr 2012 rund 4-mal so teuer wie im Flachwasserbereich.
1.12 > Betrachtet man die Volumina der zwischen 2007 und 2012 neu entdeckten Felder von Offshore-Öl und -Gas, wird deutlich, dass die Rohstoffmengen in einer Tiefe unterhalb von etwa 400 Metern den größten Anteil haben. © IHS; 1.13 > Je tiefer das Wasser, desto höher die Kosten: Im Tiefstwasserbereich unterhalb von etwa 1500 Metern war ein Bohrtag im Jahr 2012 rund 4-mal so teuer wie im Flachwasserbereich. © IHS

Vielversprechende Meeresgebiete

Bedeutende Neuentdeckungen im Meer wurden seit 2007 unter anderem im Santos-Becken vor Brasilien gemacht. Hierbei handelt es sich um mehrere große Gas- und Ölvorkommen von bis zu 1 Milliarde Tonnen Erdöl und 1 Milliarde Kubikmeter Erdgas, die unter einer mächtigen Salzschicht (pre-salt layer) mehrere Tausend Meter tief im Meeresboden verborgen sind. Lagerstätten dieser Größe könnten den weltweiten Gas- und Ölbedarf für mehrere Monate decken. Diese Vorkommen sind bei geophysikalischen Untersuchungen des Bodens lange unentdeckt geblieben, weil die Salzschichten die Signale der Messgeräte abgeschirmt haben. Dank eines verbesserten Verfahrens konnten die Vorkommen vor wenigen Jahren aufgespürt werden.
1.14 > Die bedeu- tendsten Neuent- deckungen von Gas- und Ölfeldern in Wassertiefen von mehr als 400 Metern wurden in den vergangenen Jahren vor allem im Südatlantik und vor Westafrika gemacht.
1.14 > Die bedeu- tendsten Neuent- deckungen von Gas- und Ölfeldern in Wassertiefen von mehr als 400 Metern wurden in den vergangenen Jahren vor allem im Südatlantik und vor Westafrika gemacht. © IHS
Inzwischen konnte man auch auf der anderen Seite des Atlantiks im Kwanza-Becken vor Angola Ölvorkommen unter einer 2000 Meter mächtigen Salzschicht nachweisen. Im Schwarzen Meer und im Kaspischen Meer wurden in den vergangenen Jahren ebenfalls neue Gas- und Ölfelder unterhalb von 400 Metern entdeckt beziehungsweise erschlossen. Damit sind auch Staaten wie der Iran, Rumänien und Russland in den Tiefwasserbereich vorgestoßen. Wichtige neue Ölfelder wurden im Golf von Mexiko und vor Ghana entdeckt sowie auch vor Französisch-Guayana. Motiviert durch diese Funde, will man hier jetzt nach weiteren Vorkommen in ähnlichen Bodenschichten vor den Küsten der beiden Nachbarstaaten Suriname und Brasilien suchen. Heute gelten die Tief- und Tiefstwasserregionen im Golf von Mexiko und im Atlantik vor Südamerika und Westafrika als am vielversprechendsten. Bedeutende Gasfelder wurden zwischen 2007 und 2012 vor allem vor Mosambik und Tansania sowie im Mittelmeer vor Israel und Zypern entdeckt. Beide Gebiete sind so ergiebig, dass sie die Gasversorgung der Regionen verändern werden. Israel beispielsweise wird sich damit für lange Zeit von Gasimporten aus den arabischen Nachbarstaaten unabhängig machen können

Sonderfall Arktis

Mit dem durch den Klimawandel verursachten Schmelzen des arktischen Meereises wächst die Hoffnung der arktischen Nationen, künftig die Erdgas- und Erdölvorräte in der Nordpolarregion ausbeuten zu können. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass dort tatsächlich beträchtliche Vorkommen zu finden sind. So wird vermutet, dass in den Meeresgebieten nördlich des Polarkreises etwa 30 Prozent der bislang noch unentdeckten Gasmengen und 13 Prozent des unentdeckten Öls ruhen. Dabei sollen die beträchtlichen Gasvorräte vor allem in den russischen Gewässern liegen. Ob und wann eine Förderung in der Arktis beginnt, kann derzeit aber noch keiner sagen, nicht zuletzt weil noch eine Reihe rechtlicher Fragen zu klären ist. So ist in den vergangenen Jahren zwischen den Anrainerstaaten ein Streit darüber entbrannt, welchem Hoheitsgebiet der arktische Meeresboden tatsächlich zuzurechnen ist. Die Anrainer versprechen sich große Rohstoffgewinne, werden aber noch warten müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass eine Förderung in diesen Gebieten derzeit nicht wirtschaftlich ist, da man sie nur mit aufwendigen und teuren Eisbrechereinsätzen erkunden kann. Textende
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