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3 Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

Den Energiehunger stillen

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1.5 > Die Vereinig­ten Staaten von Amerika führen die Liste der 10 größten Ölverbraucher mit weitem Abstand an.

1.6 > Auch was Erdgas angeht, sind die USA die größten Verbraucher. Ähnlich wie beim Öl stehen allein die 10 größten Länder für gut 60 Prozent des weltweiten Gesamtbedarfs.
Abb.1.5 Die Vereinig­ten Staaten von Amerika führen die Liste der 10 größten Ölverbraucher mit weitem Abstand an. © BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe); Abb. 1.6 Auch was Erdgas angeht, sind die USA die größten Verbraucher. Ähnlich wie beim Öl stehen allein die 10 größten Länder für gut 60 Prozent des weltweiten Gesamtbedarfs. @ BGR

Zusatzinfo Reserven oder Ressourcen?

1.8 > Stellt man die Reserven und Ressourcen dem von der IEA bis zum Jahr 2035 aufsummierten Gesamtverbrauch gegenüber, wird deutlich, dass vor allem die Kohle noch lange Zeit in ausreichender Menge verfügbar sein wird. Die Ölreserven hingegen werden Mitte dieses Jahrhunderts bereits stark ausgeschöpft sein. Zwar kann der Ölbedarf weiter gedeckt werden, allerdings wird man in absehbarer Zeit auch auf nicht-konventionelle Ressourcen zurückgreifen müssen. Weil dafür neue und anspruchsvolle Technik eingesetzt werden muss, dürfte sich das Öl deutlich verteuern. Beim Gas ist die Situation etwas entspannter, da der Verbrauch geringer und die Menge der konventionellen Ressourcen größer ist. Allerdings erwarten Experten, dass der Erdgasverbrauch künftig stark zunehmen könnte.
Der Grund ist die starke Nachfrage in Asien und in den Schwellenländern. China zum Beispiel erhöhte seinen Verbrauch um 20 Prozent. Japan wiederum importierte nach dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi 19 Prozent mehr Erdgas. Aufgrund seiner Insellage führt Japan Gas in flüssiger Form (Liquefied Natural Gas, LNG) auf dem Seeweg ein. Weil das teurer ist als der Transport per Pipeline, sind die Gaspreise in Japan vergleichsweise hoch. Im weltweiten Vergleich waren die Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 2011 der größte Erdgasverbraucher, gefolgt von der Russischen Föderation und dem Iran. Der hohe Verbrauch im Iran ist einerseits auf einen gro-ßen Gasbedarf durch die Gebäudeheizung aufgrund kalter Winter und andererseits auf die Injektion von Gas in Ölfelder zurückzuführen. Durch das Einpressen wird das Öl aus den Lagerstätten herausgedrückt. Auf Platz 4 der Liste der größten Erdgasverbraucher steht China, auf Platz 5 Japan.

Abb. 1.8 Stellt man die Reserven und Ressourcen dem von der IEA bis zum Jahr 2035 aufsummierten Gesamtverbrauch gegenüber, wird deutlich, dass vor allem die Kohle noch lange Zeit in ausreichender Menge verfügbar sein wird. Die Ölreserven hingegen werden Mitte dieses Jahrhunderts bereits stark ausgeschöpft sein. Zwar kann der Ölbedarf weiter gedeckt werden, allerdings wird man in absehbarer Zeit auch auf nicht-konventionelle Ressourcen zurückgreifen müssen. Weil dafür neue und anspruchsvolle Technik eingesetzt werden muss, dürfte sich das Öl deutlich verteuern. Beim Gas ist die Situation etwas entspannter, da der Verbrauch geringer und die Menge der konventionellen Ressourcen größer ist. Allerdings erwarten Experten, dass der Erdgasverbrauch künftig stark zunehmen könnte. © BGR

Konventionell und nichtkonventionell Fachleute unterscheiden konventionelle von nichtkonventionellen Reserven und Ressourcen. Konventionelle Lagerstätten können mit herkömmlicher Technik erschlossen und ausgebeutet werden. Die Förderung nichtkonventioneller Reserven und Ressourcen hingegen benötigt neue, technisch anspruchsvolle und daher teure Fördertechnologien. Die Schiefergasvorkommen in den USA sind ein Beispiel für eine nichtkonventionelle Ressource.

Wie lange reichen die Rohstoffe?

In den vergangenen Jahrzehnten wurde immer wieder diskutiert, wie lange die Vorräte an fossilen Energieträgern noch reichen werden. Man befürchtete, dass vor allem das Öl knapp werden könnte. Dieser Fall ist bis heute nicht eingetreten. Weltweit steht derzeit noch genug Öl zur Verfügung, um auch den wachsenden Bedarf zu decken. Das liegt vor allem daran, dass man dank besserer Technik immer wieder neue Öllagerstätten an Land und im Meer entdeckt und außerdem Offshore-Vorkommen in immer größeren Wassertiefen erschließen kann. Ferner machen es neue Fördertechnologien möglich, mehr Öl aus einer Lagerstätte herauszupumpen als früher. Zum Teil werden stillgelegte Lagerstätten wieder geöffnet, um auch noch das restliche Öl herauszuholen, das man in der Vergangenheit nicht fördern konnte. Um die künftige Versorgungssituation einzuschätzen, versuchen verschiedene Wissenschaftler und Ölkonzerne, die Rohstoffnachfrage in den nächsten Jahrzehnten mithilfe von Energieszenarien abzuschätzen. Derartige Szenarien liefert unter anderem regelmäßig die IEA. Die Ergebnisse können den aktuellen Schätzungen der Reserven und Ressourcen gegenübergestellt werden.
1.9 > LNG-Tanker sind Spezialschiffe, die Flüssigerdgas transportieren  und aufgrund ihrer charakteristischen kugelförmigen Tanks schon von  Weitem erkennbar sind. ©  Alessandro Viganò/iStockphoto 1.9 > LNG-Tanker sind Spezialschiffe, die Flüssigerdgas transportieren und aufgrund ihrer charakteristischen kugelförmigen Tanks schon von Weitem erkennbar sind.

Es gibt noch genügend Öl

Insgesamt umfassten die bekannten Ölreserven und -ressourcen im Jahr 2011 rund 585 Milliarden Tonnen. Davon waren 258 Milliarden Tonnen nichtkonventionelles Erdöl. Dabei sind die Ölvorräte weltweit sehr unterschiedlich verteilt. Allein auf die in der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) versammelten Staaten, zum Beispiel Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien oder Venezuela, entfallen fast 50 Prozent der Ölreserven und -ressourcen. Die Regionen Australasien, Afrika und Europa hingegen bringen es zusammen nur auf etwa 20 Prozent. Angesichts der Größe der derzeitigen Ölreserven und -ressourcen wird deutlich, dass in den kommenden Jahren aus geologischer Sicht auch bei einem moderaten Anstieg des Verbrauchs weltweit ausreichend Öl zur Verfügung stehen wird. Ob dieser Rohstoff zukünftig aber immer dann in ausreichender Menge verfügbar gemacht werden kann, wenn er benötigt wird, kann nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden. In jedem Fall konnte bis heute der Bedarf an Erdöl durch entsprechende Förderung gedeckt werden.
1.10 > Die Ölreserven und -ressourcen sind weltweit ungleich verteilt. Die wichtigste Region ist der Nahe Osten mit der Arabischen Halbinsel. 2011 standen einem Verbrauch von etwa 4 Milliarden Tonnen Öl Vorräte in Höhe von 585 Milliarden Tonnen gegenüber. Die kumulierte Förderung verdeutlicht, wie viel Öl in den verschiedenen Regionen bereits aus Lagerstätten gewonnen wurde.
Abb. 1.10 > Die Ölreserven und -ressourcen sind weltweit ungleich verteilt. Die wichtigste Region ist der Nahe Osten mit der Arabischen Halbinsel. 2011 standen einem Verbrauch von etwa 4 Milliarden Tonnen Öl Vorräte in Höhe von 585 Milliarden Tonnen gegenüber. Die kumulierte Förderung verdeutlicht, wie viel Öl in den verschiedenen Regionen bereits aus Lagerstätten gewonnen wurde. © nach BGR
Manche Kritiker hingegen hatten schon mehrfach den sogenannten Peak Oil vorhergesagt. Mit diesem Begriff bezeichnet man den Punkt, an dem die weltweite jährliche Ölfördermenge ihren historischen Höchststand erreicht, den historischen Scheitelpunkt der weltweiten Ölförderung. Nach dieser Definition schrumpft die Ölförderung von diesem Zeitpunkt an. Da aber immer wieder neue Ölvorkommen entdeckt und zudem die Fördertechniken verbessert wurden, ist die Fördermenge bis heute weltweit gewachsen. Für die folgenden Jahre erwarten einige Experten heute ein Peakplateau, also eine über eine längere Phase gleichbleibend hohe Fördermenge. Allerdings wird der Ölpreis weiter steigen, da zunehmend nichtkonventionelle Lagerstätten mit hohem technischem Aufwand erschlossen werden. Dazu zählen Ölsande, die in großem Stil in Kanada abgebaut werden, sowie Schieferöl, das in kaum durchlässigen Erdschichten lagert und deshalb nur mit hohem technischem Aufwand gefördert werden kann. Auch die Ölförderung in immer größeren Meerestiefen wird den Ölpreis weiter nach oben treiben. So gehen Fachleute davon aus, dass der Anteil des Erdöls, das aus Wassertiefen von mehr als 200 Metern gefördert wird, bis zum Jahr 2015 auf 12 Prozent gestiegen sein wird. 2001 betrug er nur 2 Prozent. Wann die globale Ölfördermenge sinken oder sich das Öl tatsächlich verknappen wird, ist heute schwer zu sagen. Bis 2035 wird dieser Punkt bei konsequenter Erschließung sämtlicher Ressourcen vermutlich noch nicht erreicht sein. Einzelne Staaten haben ihren Peak Oil inzwischen aber durchaus erreicht, Großbritannien zum Beispiel bereits 1999. >
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