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3 Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

Den Energiehunger stillen

Den Energiehunger stillen

> Rund ein Drittel der weltweiten Erdgas- und Erdölmengen wird im Meer gewonnen. Dieser Anteil wird sich in den kommenden Jahrzehnten noch erhöhen, denn die ozeanischen Lagerstätten bergen noch enorme Vorräte. Allerdings müssen die Konzerne in immer größere Meerestiefen vordringen, weil viele Gas- und Ölfelder im Flachwasser bereits weitgehend ausgebeutet sind.

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Rohstoffe aus dem Meer seit mehr als 100 Jahren

Erdgas und Erdöl werden schon lange aus dem Meer gefördert. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts errichtete man in den Vereinigten Staaten von Amerika erste Ölbohrtürme vor der Küste. Als ein Pionier gilt der Industrielle Henry L. Williams, der in den 1890er Jahren Öl aus dem Summerland-Feld bei Santa Barbara in Kalifornien förderte. Die ersten Fördertürme ließ er noch an Land bauen, 1896 wagte er schließlich den Schritt ins Wasser. Er ließ eine 100 Meter lange Pier errichten und trieb von dort eine Bohrung in den Meeresboden. Nachahmer ließen nicht lange auf sich warten. Innerhalb von 5 Jahren entstanden in der Umgebung 14 weitere Piers mit 400 Förderbohrungen.
1.1 > Schon Ende des 19. Jahrhunderts wagten Ölpioniere den Schritt ins Meer. Anfangs waren die Fördertürme über Piers mit dem Land verbunden.

Abb. 1.1 > Schon Ende des 19. Jahrhunderts wagten Ölpioniere den Schritt ins Meer. Anfangs waren die Fördertürme über Piers mit dem Land verbunden. © G. H. Eldridge/U. S. Geological Survey
Für die Pioniere der Ölförderung war es unvorstellbar, Bohrtürme weit draußen auf dem Meer zu errichten. Ihre Anlagen standen in wenige Meter tiefem Wasser und waren über die Piers mit dem Land verbunden. Heute ist das anders. Die Gas- und Ölförderung auf hoher See ist ein Alltagsgeschäft. Weltweit gibt es aktuell etwa 900 große Plattformen, auf denen Öl und Gas gefördert wird. Im Laufe der Zeit sind die Ingenieure in immer größere Meeres-tiefen vorgestoßen, weil mit dem steigenden Ölpreis die kostspielige Gas- und Ölgewinnung in der Tiefe rentabel geworden ist. Auch die Weiterentwicklung der Bohr- und Fördertechnik trägt dazu bei, dass aus immer größeren Wassertiefen gefördert werden kann. Den Tiefenrekord in der Ölförderung hält derzeit ein internationaler Ölkonzern mit einer Bohrinsel im Tobago-Feld im Golf von Mexiko mit 2934 Meter Wassertiefe. In der Gasförderung liegt der Tiefenrekord derzeit bei rund 2700 Metern. Die Gasplattform befindet sich ebenfalls im Golf von Mexiko im Cheyenne-Gasfeld.

Abb. 1.2 Öl und Kohle sind weltweit die wichtigsten fossilen Brennstoffe. Die Abbildung zeigt den nach Energiequellen aufgeteilten globalen Primärenergieverbrauch im Jahr 2011 und die jeweiligen prozentualen Anteile. Für das Öl ist der Primärenergieverbrauch in Millionen Tonnen Öl angegeben. Für die anderen Energiequellen wurde der Primärenergieverbrauch in Öleinheiten (Angaben in Millionen Tonnen Öleinheiten) umgerechnet. © BP 1.2 > Öl und Kohle sind weltweit die wichtigsten fossilen Brenn­stoffe. Die Abbildung zeigt den nach Energiequellen aufgeteilten globalen Primär­energie­verbrauch im Jahr 2011 und die jeweiligen prozen­tualen Anteile. Für das Öl ist der Primärenergieverbrauch in Millionen Tonnen Öl angegeben. Für die anderen Energiequellen wurde der Primärenergieverbrauch in Öleinheiten (Angaben in Millionen Tonnen Öleinheiten) umgerechnet.

Abb. 1.3 Öl wird überwiegend im Sektor Transport/Verkehr eingesetzt. Es spielt aber auch eine wichtige Rolle als Grundstoff, beispielsweise in der chemischen Industrie. © IEA 1.3 > Öl wird überwiegend im Sektor Transport/Verkehr eingesetzt. Es spielt aber auch eine wichtige Rolle als Grundstoff, beispielsweise in der chemischen Industrie.

Immer mehr Energie für Autos, Heizung und Strom

Der Energiehunger der Menschheit ist enorm groß. So belief sich der Primärenergieverbrauch im Jahr 2011 auf 12 274 Millionen Tonnen Öleinheiten. Das entspricht dem 40-Fachen des jährlichen Energieverbrauchs von Deutschland. Die Öleinheit ist ein Maß, das verwendet wird, um den Verbrauch der verschiedenen Energierohstoffe miteinander vergleichen zu können. 1 Tonne Öleinheit entspricht dabei dem Energiegehalt 1 Tonne Rohöl. Zwar ist der Energieverbrauch in Europa in den vergangenen Jahren durch den Einsatz moderner Maschinen und effizienter Elektromotoren, durch Energiesparmaßnahmen und eine bessere Dämmung von Gebäuden zurückgegangen. Weltweit betrachtet aber nimmt der Energieverbrauch zu. Seit Anfang der 1970er Jahre hat er sich verdoppelt. Bis zum Jahr 2035 wird er sich nach Angaben der Internationalen Energieagentur (International Energy Agency, IEA) nochmals um mehr als ein Drittel erhöht haben.

Generell sind die Ursachen für den wachsenden Energiehunger insbesondere das Bevölkerungswachstum in Asien sowie die fortschreitende Industrialisierung in den Schwellenländern. Dabei entfallen ungefähr 60 Prozent dieses Zuwachses allein auf China, Indien und den Nahen Osten. Heute wird die meiste Energie aus der Verbrennung der fossilen Energieträger Erdgas, Erdöl oder Kohle gewonnen. Die Ölpioniere hätten sich vermutlich nie träumen lassen, wie viel die Menschheit einmal verbrennen oder auch industriell nutzen würde. Unsere moderne Welt ist fast gänzlich von fossilen Rohstoffen abhängig. Wir benötigen sie zum Heizen, für die Stromproduktion und natürlich als Treibstoff für Kraftfahrzeuge, Bahnen, Flugzeuge und Schiffe. So sind heute weltweit mehr als 1 Milliarde Autos, Busse und Lastwagen in Betrieb, die große Mengen Benzin oder Diesel verbrennen.

Öl hält die Welt in Gang

Der wichtigste fossile Brennstoff ist heute Erdöl, gefolgt von Kohle und Erdgas. Erdöl hatte im Jahr 2011 einen Anteil von rund 33 Prozent am weltweiten Primärenergieverbrauch. Der Anteil der Kohle betrug rund 30 und der von Erdgas rund 24 Prozent.

Primärenergie Mit Primärenergie bezeichnet man jene Energie, die man in einem Kraftwerk, Ofen oder in einem Motor aufwenden muss, um elektrischen Strom, Wärme oder Bewegung zu erzeugen. Darüber hinaus gibt es den Begriff der Endenergie. Damit bezeichnet man Energie, die der Verbraucher direkt in Form von Strom und Heizwärme nutzt.

Die restlichen Anteile entfallen auf Atomenergie, Wasserkraft und andere erneuerbare Energien wie zum Beispiel Solar- und Windenergie. Im Jahr 2011 wurden weltweit rund 4 Milliarden Tonnen Öl gefördert. Davon wurden allein 61,5 Prozent im Bereich Transport und Verkehr verbraucht. Öl ist aber nicht nur Brennstoff, sondern auch ein wichtiger Grundstoff für die Pharma- und Chemieindustrie, beispielsweise für die Kunststoffproduktion. Autolacke, Frischhaltedosen oder TV-Geräte, in allen stecken Substanzen, die aus Öl gewonnen werden. Der größte Erdölverbraucher sind heute die USA. Es folgen China, dessen Volkswirtschaft seit Jahren immens wächst, das stark industrialisierte Japan und das aufstrebende Schwellenland Indien. Russland hält Platz 5, verbraucht aber nur ein Sechstel der US-Ölmenge. Der weltweite Ölkonsum ist 2011 um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Am stärksten stieg der Verbrauch mit 6,1 Prozent im sogenannten australasiatischen Raum. In Europa hingegen ging der Verbrauch um 1,2 Prozent zurück.

1.4 Erdgas wird zum größten Teil für die Erzeugung von Strom und Wärme eingesetzt. @ IEA 1.4 > Erdgas wird zum größten Teil für die Erzeugung von Strom und Wärme eingesetzt.

Strom und Wärme aus Gas

Im Jahr 2011 wurden weltweit 3337 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert. Diese Menge entspricht dem 35-Fachen des jährlichen Gasverbrauchs in Deutschland. Der durchschnittliche Jahresverbrauch eines deutschen Haushalts liegt bei etwa 3500 Kubikmetern. Erdgas wird insbesondere zum Heizen und zur Stromgewinnung sowie in der chemischen Industrie als Rohstoff eingesetzt, zum Beispiel für die Wasserstoffproduktion, die Ammo-niaksynthese und die Stickstoffdüngerherstellung. In Deutschland, Dänemark, anderen europäischen Ländern und auch in China ersetzt Erdgas zunehmend Kohle als Brennstoff für Kraftwerke.

Denn Gas verbrennt sauberer als Kohle. Das Gas wird dabei in modernen Gas- und Dampfkraftwerken eingesetzt, die zugleich Strom produzieren und die Abwärme nutzen und dadurch einen besonders hohen Wirkungsgrad haben, die Energie also besonders gut ausnutzen. Klassische Kohlekraftwerke hingegen liefern in vielen Fällen nur Strom. Die Abwärme bleibt ungenutzt. In Europa sank die Gasnachfrage zwischen 2010 und 2011 um 8 Prozent. Gründe dafür waren die schwache Wirtschaft, relativ hohe Preise, warmes Wetter, aber auch der kontinuierliche Ausbau erneuerbarer Energien. Weltweit gesehen hingegen stieg der Erdgasverbrauch im selben Zeitraum um 2 Prozent. >
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