Suche
english
3 Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

Vorkommen und Märkte

Seite:

Wiederverwerten statt wegwerfen?

Eine Alternative zum verstärkten Erzabbau könnte künftig das Recycling wertvoller Rohstoffe sein. So wie Aluminium oder Stahl heute bereits in großem Stil wieder eingeschmolzen und neu verarbeitet werden, könnten in Zukunft auch viele andere Rohstoffe aus Abfällen und Elektroschrott wiedergewonnen werden. Elektroschrott wird aber heute weltweit erst von einigen wenigen Firmen aufbereitet, die insbesondere Kupfer, Silber, Gold und Platin wiedergewinnen. Verfahrenstechnisch machbar wäre darüber hinaus beispielsweise ein Recycling von Indiumzinnoxid-Folie aus Bildschirmen von Smartphones. Bislang gibt es aber keine fertig konzipierte Industrieanlage für den Alltagsbetrieb. Für das Recycling sind nicht nur ausgediente Smartphones oder Computer von Interesse. Abfälle fallen auch während der Produktion an. In der Elektronikindustrie kann heute nur ein Teil dieser Produktionsabfälle dem Fertigungsprozess wieder zugeführt werden, da Verfahren fehlen, um den Abfall aufzubereiten und die Substanzen zu extrahieren. Wünschenswert wäre beispielsweise ein Verfahren für Gallium, das insbesondere in LEDs eingesetzt wird.
Noch aber fehlt es an Sammelsystemen, über die entsprechende Altprodukte oder Produktionsabfälle dem Recycling zugeführt werden könnten. Erschwert wird das Recycling auch dadurch, dass bestimmte Metalle nur in winzigen Mengen in einem Produkt verarbeitet sind. Dadurch lohnt sich das Wiederaufarbeiten kaum. Experten bemühen sich daher um neue Verfahren, mit denen die verschiedenen verarbeiteten Stoffe besser erkannt und voneinander getrennt werden können. Eine besondere Herausforderung sind Mikrochips und andere mikroelektronische Bauteile, in denen verschiedene Substanzen quasi miteinander verschmolzen sind. Da solche Elektroschrottabfälle bis heute meist nicht wiederverwertet werden können, werden sie von vielen Industrieländern als Abfall in Entwicklungs- und Schwellenländer exportiert. In manchen Fällen wird der Schrott auch heute noch illegal ins Ausland geliefert. Entsprechende Firmen geben an, den Schrott wiederzuverwerten und werden dafür entlohnt. Statt den Abfall technisch aufwendig zu recyceln, wird er dann aber zu geringeren Kosten exportiert. Folgende Maßnahmen und Vorschläge für ein künftiges Recycling von Metallen werden von Fachleuten daher diskutiert:
  • Neuentwicklung von Systemen zur Wiederverwertung von industriellem Produktionsabfall;
  • Einführung von Wertstofftonnen für Privathaushalte;
  • vorrangige Entwicklung von Recyclingverfahren für Metalle mit einem hohen Versorgungsrisiko (Länderrisiko, Länderkonzentration);
  • Schaffen von wirtschaftlichen Anreizen für die Entwicklung eines funktionierenden Recyclingmarkts, der sich auf Rohstoffe aus Konsumgütern, Altautos oder Elektroschrott spezialisiert.

Meeresbergbau als Alternative?

Um die Versorgung mit Rohstoffen künftig sicherer zu gestalten, gibt es für viele Staaten und Unternehmen aber noch eine andere Alternative, die nicht nur aus rein wirtschaftlichen, sondern auch aus geopolitischen Erwägungen eine Rolle spielen kann: den Meeresbergbau. Zum einen vermeidet man damit Landnutzungskonflikte, die Berg- und Tagebaue mit sich bringen; zum anderen hoffen Staaten, die nicht über eigene Rohstoffreserven verfügen, sich über den Meeresbergbau ein Stück weit von den Exportnationen unabhängig zu machen. Grundsätzlich muss man beim Meeresbergbau 2 Situationen unterscheiden: den Bergbau in den Hoheitsgewässern eines Staates und den Bergbau im Bereich der Hohen See, die als Erbe der Menschheit und gemeinsame Ressource aller Staaten gilt. Den Bergbau in den Hoheitsgebieten regeln die Nationalstaaten in eigener Verantwortung. Im Bereich der Hohen See hingegen werden Lizenzgebiete von einer Behörde zentral vergeben, der Internationalen Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) mit Sitz in Kingston, Jamaika. Die ISA wacht insbesondere darüber, dass die Gewinne aus den Aktivitäten des Meeresbergbaus künftig gerecht verteilt werden. So soll verhindert werden, dass allein reiche Staaten Zugriff auf die vielversprechenden Ressourcen haben. In den vergangenen Jahren hat die ISA bereits zahlreiche Lizenzgebiete zur Erkundung an mehrere Staaten vergeben, die dort zurzeit nur explorieren dürfen. Abgebaut wird noch nirgends, weil die endgültigen Abbauregeln momentan noch diskutiert werden. Die ISA will bis 2016 die gesetzlichen Rahmenbedingungen für einen solchen marinen Bergbau aufstellen.
2.6 > Eine Arbeiterin in einer Recycling­fabrik in San José, Costa Rica, sortiert Weißblechdosen, aus denen Aluminium wiedergewonnen wird.
2.6 > Eine Arbeiterin in einer Recycling­fabrik in San José, Costa Rica, sortiert Weißblechdosen, aus denen Aluminium wiedergewonnen wird.  © Florian Kopp
2.7 > Elektronikkomponenten wie Chips mit elektronischen Schaltkreisen enthalten verschiedene Metalle in sehr geringen Mengen. Da die Metalle darin quasi verschmolzen sind, ist das Recycling besonders schwierig. © Javier Marina/agefotostock/Avenue Images 2.7 > Elektronikkomponenten wie Chips mit elektronischen Schaltkreisen enthalten verschiedene Metalle in sehr geringen Mengen. Da die Metalle darin quasi verschmolzen sind, ist das Recycling besonders schwierig.
Für den Meeresbergbau sind vor allem 3 Typen von Rohstoffvorkommen interessant, die unterschiedliche Wertmetalle enthalten:
  • MANGANKNOLLEN:
    Manganknollen
    sind kartoffel- bis salatkopfgroße Mineralanreicherungen, die riesige Bereiche der Tiefseeebenen im Pazifik sowie im In-dischen Ozean bedecken. Sie enthalten vor allem die chemischen Elemente Mangan, Eisen, Kupfer, Nickel und Kobalt sowie andere Substanzen wie Molybdän, Zink und Lithium. Manganknollen finden sich meist in Wassertiefen unterhalb von 3500 Metern.
  • KOBALTKRUSTEN:
    Kobaltkrusten
    sind Überzüge von Mineralien, die sich an den Flanken submariner Gebirgszüge und Seeberge bilden. Sie entstehen durch die Ablagerung von im Wasser gelösten Mineralien und enthalten vor allem Mangan, Eisen, Kobalt, Nickel sowie Platin und Seltenerdelemente. Kobaltkrusten gibt es insbesondere im Westpazifik in Tiefen von 1000 bis 3000 Metern.
  • MASSIVSULFIDE:
    Massivsulfide
    lagern sich vor allem an den Austrittsstellen heißer Quellen am Meeresboden ab. In diesen Gebieten dringt kaltes Meerwasser zuerst durch Spalten bis zu mehrere Kilometer tief in den Meeresboden ein. An Magmakammern in der Tiefe heizt sich das Meerwasser dann auf Temperaturen von mehr als 400 Grad Celsius auf. Dabei löst es metallhaltige Mineralien aus dem Gestein. Durch die Erwärmung steigt das mineralisierte Wasser sehr schnell auf und schießt zurück ins Meer. Sobald es sich mit dem kalten Meerwasser vermischt, bilden die Mineralien einen Niederschlag, der sich an der Quelle in Form von massiven Erzvorkommen ablagert. Massivsulfide finden sich an vielen Stellen am Meeresboden, die vulkanisch aktiv sind oder waren. Je nach Region enthalten die Massivsulfide unterschiedliche Anteile an Kupfer, Zink, Blei, Gold und Silber sowie an zahlreichen wichtigen Spurenmetallen wie Indium, Germanium, Tellur oder Selen.

Zusatzinfo Sand, Kies und Phosphat aus dem Meer

Wann und ob Meeresrohstoffe abgebaut werden, hängt vor allem davon ab, wie sich die Rohstoffpreise weltweit entwickeln. Dass die Weltmarktpreise wie der Erdölpreis kontinuierlich steigen werden, ist keinesfalls sicher. Neue Bergbauprojekte an Land könnten beispielsweise dazu führen, dass Preise für bestimmte Rohstoffe wieder fallen. So hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach gezeigt, dass mit dem Beginn der Förderung in einer neuen großen Landlagerstätte meist ein Rohstoffüberangebot entsteht. Kosteneinsparungen tragen ebenfalls zu fallenden Preisen bei. Solche Einsparungen lassen sich unter anderem durch neue Abbautechnologien, durch Automatisierung oder durch verbesserte verfahrenstechnische Prozesse in der metallurgischen Verarbeitung erreichen. Andererseits steigen die Preise, wenn die Nachfrage nach einem Rohstoff zunimmt. Das könnte künftig bei den Rohstoffen der Fall sein, die aufgrund technischer und gesellschaftlicher Entwicklungen sehr gefragt sind. Ein Beispiel ist das Metall Neodym, das zunehmend für den Bau von Elektromotoren und Windradgeneratoren benötigt wird. Experten fürchten für die kommenden Jahre, dass sich das Angebot an Neodym verknappen könnte. Sollten die Preise für Metalle, die auch in marinen Rohstoffen vorkommen, in den nächsten Jahren aufgrund derartiger Mangelsituationen steigen, könnte der Meeresbergbau tatsächlich wirtschaftlich werden. Ob dieser Fall eintritt, kann heute aber noch niemand sagen. Eine Ausnahme sind möglicherweise die Massivsulfide im Hoheitsgebiet von Papua-Neuguinea, die viel Gold und Silber enthalten. Bereits seit mehreren Jahren ist dort ein Abbau vorgesehen. Aus wirtschaftlichen und vertragsrechtlichen Gründen wurde der Förderbeginn aber schon mehrfach verschoben.
Seite: