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3 Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

Vorkommen und Märkte

Rohstoffe für die Welt

> Metalle und Industrieminerale für die Herstellung von Konsumgütern und Maschinen werden heute fast ausschließlich an Land gewonnen. Um sich von Importen unabhängig zu machen und sich gegen zukünftige Engpässe bei der Rohstoffversorgung abzusichern, überlegen einige Staaten, solche Rohstoffe künftig auch aus dem Meer zu gewinnen. Doch noch ist der Bergbau unter Wasser zu teuer und mögliche Umweltauswirkungen sind nicht klar.

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Zusatzinfo Metalle der Seltenen Erden

Erz, Glimmer, Sand und Kies

Für Hochtechnologieanwendungen und moderne elektronische Massenprodukte wie Fotovoltaikanlagen, Hybridautos oder Smartphones benötigt man heute eine Fülle mineralischer Rohstoffe. Dazu gehören Erze, aus denen Metalle wie Kupfer, Nickel, Indium oder Gold gewonnen werden, sowie Industrieminerale wie Flussspat, Grafit oder Glimmer, die nicht zu den Metallen zählen. Glimmer wird unter anderem als Isolator in winzigen Bauteilen für die Mikroelektronik verwendet, Grafit benötigt man für Elektroden. Aus Flussspat wiederum gewinnt man Flusssäure, mit der beispielsweise Stahl oder Fotovoltaikkomponenten geätzt werden. Zu den mineralischen Rohstoffen zählen darüber hinaus Sand, Kies und Steine für die Bauindustrie. Die mineralischen Rohstoffe werden heute fast ausschließlich in Minen an Land gewonnen. Je nach Lagerstätte baut man sie in Bergwerken unter Tage oder im Tagebau unter freiem Himmel mit großen Baggern und Radladern ab. Eine Ausnahme sind Sand und Kies, die bereits seit geraumer Zeit nicht nur an Land abgebaut, sondern auch aus flachen Meeresgebieten gewonnen werden. Seit mehreren Jahrzehnten ist bekannt, dass es auch am Meeresboden große Vorkommen mit vielen Millionen Tonnen wertvollen Metallen gibt. Sie werden bislang aber nicht genutzt, weil die Produktion an Land die Nachfrage decken kann. Zudem ist der Abbau im Meer bis heute zu teuer und unwirtschaftlich, da die Erze mit hohem Aufwand per Schiff und Unterwasserroboter geerntet werden müssten. Hinzu kommt, dass die Fördertechnik, anders als beim etablierten Abbau an Land, erst noch entwickelt werden muss.

Angst vor Lieferengpässen

Experten gehen davon aus, dass die Landlagerstätten auch langfristig in den meisten Fällen den Bedarf an Metallen und Mineralien decken können, obgleich die Nachfrage stetig steigt. Für einige Rohstoffe aber sehen sie Engpässe voraus. So könnten durch den wachsenden Bedarf in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) unter anderem jene Rohstoffe knapp werden, die nur in kleinen Mengen vorhanden sind oder gewonnen werden – beispielsweise Antimon, Germanium und Rhenium. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 wurden weltweit rund 20 Millionen Tonnen Kupferraffinade, aber nur 128 Tonnen Germanium gewonnen.
2.1 > Erze für die Metallerzeugung fördert man in großen Tagebauen wie der Dexing-Kupfermine nahe der ostchinesischen Stadt Shangrao. Dabei fressen sich die Bagger tief in den Erdboden.
2.1 > Erze für die Metallerzeugung fördert man in großen Tagebauen wie der Dexing-Kupfermine nahe der ostchinesischen Stadt  Shangrao. Dabei fressen sich die Bagger tief in den Erdboden. © picture alliance/CHINAFOTOPRESS/MAXPPP
Germanium wird heute für die Funktechnik in Smartphones, in der Halbleitertechnik oder in sogenannten Dünnschichtsolarzellen benötigt. Vor allem in den führenden Industrieländern fürchtet man, dass in den nächsten Jahrzehnten die Versorgung mit solchen für die Industrie bedeutsamen Rohstoffen unsicherer werden könnte. Dabei hängt die Versorgung unter anderem von den folgenden Faktoren ab:
  • steigende Nachfrage durch Neuentwicklungen: Manche Innovationsforscher erwarten, dass in den kommenden Jahren der Bedarf an bestimmten Metallen aufgrund neuer technischer Entwicklungen deutlich zunehmen wird. Ein Beispiel sind sogenannte Seltenerdmetalle, die künftig in stark steigenden Mengen beispielsweise für den Bau von Motoren für Elektroautos oder Generatoren in Windrädern benötigt werden könnten;
  • steigende Nachfrage und Konkurrenz durch das Wirtschaftswachstum in den BRIC-Staaten und Schwellenländern sowie starkes Wachstum der Erdbevölkerung;
  • begrenzte Verfügbarkeit: Viele Rohstoffe werden als Nebenprodukt bei der Förderung anderer Metalle gewonnen. So sind Germanium und das für die Herstellung von LCD-Displays essenzielle Indium Nebenprodukte der Blei- und Zinkgewinnung. Sie treten in den Blei- und Zinklagerstätten nur in geringen Mengen auf. Um mehr Germanium und Indium zu gewinnen, müsste man folglich die Blei- und Zinkproduktion erheblich erhöhen. Das wäre allerdings unwirtschaftlich, weil es eine entsprechend große Nachfrage für Blei und Zink gibt;
  • Monopolstellung von Staaten: Viele für die Industrie wichtige Rohstoffe kommen nur in wenigen Ländern vor oder werden zurzeit nur in wenigen Ländern produziert. Diese Nationen haben quasi eine Monopolstellung. Auf China zum Beispiel entfallen 97 Prozent der weltweiten Produktion von Seltenerdmetallen. Auch für andere Rohstoffe ist der ostasiatische Staat heute der wichtigste Produzent. Die Importnationen fürchten, dass China und auch andere Staaten die Verfügbarkeit der Rohstoffe durch hohe Zölle oder andere wirtschaftspolitische Maßnahmen einschränken könnten. Diese Situation wird dadurch verschärft, dass für moderne Hochtechnologien Rohstoffe von besonders hoher Qualität oder Reinheit nötig sind. Auch diese kommen in vielen Fällen weltweit nur in wenigen Regionen vor;
  • Oligopole durch Firmenkonzentration: In einigen Fällen werden Rohstoffe nur von wenigen Unternehmen abgebaut. Da in den vergangenen Jahren große Rohstoffunternehmen kleinere aufgekauft haben, hat sich die Wettbewerbssituation bei manchen Rohstoffen noch verschärft;
  • politische Situation: Problematisch ist auch die Versorgung aus politisch fragilen Staaten wie etwa der Demokratischen Republik Kongo, die durch den jahrelangen Bürgerkrieg destabilisiert ist. Das Land erbringt 40 Prozent der weltweiten Kobaltproduktion.
Ob ein Rohstoff für ein Land oder ein Unternehmen verfügbar ist, hängt also nicht allein von der Größe der Lagerstätten weltweit ab, sondern von vielen Faktoren, die zusammen den Preis bestimmen. Natürlich wird der Preis nicht zuletzt auch durch die Situation auf den Rohstoffmärkten beeinflusst. So steigt der Preis eines Rohstoffs bei wachsender Nachfrage. In anderen Fällen verteuern sich Rohstoffe allein aufgrund von Spekulationen, unter anderem, weil die Märkte überreagieren. Ein Beispiel dafür war der enorme Preisanstieg bei Kupfer und anderen Rohstoffen nach 2006, als China große Rohstoffmengen aufkaufte. Von einer Knappheit konnte damals aber keine Rede sein.
2.2 > Viele Metalle werden heute in wenigen Ländern gewonnen, allen voran in China. Die Daten stammen aus einer umfangreichen Rohstoffanalyse aus dem Jahr 2010 und haben sich seitdem nicht wesentlich verändert. Für Gallium und Tellur fehlen zuverlässige Zahlen.
2.2 >  Viele Metalle werden heute in wenigen Ländern gewonnen, allen voran in China. Die Daten stammen aus einer umfangreichen Rohstoffanalyse aus dem Jahr 2010 und haben sich seitdem nicht wesentlich verändert. Für Gallium und Tellur fehlen zuverlässige Zahlen. © Hein et al.

Zusatzinfo Wie viel Metall steckt im Erz?

Die Unsicherheit messen

Rohstoffexperten versuchen einzuschätzen, wie sicher die Versorgung mit Rohstoffen in Zukunft sein wird. Berücksichtigt werden dabei zum einen die Monopolstellung von Staaten und Unternehmen und zum anderen die politische Situation in den Abbauregionen, das sogenannte gewichtete Länderrisiko (GLR). Das GLR wird anhand von 6 Kriterien (Indikatoren) ermittelt, mit denen die Regierungsführung einzelner Staaten sowie die politische Situation im Land bewertet werden. Diese Indikatoren wurden von der Weltbank definiert:
  • Mitspracherecht und Verantwortlichkeit: Dieser Indikator besagt, inwieweit die Bürger eines Landes die Möglichkeit haben, die Regierung zu wählen. Berücksichtigt werden auch Aspekte wie Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit;
  • politische Stabilität und Abwesenheit von Gewalt: Analysiert wird, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Regierung durch Gewalt, Putsch oder Terrorismus destabilisiert werden kann;
  • Wirksamkeit des Regierungshandelns: Dieses Kriterium bewertet die Qualität der öffentlichen Dienste und Behörden und misst auch, wie stark diese politischem Druck ausgesetzt sind;
  • Qualität der Gesetzgebung: Nach diesem Indikator wird die Fähigkeit der Regierung eingeschätzt, Gesetze und Vorschriften zu erlassen, die eine freie Entwicklung des privaten Sektors ermöglichen;
  • Rechtsstaatlichkeit: In diesem Fall wird untersucht, wie groß das Vertrauen in bestehende gesellschaftliche Regeln ist und ob diese eingehalten werden. Bewertet wird auch, ob Verträge und Eigentumsrechte gewahrt werden. Ferner gibt dieser Indikator die Qualität der Gerichte und der Polizei an. Zudem berücksichtigt er, wie wahrscheinlich Verbrechen und Gewalt sind;
  • Korruptionskontrolle: Dieser Indikator zeigt an, inwieweit Behörden und die Regierung durch privaten Profit beeinflusst werden. Dazu gehören die Korruption auf verschiedenen Ebenen sowie der Einfluss von Eliten und privaten Interessen.
Die 6 Indikatoren werden mit Zahlenwerten belegt und aufaddiert. In der Summe ergeben sich Länderrisikowerte zwischen +1,5 und –1,5. Bei Werten über 0,5 ist das Risiko gering. Zwischen –0,5 und +0,5 liegt ein mäßiges Risiko vor. GLR-Werte unter –0,5 gelten als kritisch. Inwieweit die Rohstoffversorgung durch eine Monopolstellung von Ländern und Unternehmen beeinflusst wird, versuchen Wirtschaftswissenschaftler mithilfe des Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zu bewerten, einer Kennzahl zur Konzentrationsmessung. Dieser mathematisch ermittelte Index betrachtet die Anzahl der Marktteilnehmer mit ihren jeweiligen Marktanteilen und kann somit eine Aussage über den Konzentrationsgrad treffen. Rein rechnerisch bewegt sich der HHI zwischen dem größten Wert 1 bei einem einzigen Marktteilnehmer, und damit einem Monopol, und dem kleinsten Wert 0, der erreicht wird, wenn (theoretisch) unendlich viele Marktteilnehmer den gleichen Anteil haben. Da sich Werte mit sehr vielen Dezimalstellen hinter dem Komma ergeben können, werden diese aus Praktikabilitätsgründen jeweils mit 10 000 multipliziert. >
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