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Metallschlamm im Roten Meer

Eine besondere Form von Sulfidablagerungen sind die sulfidreichen Sedimente am Grund des Roten Meeres. Hier liegen die Sulfide nicht in fester Form, sondern als dickflüssiger, metallhaltiger Schlamm vor. Auch im Roten Meer ist die Ursache für die Sulfidbildung magmatische Aktivität im Untergrund. So ist das Rote Meer dadurch entstanden, dass sich hier die Afrikanische und die Arabische Platte voneinander entfernen. In jedem Jahr driften die Platten etwa 1 Zentimeter auseinander, sodass das Rote Meer langsam wächst. Die Bruchstelle der Platten verläuft ziemlich genau in der Mitte des Roten Meeres von Nordwest nach Südost. An manchen Stellen dieser Bruchzone gibt es Vertiefungen, Becken, an deren Grund sich die Schlämme bilden. In diesen Becken liegt – wie die Dunstglocke über einem Tal – eine 200 Meter mächtige Schicht von extrem salzigem, schwerem Wasser. Dieses mehr als 60 Grad Celsius warme Wasser stammt aus salzreichen Gesteinsschichten an den Flanken des Roten Meeres und hat sich hier angereichert. Mit einem Salzgehalt von rund 26 Prozent ist es rund 7-mal salziger als herkömmliches Meerwasser. Damit ist es so schwer, dass es in die Vertiefungen läuft. Die mit Sulfiden angereicherten hydrothermalen Lösungen, die aus der Tiefe aufsteigen, vermischen sich mit dem warmen salzhaltigen Wasser. Dabei verbinden sich die im Wasser gelösten Metalle zu Sulfidpartikeln. Die Partikel sinken zum Boden und bilden die metallreichen Schlämme. Das größte Sulfidschlammvorkommen im Roten Meer befindet sich im Atlantis-II-Tief, einem rund 2000 Meter tiefen Becken von der Größe Manhattans, das zwischen Saudi-Arabien und dem Sudan liegt.

Abb. 2.33 > Das Atlantis-II-Tief liegt mitten im Roten Meer. An seinem Grund gibt es metallreiche Sulfidschlämme. © maribus Abb. 2.33 > Das Atlantis-II-Tief liegt mitten im Roten Meer. An seinem Grund gibt es metallreiche Sulfidschlämme. © maribus

Dieses Sulfidvorkommen gilt als das größte weltweit, die Massivsulfidvorkommen mit eingeschlossen. Das Gebiet wurde bereits in den 1970er Jahren intensiv erkundet, und es wurden hier wertvolle Metalle wie Zink, Kupfer, Silber und Gold gefunden. Ein deutsches Industriekonsortium führte damals in Zusammenarbeit mit der Red Sea Commission, einer Kooperation von Saudi-Arabien und dem Sudan, über 490 Erkundungsbohrungen im schlammigen Boden durch. Damit gehört das Areal zu den weltweit am besten untersuchten Sulfidvorkommen. Darüber hinaus gelang es, 1979 rund 15 000 Kubikmeter Schlamm mit einer prototypischen Sauganlage an die Wasseroberfläche zu fördern. Wie andere Meeresbergbauvorhaben wurde diese Kooperation aber Anfang der 1980er Jahre eingestellt, weil es auf dem Weltmarkt ausreichend Rohstoffe aus Landlagerstätten gab. Zwischenzeitlich war aufgrund hoher Metallpreise am Weltmarkt das Interesse an den Schlämmen erneut erwacht. 2010 erhielt ein saudi-arabisch-kanadisches Konsortium eine Förderlizenz für 30 Jahre. Das Gebiet wurde erneut in Kooperation mit deutschen Forschern erkundet. Konkrete Pläne für einen Beginn des Meeresbergbaus aber gibt es bis heute nicht, was auch daran liegt, dass die Metallpreise in letzter Zeit wieder gesunken sind. Insgesamt, schätzt man, enthält das Atlantis-II-Becken eine Schlammmenge mit einem Trockengewicht von rund 89,5 Millionen Tonnen, was verglichen mit den anderen Massivsulfidvorkommen am Meeresboden sehr viel ist. Allerdings sind die Metallgehalte in den Sedimenten geringer als beispielsweise in den Massivsulfiden der Bismarcksee. Nach derzeitigen Schätzungen befinden sich im Schlamm des Atlantis-II-Beckens gut 3 Millionen Tonnen Zink, 740 000 Tonnen Kupfer, 6500 Tonnen Silber und 46 Tonnen Gold. Verglichen mit den globalen Reserven dieser Metalle, liegen diese Werte im einstelligen Prozent- oder gar im Promillebereich. Für den Sudan oder Saudi-Arabien, die sonst kaum über nennenswerte Metallreserven verfügen, könnte der Abbau bei entsprechenden Metallpreisen jedoch künftig interessant sein. Allerdings müssen Förderanlagen für den Alltagseinsatz erst noch entwickelt werden. Problem dabei ist, dass das warme salzige Wasser besonders aggressiv ist und die Fördergeräte angreifen könnte.