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3 Rohstoffe aus dem Meer – Chancen und Risiken

Mineralische Rohstoffe

Tagebau am Meeresgrund
> Diamanten, Kies und Sand fördert man bereits seit Jahrzehnten aus küstennahen Gewässern. Um den wachsenden Bedarf an Metallen zu decken, sollen künftig Erze in Form von Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfiden in bis zu 4000 Meter Tiefe abgebaut werden. Ob und wann dieser Meeresbergbau beginnt, hängt von den Metallpreisen am Weltmarkt ab. Die Arbeit in der Tiefe ist heute noch unwirtschaftlich. Zudem fehlt es bislang an Abbaugeräten.

Rohstoffe für die Welt

> Metalle und Industrieminerale für die Herstellung von Konsumgütern und Maschinen werden heute fast ausschließlich an Land gewonnen. Um sich von Importen unabhängig zu machen und sich gegen zukünftige Engpässe bei der Rohstoffversorgung abzusichern, überlegen einige Staaten, solche Rohstoffe künftig auch aus dem Meer zu gewinnen. Doch noch ist der Bergbau unter Wasser zu teuer und mögliche Umweltauswirkungen sind nicht klar.

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Begehrte Manganknollen

> Metallhaltige Knollen bedecken viele Tausend Quadratkilometer des Tiefseebodens. Sie enthalten vor allem Mangan, aber auch Nickel, Kobalt und Kupfer, was sie wirtschaftlich interessant macht. Obwohl heute bereits mehrere Staaten und Industriefirmen die Vorkommen intensiv erkunden, ist offen, ob die Manganknollen tatsächlich abgebaut werden. Denn auch mittelfristig gibt es an Land genug Metall.

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Metallreiche Krusten

> Kobaltkrusten sind eine vielversprechende Ressource am Meeresboden, da sie große Mengen an Kobalt, Nickel, Mangan und anderen Metallen enthalten, die die Gehalte in Landlagerstätten zum Teil übertreffen könnten. Sie bilden sich auf Gesteinsflächen an untermeerischen Erhebungen. Zu ihrem Abbau sind Maschinen nötig, die das Material vom Untergrund abtrennen können. Darüber liegen bislang aber nur Konzeptstudien vor.

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Massivsulfide – im Rauch der Tiefe

> 1979 entdeckte man im Pazifik heiße Quellen, an denen sich metallhaltige Schwefelverbindungen ablagern, sogenannte Massivsulfide. Heute weiß man, dass sie weltweit vorkommen. Zwar sind die bisher gefundenen Mengen bei Weitem nicht so groß wie die der Kobaltkrus­ten und Manganknollen, sie weisen aber zum Teil deutlich höhere Gehalte an Kupfer, Zink, Gold und Silber auf. Vor Papua-Neuguinea könnte der Abbau schon 2016 beginnen.

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Der Meeresbergbau – kein Goldrausch, aber eine Option

Der Mensch fördert schon seit Jahrzehnten mineralische Rohstoffe aus dem Meer, dazu zählen Diamanten vor Namibia oder Sand aus den Küstenbereichen Europas, mit dem Strände aufgespült werden. Allein in Europa werden jedes Jahr rund 93 Millionen Tonnen Sand aus dem Meer entnommen, was dem Rauminhalt von 37 Cheops-Pyramiden entspricht. Staatsregierungen und Industriekonzerne planen, in den kommenden Jahrzehnten noch deutlich mehr aus der Tiefsee zu fördern, nämlich Hunderte Millionen Tonnen metallhaltiger Mineralien, die am Meeresboden in 3 Formen vorliegen: erstens als kartoffelgroße Manganknollen, zweitens als harte Überzüge an den Flanken von Unterwasservulkanen, sogenannte Kobaltkrusten, und drittens als massive Ablagerungen, die sich an heißen mineralienreichen Tiefseequellen gebildet haben, als Massivsulfide. Interessant sind diese Rohstoffvorkommen, weil sie große Mengen von wirtschaftlich interessanten Metallen aufweisen, die die bekannten Mengen in den Lagerstätten an Land zum Teil deutlich übertreffen. Allein die Manganknollen im pazifischen Manganknollengebiet der Clarion-Clipperton-Zone enthalten rund 5 Milliarden Tonnen Mangan, etwa 10-mal mehr als die heute wirtschaftlich abbaubaren Lagerstätten an Land. Viele der marinen Metallvorkommen sind seit den 1970er Jahren bekannt. Schon damals förderte man in Pilotprojekten Manganknollen aus dem Pazifik. Weil es an Land genügend Rohstoffe gab und die Metallpreise relativ niedrig waren, blieb der Meeresbergbau lange unattraktiv. Im vergangenen Jahrzehnt aber ließ vor allem der wachsende Bedarf der Schwellenländer, allen voran China, die Preise stark steigen. Der Meeresbergbau ist aus verschiedenen Gründen interessant. Zum einen steigt durch neue Hightech-Anwendungen wie etwa in Smartphones die Nachfrage nach chemischen Elementen, die in den marinen Vorkommen enthalten sind. Zum anderen werden viele dieser Elemente nur in wenigen Ländern abgebaut. Vor allem China hat eine marktbeherrschende Position. Viele Staaten möchten sich daher eigene Claims am Meeresboden sichern. Problematisch ist, dass durch den Meeresbergbau viele Hundert Quadratkilometer Meeresboden beeinträchtigt würden. Meeresbiologen fürchten, dass dadurch Tiefseelebensräume zerstört werden. Um einen Goldrausch im Ozean zu verhindern, wurde 1994 die Internationale Meeresbodenbehörde in Jamaika gegründet. Sie vergibt Lizenzgebiete in internationalen Gewässern an interessierte Staaten und wacht darüber, dass auch Entwicklungsländer an den Gewinnen beteiligt werden. Zudem hat die Behörde Regelungen für den Schutz der Tiefsee-lebensräume ausgehandelt. So dürfen die Lizenzgebiete nicht komplett abgebaut werden. Manche Bereiche sollen unangetastet bleiben, von denen aus abgebaute Gebiete wiederbesiedelt werden können. Ob und wie stark sich der Meeresbergbau entwickelt, ist noch offen. Zum einen gibt es noch keine Abbaugeräte, zum anderen sind die Metallpreise nach zwischenzeitig extremen Anstiegen teilweise wieder gesunken, sodass der Tiefseebergbau zurzeit weniger wirtschaftlich zu sein scheint. Dennoch gelten manche 200-Seemeilenzonen, für die wiederum die Meeresbodenbehöde nicht zuständig ist, als vielversprechend. In diesem Bereich entscheiden die Küstenstaaten allein, wann und mit welchen Umwelt- und Sicherheitsstandards Metalle abgebaut werden. Interessant sind die 200-Seemeilenzonen von Papua-Neuguinea, in der Massivsulfide mit hohen Gold- und Silbergehalten zu finden sind, sowie der Cookinseln, in der kobaltreiche Manganknollen liegen. Ein Abbau der edelmetallhaltigen Vorkommen in Papua-Neuguinea erscheint heute schon wirtschaftlich. Ein Industriekonsortium will Ende 2016 mit dem Abbau beginnen.