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Mauretanien, Senegal und der schwierige Weg zum guten Fischereimanagement

Die Gewässer vor Westafrika gehören zu den besonders stark befischten Meeresgebieten, und die dort verantwortungslos betriebene Fischerei wird stark kritisiert. Wie schwierig allerdings der Weg zu einem guten und wirkungsvollen Fischereimanagement ist, zeigen die Bemühungen Mauretaniens. Das Land ist keine traditionelle Fischfangnation und Fisch somit kein Hauptnahrungsmittel. Statt selbst zu fangen, vergibt Mauretanien schon seit vielen Jahren Lizenzen an ausländische Unternehmen – eine wichtige Einnahmequelle für den Wüstenstaat. Allerdings wurden die Lizenzen bisher lediglich nach der Schiffsgröße, der sogenannten Tonnage, vergeben – ein sehr ungenaues Maß für eine gezielte Bewirtschaftung der Bestände. Mauretanien entschied sich deshalb, mit Unterstützung verschiedener Nationen und Entwicklungsprojekte, ein besseres Fischereimanagement aufzubauen. 2006 wurde zunächst ein erster Managementplan für die Oktopusfischerei verabschiedet. Am 1. August 2012 schließlich trat vorläufig ein umfassendes, neues Fischereiprotokoll in Kraft, das den Fang vieler Fischarten regeln soll. Dieses schreibt unter anderem exakte Quoten für jede Fischart vor und definiert die Anzahl der Schiffe sowie die maximale Fangmenge pro Fischart. Mit solch einer Regelung lässt sich die Fischerei sehr viel besser steuern. Zudem wurden die Lizenzgebühren erhöht. Um überprüfen zu können, ob die jeweiligen Quoten eingehalten werden, müssen die Fänge demersaler Fische (Bodenfischarten einschließlich Krevetten und Tiefseekrabben) in Mauretaniens einzigem Fischereihafen, in Nouadhibou, gelöscht werden. Pelagische Fische, von denen vor Mauretanien jährlich bis zu 1 Million Tonnen gefischt wird, können dort aufgrund der begrenzten.

5.15 > Angst um ihre Lebensgrundlage trieb senegalesische Fischer im März 2012 auf die Straßen. Der damals amtierende Präsident wollte neue Fanglizenzen an ausländische Fischereiunternehmen verkaufen.  © Seyllou/AFP/Getty Images

5.15 > Angst um ihre Lebensgrundlage trieb senegalesische Fischer im März 2012 auf die Straßen. Der damals amtierende Präsident wollte neue Fanglizenzen an ausländische Fischereiunternehmen verkaufen. © Seyllou/AFP/Getty Images

Kapazität allerdings nicht angelandet werden. Die Umladung der Fänge von den Trawlern auf die großen Tiefkühlschiffe muss deshalb direkt vor dem Hafen von Nouadhibou durchgeführt werden, sodass jederzeit stichprobenartige Kontrollen vorgenommen werden können. Mit dem neuen Fischereiprotokoll existiert nun also theoretisch ein wirkungsvolles Managementkonzept. Allerdings wird es derzeit von den meisten Reedern der ausländischen Fischereiflotten mit der Begründung, es sei zu streng, boykottiert. Die Reeder bemängeln unter anderem:

  • dass die spanischen Oktopusfischer aufgrund überfischter Bestände keinen Oktopus mehr fangen dürfen;
  • dass die Fangverbotszone für pelagische Fische von 12 auf 20 Seemeilen ausgedehnt worden ist, wodurch sich die Fangerträge verringern;
  • dass 2 Prozent der Fänge pelagischer Fische an die Regierung abgegeben werden sollen, die diese Fische kostenlos oder zu Niedrigpreisen an die arme Bevölkerung verteilen will;
  • dass die Crew auf den in der Ausschließlichen Wirtschaftszone operierenden internationalen Schiffen zu 60 Prozent mit Mauretaniern besetzt werden muss, obwohl es in Mauretanien kaum entsprechend ausgebildete Arbeitskräfte gibt;
  • dass der Lizenzpreis deutlich erhöht wurde.
Der Boykott hatte zur Folge, dass kaum neue Lizenzen gekauft wurden und viele internationale Fischereiunternehmen ihre Schiffe abgezogen haben. Aus Solidarität mit den spanischen Oktopusfischern haben sich beispielsweise auch die spanischen Krevettenfischer zurückgezogen. Lediglich die französischen Thunfischfischer und die spanischen Seehechtfischer haben Lizenzen erworben. Für Mauretanien gehen damit hohe Lizenzeinnahmen verloren. Es ist gut möglich, dass Mauretanien das Fischereiprotokoll aufgrund des ausländischen Drucks künftig wieder abändern wird. Überhaupt besteht in Mauretanien ein Problem darin, dass die eigentlich sinnvollen Regeln und guten Managementvorgaben von der Regierung oftmals nur halbherzig umgesetzt oder durch Ausnahmeregelungen umgangen werden. Im Zweifelsfall entscheidet sich die Regierung nach wie vor für schnelle Gewinne und nicht für den Schutz der Fischbestände.

5.16  > Auch handwerkliche Fischerei wird mitunter sehr intensiv betrieben, wie die vielen Pirogen an einem Strand im Senegal zeigen.  © Pierre Gleizes/Greenpeace

5.16 > Auch handwerkliche Fischerei wird mitunter sehr intensiv betrieben, wie die vielen Pirogen an einem Strand im Senegal zeigen. © Pierre Gleizes/Greenpeace

Neben den Schwierigkeiten, ein sinnvolles Management zu etablieren, ist auch die Tatsache ernüchternd, dass Mauretanien derzeit in der Fischereiaufsicht Rückschritte macht. Um die illegale Fischerei weit draußen in der AWZ einzudämmen, aber auch die legal operierenden Schiffe kontrollieren zu können, hatte Mauretanien in den vergangenen 10 Jahren mit internationaler Hilfe eine Fischereiaufsicht aufgebaut. Für die Überwachung der 200 Seemeilen breiten AWZ wurden Schiffe und ein Flugzeug eingesetzt. Für die Kontrolle des küstennahen Bereichs wurden Radaranlagen installiert. Die illegale Fischerei ließ sich damit weitgehend eindämmen. Jetzt aber beklagen die Hilfsorganisationen das zunehmende Desinteresse der Regierung. Das Überwachungsflugzeug ist seit geraumer Zeit nicht mehr in Betrieb. Die Schiffe der Fischereiaufsicht sind häufig in schlechtem technischem Zustand, sodass ein Auslaufen nicht zu vertreten ist. Das einzige noch seetüchtige Fahrzeug wiederum liegt meistens am Kai, weil es an Treibstoff fehlt. Wenn es denn überhaupt hinausfährt, beschränkt sich die Kontrolle meist auf den küstennahen Bereich. Damit hat die abschreckende Wirkung der Fischereiaufsicht zuletzt nachgelassen. Anders als in Mauretanien hat der Fischfang im Nachbarland Senegal eine lange Tradition, und die Bewohner nutzen schon seit Generationen lange, schmale Holzboote, rund 14 Meter lange Pirogen, die mehr als 10 Tonnen Fisch laden können. Da der Senegal deutlich ärmer als Mauretanien ist, kann sich das Land bislang allerdings keine Fischereiaufsicht leisten. Ausländische Flotten, Chinesen, Russen oder auch Spanier, die unter Billigflagge fahren, betreiben daher in den Gewässern massiv illegale Fischerei. Da die Regierung unter dem ehemaligen Präsidenten Abdoulaye Wade darüber hinaus sehr viele Fanglizenzen an ausländische Unternehmen vergeben hatte, beklagte die Bevölkerung schon seit Jahren, dass ihre ehemals reichen Fischgründe geplündert werden. Als Wade im Frühjahr 2012 noch weitere Lizenzen an russische Trawler verkaufen wollte, gingen die Menschen auf die Straße. Wade, der wegen politischer Machtspiele ohnehin in der Kritik stand, verlor die Präsidentschaftswahl. Der neue Präsident Macky Sall hat 29 von 44 unter Wade vergebene Fischereilizenzen mittlerweile annulliert – und damit ein wichtiges Wahlversprechen eingelöst. Das Beispiel zeigt, wie eng die Menschen in Nationen, in denen Fischfang eine lange Tradition hat, mit der Ressource Fisch verbunden sind. Deutlich wird auch, dass es unerlässlich ist, sie ernst zu nehmen und in das Fischereimanagement einzubeziehen. Es ist zu hoffen, dass die neue Regierung im Senegal das beherzigt und zudem den Ausverkauf der eigenen Fanggründe weiter bekämpfen wird.