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2 Die Zukunft der Fische – die Fischerei der Zukunft

Fischereimanagement

Wege zu einem besseren Fischereimanagement

> Seit vielen Jahren wird der Fischfang weltweit durch Managementpläne organisiert. Dennoch wurden Bestände überfischt, und Tausende von Fischern verloren ihre Lebensgrundlage. Das Fischereimanagement der Zukunft muss beide Herausforderungen meistern: eine nachhaltige Fischerei und langfristig hohe Erträge. Wie das funktionieren kann, zeigt unter anderem die Fischerei in Alaska.

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Streit um eine lebende Ressource

Wie wichtig es ist, den Fischfang klar zu regulieren, haben die Kabeljaukriege im Nordostatlantik in den 1950er und 1970er Jahren besonders drastisch gezeigt. Damals fischten viele ausländische Trawler nahe der isländischen Küste, denn anders als heute gab es noch keine 200 Seemeilen breite Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ). Vor allem zwischen Island und Großbritannien kam es zum Streit um die Nutzung der Fischbestände. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen 1975/1976 setzten die Briten sogar Kriegsschiffe ein. Erst 1982, als mit dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen die Ausschließlichen Wirtschaftszonen eingeführt wurden, entspannte sich die Situation. Das Beispiel zeigt, wie groß die Nachfrage nach dem lukrativen Handelsgut Fisch ist und welche ernsten Konsequenzen eine schlecht regulierte Fischerei haben kann. Auch heute noch streiten Staaten immer wieder um Fangrechte oder die Verteilung von Fangquoten. Die weitaus größte Herausforderung aber ist derzeit die Überfischung vieler Bestände. Die Aufgabe des modernen Fischereimanagements besteht damit vor allem darin, die Fangmengen auf ein biologisch und wirtschaftlich sinnvolles Maß zu beschränken und die Ressourcen gerecht zu verteilen.
5.9 > Während der Kabeljaukriege versucht das isländische Schiff „Ver“ (links), die Netzleine des britischen Trawlers „Northern Reward“ (rechts) zu durchtrennen. Der britische Bergungsschlepper „Statesman“ geht dazwischen.
5.9 > Während der Kabeljaukriege versucht das isländische Schiff „Ver“ (links), die Netzleine des britischen Trawlers „Northern Reward“ (rechts) zu durchtrennen. Der britische Bergungsschlepper „Statesman“ geht dazwischen. © National Museum of the Royal Navy
Die Fischereipolitik oder ein zentrales Fischereimanagement setzen daher entweder direkt bei den Fangmengen oder indirekt beim Fischereiaufwand an:
  • Fangmenge: Um zu verhindern, dass zu viel Fisch gefangen wird, können die Behörden die Fangmenge (Output) beschränken. Meist werden dafür sogenannte Gesamtfangmengen (total allowable catch, TAC) festgelegt. Damit wird die maximale Fischmenge einer Fischart definiert, die jährlich in einem Gebiet, meist der AWZ, gefangen werden darf.
  • Fischereiaufwand: Um zu verhindern, dass zu viel Fisch gefangen wird, können die Behörden aber auch den Fischereiaufwand (Input) beschränken. Sie können beispielsweise im Rahmen eines Aufwandsmanagements die Fangtage auf See, die Motorleistung der Fangschiffe und die Größe der Flotte limitieren oder eine Mindestmaschenweite der Netze festlegen.

Fangquoten – gleiches Recht für alle

Tatsächlich kann die Fischerei mithilfe von Fangquoten wirkungsvoll reguliert werden. Dazu wird die für ein Meeresgebiet festgelegte Gesamtfangmenge (TAC) auf einzelne nationale Fangquoten für die verschiedenen an dieses Meeresgebiet grenzenden Länder heruntergebrochen. So erhält zum Beispiel jeder Anrainer der Ostsee eine nationale Fangquote. Natürlich braucht man mehr als eine nationale Fangquote, ansonsten konkurrieren die Fischer direkt miteinander, da sie bestrebt sind, zu Beginn der Saison so viel Fisch wie möglich zu fangen, um einen großen Anteil der Quote ausschöpfen zu können. Das führt allerdings dazu, dass für kurze Zeit extrem viel Fisch auf dem Markt ist. Der Fischpreis sinkt. Im Schnitt machen die Fischer ein schlechtes Geschäft. Um für die einzelnen Fischer Planungssicherheit über die gesamte Fangsaison zu schaffen, wird die Gesamtfangquote deshalb in der Regel auf einzelne Schiffe, Fischer oder Produktionsgenossenschaften verteilt. Ansätze der Fischereipolitik, bei denen Fischer auf die eine oder andere Weise das Recht erhalten, langfristig Fisch zu fangen, bezeichnet man als rechtebasiertes Fischereimanagement. Prominentestes Beispiel sind individuell transferierbare Quoten (individual transferable quotas, ITQs).
5.10 > Die Regulierungen der Fangmenge und des Fischereiaufwands sind klassische Ansätze des Fischereimanagements. Darunter fasst man verschiedene Methoden zusammen, die je nach Fischbestand oder Region besser oder schlechter geeignet sind, um die Fischerei zu regulieren
5.10 > Die Regulierungen der Fangmenge und des Fischereiaufwands sind klassische Ansätze des Fischereimanagements. Darunter fasst man verschiedene Methoden zusammen, die je nach Fischbestand oder Region besser oder schlechter geeignet sind, um die Fischerei zu regulieren. © nach Quaas

Zusatzinfo Schluss mit dem Wegwerfen?

Bei diesen bekommen die Fischer individuelle Fangquoten zugeteilt, prozentuale Fanganteile an der Gesamtfangmenge. Diese werden in der Regel für mehrere Jahre vergeben, was den Fischern Planungssicherheit verschafft. Die Fischer können die ITQs frei mit anderen Fischern handeln, was häufig dazu führt, dass relativ unwirtschaftlich arbeitende Betriebe ihre Quoten an wirtschaftlicher arbeitende Betriebe verkaufen. Profitabel arbeitende Großbetriebe kaufen Quoten auf, weniger rentabel arbeitende Betriebe verkaufen. Das Hauptziel der ITQs ist also eine ökologisch-ökonomische Optimierung. Soziale Ziele stehen nicht im Fokus. Im Extremfall konzentrieren sich so die Quoten auf wenige Unternehmen. Ein Beispiel ist die neuseeländische Fischerei des Hokis, die sich fast ganz in der Hand weniger Großkonzerne befindet. Ein weiteres Beispiel ist die isländische Fischerei. Zwar gilt das Management der Kabeljaubestände dort heute als relativ gut, was die Nachhaltigkeit betrifft. Nach der Einführung der ITQs-Regelung zogen sich in den vergangenen Jahren aber viele Familienbetriebe aus der Fischerei zurück, um ihre Quoten zu verkaufen. ITQs werden wie Wertpapiere gehandelt. Hohe ITQs-Preise sind also ein Indikator für ein gutes Fischereimanagement: Je ertragreicher der Fischbestand, desto wertvoller sind die Fangrechte daran. Auf Island sind die Fangrechte anfänglich kostenlos an die Fischer auf Basis der damaligen Fänge verteilt worden – nach dem Prinzip der sogenannten Großvaterrechte. Demnach wird eine Ressource so verteilt, wie sie historisch oder über Generationen verteilt war. Nachdem das Fischereimanagement sich zunehmend verbessert hat und zugleich die Fangflotten durch die beschriebenen Rationalisierungen wirtschaftlicher geworden sind, befinden sich die inzwischen sehr wertvollen Fangrechte in der Hand weniger Unternehmen.
Auf Island betrachtet man diese Entwicklung durchaus kritisch. Man wünscht sich, dass die Profite aus der Fischerei gleichmäßiger verteilt würden. Manche Experten schlagen deshalb vor, keine dauerhaften Fangrechte zu vergeben, sondern stattdessen jährliche Quoten zu versteigern. Der Vorteil bestünde darin, dass in diesem Fall auch kleinere oder jüngere Fischereibetriebe jederzeit in den Handel einsteigen und Quoten erwerben können, ohne allzu hohe Geldsummen zahlen zu müssen. Da politisch oftmals gefordert wird, die kleine Küstenfischerei zu erhalten, wird vorgeschlagen, Quoten getrennt nach Flottensegmenten zu vergeben. Quoten für kleine Schiffe dürften danach auch nur an Besitzer kleiner Schiffe verkauft werden. Sie dürften nicht benutzt werden, um die Quote eines großen Schiffes zu erweitern. Das Fazit der Fachleute: Das ITQs-Prinzip ist grundsätzlich ein wirksames Werkzeug des Fischereimanagements, aber sobald auch soziale Ziele eine Rolle spielen, müssen die Grundprinzipien überdacht werden.
5.12 > Die heiße Schlacht um den Fisch: Im Sitka-Sund in Alaska darf nur einmal im Jahr für wenige Stunden Hering gefischt werden. Dutzende von Booten fischen dann um die Wette.
5.12 > Die heiße Schlacht um den Fisch: Im Sitka-Sund in Alaska darf nur einmal im Jahr für wenige Stunden Hering gefischt werden. Dutzende von Booten fischen dann um die Wette. © Klas Stolpe/AP Photos/ddp images

Aufwandsmanagement – weniger Tage, weniger Schiffe

Fischfang lässt sich nicht nur durch Quoten, sondern auch durch die Begrenzung des Fischereiaufwands regulieren. So kann man die Fangkapazität begrenzen, indem nur eine bestimmte Zahl an Lizenzen für Fangschiffe vergeben oder indem die Motorleistung oder die Größe der Fangschiffe begrenzt wird. Darüber hinaus kann die Fangdauer beschränkt werden, beispielsweise indem man eine Höchstzahl an Fangtagen auf See vorgibt. Solche Aufwandsbeschränkungen sind mancherorts weiter verbreitet als die Vergabe von ITQs. Auch das Aufwandsmanagement hat seine Schwachstellen und wird von den Fischern teils ad absurdum geführt. Etwa im Fall der pazifischen Heilbuttfischerei, bei der Ende der 1980er Jahre nur 3 Fangtage jährlich zuge­lassen wurden. Das Ziel war es, die Heilbuttbestände zu schonen. Die Fischereiunternehmen mobilisierten allerdings eine gigantische Flotte, die in nur 3 Tagen die gleiche Menge Heilbutt aus dem Meer holte wie sonst in einem ganzen Jahr. Ein weiteres, noch extremeres Beispiel für eine zeitliche Begrenzung ist die Derbyfischerei im Sitka-Sund im Golf von Alaska. Hier wird der Heringsfang reguliert, indem man die Fischerei auf wenige Stunden im Jahr beschränkt. Wie bei einem Pferderennen starten alle Fischer auf ein Signal hin gleichzeitig. Während der Fischfang von einem Beobachterschiff aus überwacht wird, versuchen die Fischer innerhalb kürzester Zeit, so viel Fisch wie nur möglich aus dem Wasser zu holen. Nach wenigen Stunden wird der Fang dann durch ein erneutes Signal beendet. >
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