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2 Die Zukunft der Fische – die Fischerei der Zukunft

Fisch als Handelsgut

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Das Sterben der Kleinen

Dass die handwerkliche durch die industrielle Fischerei in ihrer Existenz bedroht ist, ist nicht nur ein Phänomen der Entwicklungsländer. Auch in vielen Industrienationen mussten in den vergangenen Jahren kleinere Familienbetriebe aufgeben. In vielen Fällen fanden sie für diese harte Arbeit keine Nachfolger mehr. Zudem trieben steigende Treibstoffkosten kleine Unternehmen in die Enge, sodass die Fischerei oftmals von größeren und effizienter arbeitenden Betrieben übernommen wurde. Vor der kanadischen Ostküste war die Überfischung des Kabeljaus schuld daran, dass Anfang der 1990er Jahre Hunderte kleiner Familienbetriebe schließen mussten. Die Küstenfischer hatten lange gemahnt, dass die Fische seltener würden, etwa in den kanadischen Meeresbuchten. Die Großunternehmen fischten dennoch mit ihren industriellen Trawlern draußen auf See weiter. Ihr Argument: Die küstennahen Fische und die Bestände auf hoher See hätten nichts miteinander zu tun.
2.5 > Europa, die USA und Japan sind die wichtigsten Importeure von Fisch- und Fischereiprodukten weltweit. China ist wichtigster Exporteur. Dass Norwegen zweitgrößter Exporteur ist, liegt vor allem daran, dass das Land besonders wertvolle Fische wie zum Beispiel Lachs ausführt.
2.5 > Europa, die USA und Japan sind die wichtigsten Importeure von Fisch- und Fischereiprodukten weltweit. China ist wichtigster Exporteur. Dass Norwegen zweitgrößter Exporteur ist, liegt vor allem daran, dass das Land besonders wertvolle Fische wie zum Beispiel Lachs ausführt. © nach FAO (2012)
Heute weiß man, dass dieses Argument auf falschen Annahmen beruhte, denn in Wahrheit handelte es sich um einen einzigen großen Bestand, der schließlich Ende der 1980er Jahre endgültig überfischt war. Die Küstenfischer verloren ihre Lebensgrundlage. Einige stiegen auf Hummerfang um. Etliche verließen ihre Heimat. Als Folge dieser Landflucht schrumpfte die Einwohnerzahl in vielen Orten an der kanadischen Ostküste dramatisch. Ähnlich war die Situation der Heringsfischer an der Nordsee. Auf den Zusammenbruch des Bestands reagierte man in den 1970er Jahren mit einem mehrjährigen Fangverbot. Der Heringsbestand konnte sich dadurch erholen. Viele Familienbetriebe aber überlebten die Zwangspause nicht. Heute wird die Fischerei von wenigen großen Unternehmen dominiert. Um solche für die Betroffenen dramatischen Konsequenzen zu vermeiden, drängen Sozialwissenschaftler darauf, beim Fischereimanagement künftig nicht nur den Schutz der Fischbestände und der Meeresumwelt, sondern auch soziologische Aspekte zu berücksichtigen. Sie kritisieren, dass Fachleute der verschiedenen Disziplinen – Biologie, Ökonomie und Soziologie – bislang viel zu selten zusammenarbeiten. Natürlich ist der soziologische Ansatz arbeitsintensiv und teuer, sagen die Forscher, denn er setzt voraus, dass Feldforscher in die Küstengebiete reisen, um die Betroffenen vor Ort, die Fischer, zu befragen und deren Situation zu analysieren. Doch so ließen sich zukünftige Probleme vermeiden oder frühzeitig lösen.
2.6 > Für viele Entwicklungsländer ist der Fischexport wichtiger als der Handel mit Kaffee und Kakao.
2.6 > Für viele Entwicklungsländer ist der Fischexport  wichtiger als der Handel mit Kaffee und Kakao. © nach FAO (2012)

Die Verantwortung der Industrienationen

In den letzten Jahren wurden Arbeitsplätze in der Fischerei in den europäischen Ländern unterschiedlich stark abgebaut. Vor allem deshalb, weil es an alternativen Arbeitsplätzen mangelt, betreiben Nationen wie Portugal oder Spanien nach wie vor eine große, oftmals durch staatliche Subventionen am Leben erhaltene Fischereiflotte. Dänemark oder Deutschland hingegen haben ihre Flotten stark verkleinert. Die in den letzten Jahren gestiegene Nachfrage nach Fisch wird in diesen Ländern verstärkt durch Importe gedeckt. Europa ist heute die wichtigste Fischimportregion der Welt. Allerdings unterscheidet sich die Fischnachfrage von Land zu Land sehr stark. 2010 führte Europa Fisch im Wert von 44,6 Milliarden US-Dollar ein, rund 40 Prozent des weltweiten Warenwerts. Zweitgrößter Importeur sind die USA, an dritter Stelle steht Japan. Damit kommt diesen 3 Regionen eine besondere Rolle beim Schutz der weltweiten Fischbestände zu: Die Konsumenten in diesen Industriestaaten sollten ein Zeichen setzen und verstärkt Ware aus einer nachhaltigen Fischerei und umweltverträglichen Aquakultur nachfragen. Für Einkäufer des Handels wiederum werden bei der Wahl ihrer Zulieferer die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern wichtiger. Arbeiter in Entwicklungs- und Schwellenländern sind heute noch häufig unterbezahlt und erhalten keine Sozialleistungen. Auch gibt es nach Angaben der FAO in diesen Staaten oftmals Kinderarbeit. Vor allem in der handwerklichen Fischerei, in kleinen Familienbetrieben, aber auch auf Schiffen kommen Kinder zum Einsatz. Zudem werden sie als billige Arbeitskräfte zum Netzeflicken, beim Fischverkauf oder auch beim Füttern und Ernten von Zuchtfischen eingesetzt. All diese Probleme hat man inzwischen erkannt. Zu hoffen ist, dass erste Projekte und Initiativen, die mit gutem Beispiel vorangehen, Schule machen. Textende
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