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2 Die Zukunft der Fische – die Fischerei der Zukunft

Proteinlieferant für die Welt

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4.4 > Weltweit betrachtet ist der Karpfen der wichtigste Fisch der Aquakultur. © nach Hall et al. (2011), FAO Fishstat 4.4 > Weltweit betrachtet ist der Karpfen der wichtigste Fisch der Aquakultur.

Algen für Asien

Die Zucht von Algen ist weniger verbreitet als die von Tieren. Weltweit wird sie nur in etwa 30 Ländern praktiziert, insbesondere in Asien. Kultiviert werden meist große Algen wie etwa der mehrere Meter lange Seetang Kombu (Laminaria japonica), der aus Japan stammt und heute vor allem an der chinesischen Küste im Salz- und Brackwasser angebaut wird. Kombu wird häufig als Suppeneinlage verwendet. Zwar war die Menge der kultivierten Algen im Jahr 2010 mit rund 19 Millionen Tonnen deutlich kleiner als die der gezüchteten Tiere, dennoch ist die Algenproduktion in den vergangenen Jahren ähnlich stark gewachsen wie die tierische Aquakultur – mit jährlich durchschnittlich 9,5 Prozent in den 1990er Jahren und 7,4 Prozent im vergangenen Jahrzehnt. 1990 lag die weltweite Algenerzeugung noch bei 3,8 Millionen Tonnen. Die wichtigsten Anbaugebiete sind China (58,4 Prozent der weltweiten Produktion), Indonesien (20,6 Prozent) und die Philippinen (9,5 Prozent). Ein Großteil der produzierten Algen geht in die Kosmetikindustrie, die chemi-sche Industrie und die Lebensmittelindustrie. Nur einen geringeren Teil konsumieren die Menschen direkt, zum Beispiel als Suppengrundlage. Von Bedeutung sind auch die tropischen Algengattungen Eucheuma und Kappaphycus, die im gesamten Indopazifik zwischen der Insel Sansibar und den Philippinen geerntet werden. Sie bieten Fischern ein zusätzliches Einkommen und werden unter anderem in der Chemie, Medizin und Biologie zur Herstellung eines Bakteriennährmediums verwendet.
4.5 > Fische setzen Futter wesentlich besser in Körpermasse um als Vögel oder Säugetiere. Pro Kilogramm Futter liefern Fische deutlich mehr Masse.
4.5 > Fische setzen Futter wesentlich besser in Körpermasse um als Vögel oder Säugetiere. Pro Kilogramm Futter liefern Fische deutlich mehr Masse. © nach Smil (2001) und Hall et al. (2011)

Die Schwächen und Stärken der Aquakultur

Die Aquakultur wurde in den vergangenen Jahren häufig kritisiert. Sie gilt bis heute aus verschiedenen Gründen als problematisch. Nährstoffe und Fischkot aus intensiv bewirtschafteten Fischfarmen können zur Überdüngung von Gewässern wie zum Beispiel Flüssen oder Buchten führen. Bemängelt wurde außerdem, dass die in Massentierhaltung und auf maximalen Ertrag gezüchteten Fische krankheitsanfälliger als ihre wild lebenden Artgenossen sind. Gerade in Shrimpsfarmen in Südostasien werden zur Krankheitsbekämpfung Antibiotika oder andere Medikamente eingesetzt – mit unabsehbaren Folgen für das Ökosystem der Umgebung und die Gesundheit des Endverbrauchers. Diese Kritikpunkte treffen in einigen Fällen zu, dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aquakultur letztlich eine sehr effiziente und nachhaltige Methode sein kann, um Menschen mit tierischem Eiweiß zu versorgen – und der Überfischung entgegenzuwirken. Ein positives Beispiel für eine umweltschonende Aquakultur ist die Zucht des klassischen Schuppen- oder Spiegelkarpfens. Karpfen nehmen ihre Nahrung vom Boden auf, fressen kleine Wassertiere, Wasserpflanzen, abgestorbenes Pflanzen­material und Reststoffe, die sich am Grund der Teiche sammeln. Zudem durchsieben sie das Wasser nach Schwebstoffen. Damit tragen sie dazu bei, Gewässer sauber zu halten. Karpfenteiche zeichnen sich oftmals durch besonders sauberes Wasser aus. Auch intensive Muschelzucht trägt zur Reinhaltung des Wassers bei. Muscheln filtern große Mengen an Wasser und sieben winzige Nahrungsteilchen heraus. Damit wirken sie der Überdüngung und den Algenblüten entgegen.
4.6 > Im zentral­amerikanischen Staat Belize wurden riesige Aquakulturanlagen gebaut und dadurch große Landflächen und auch Mangroven zerstört. Die Abwässer werden ungeklärt ins Meer geleitet. Derartige Betriebe haben die Branche in Verruf gebracht.
4.6 > Im zentral­amerikanischen Staat Belize wurden riesige Aquakulturanlagen gebaut und dadurch große Landflächen und auch Mangroven zerstört. Die Abwässer werden ungeklärt ins Meer geleitet. Derartige Betriebe haben die Branche in Verruf gebracht. © Christian Ziegler/Minden Pictures
4.7 > Pro Tonne erzeugten Proteins entstehen in der Aquakultur weniger Stickstoff- und Phosphorverbindungen als in der Rinder- und Schweinezucht. Gezüchtete Muscheln verringern sogar die Menge an Stickstoff- und Phosphorverbindungen in Gewässern, da sie das Wasser filtern.  © nach Flachowsky (2002) und Hall et al. (2011) 4.7 > Pro Tonne erzeugten Proteins entstehen in der Aquakultur weniger Stickstoff- und Phosphorverbindungen als in der Rinder- und Schweinezucht. Gezüchtete Muscheln verringern sogar die Menge an Stickstoff- und Phosphorverbindungen in Gewässern, da sie das Wasser filtern.
Die nährstoffreichen Abwässer von Aquakulturanlagen können in Flüssen oder Küstenbereichen zu Problemen führen, dennoch sind viele Fischzuchten umweltfreundlicher als etwa die intensive Schweine- oder Rindermast. Letztere setzt durch Gülle und Mist, die zum Düngen von Ackerflächen verwendet werden, viele Phosphor- und Stickstoffverbindungen frei. Der Ausstoß aus der Aquakultur dagegen ist deutlich geringer und in etwa mit den Werten der weniger problematischen Geflügelzucht vergleichbar. Das wird am Beispiel des Mekong-Deltas deutlich: Nur etwa 1 bis 2 Prozent des Nährstoffeintrags in das Delta kommen aus der Pangasius-Aquakultur. Der Großteil stammt aus der Landwirtschaft, der Gemüse- und Obstproduktion sowie aus ungeklärten kommunalen und industriellen Abwässern. Die Aquakultur schneidet im Vergleich mit der Zucht in der Landwirtschaft auch deshalb gut ab, weil Fische und andere Wasserorganismen weniger Nahrung benötigen, um Körpermasse aufzubauen, als Tiere an Land. So ist deutlich weniger Futter nötig, um zum Beispiel 1 Kilogramm Karpfen zu produzieren, als die Produktion von 1 Kilogramm Huhn, Rind- oder Schweinefleisch erfordert. Ein Grund dafür ist, dass Fische wechselwarme Tiere sind, deren Körpertemperatur in etwa der Umgebungstemperatur entspricht. Sie brauchen daher wesentlich weniger Energie für die Wärmegewinnung als die gleichwarmen Säugetiere oder Vögel. Zudem verbraucht die Fortbewegung an Land mehr Energie als im Wasser. Da Wasser dichter als Luft ist, gibt es dem Körper Auftrieb. Fische schweben nahezu schwerelos. Viele Meerestiere wie etwa Muscheln, Schnecken oder Seegurken kommen außerdem ohne ein stützendes Skelett aus. Damit sparen sie Energie, die sie sonst für den Bau der Knochen aufwenden müssten. Und noch einen energetischen Vorteil haben Fische. Sie können überschüssigen, mit der Nahrung aufgenommenen Stickstoff in Form von Ammonium, einer einfachen chemischen Verbindung, direkt ins Wasser abgeben. Landtiere hingegen müssen Energie darauf verwenden, den Stickstoff in Harnstoff oder Harnsäure zu verwandeln. Erst in dieser chemischen Form können sie den Stickstoff mit dem Kot oder dem Urin ausscheiden.

Fisch für alle?

In einem internationalen Projekt haben Forscher untersucht, ob die Aquakultur und die Fangfischerei die weltweit gestiegene Nachfrage der Weltbevölkerung nach Fisch im Jahr 2050 befriedigen könnten. Ihr Ausblick ist optimistisch: Ja, sie können. Voraussetzung dafür sei, dass die Fischbestände der Welt auf Dauer nachhaltig befischt würden. Zudem müsse die Menge an Fisch, die in der Aquakultur in Form von Fischmehl und Fischöl verfüttert wird, effizienter eingesetzt werden. Die Forscher haben auch gefragt, welchen direkten Einfluss der Klimawandel und die Erwärmung der Meere auf die potenzielle Meeresfischproduktion haben könnten. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass die Menge des wilden Meeresfischs, der für die Fischerei verfügbar ist, dadurch vermutlich um 6 Prozent zunehmen wird. Allerdings dürften sich die Fanggebiete teils verschieben. Textende
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