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Der Mississippi und die Todeszone im Golf von Mexiko

Kein anderer nordamerikanischer Fluss hat ein so großes Einzugsgebiet wie der Mississippi. Entsprechend groß sind die Nährstoffmengen, die er in den Golf von Mexiko spült. Da das Süßwasser leichter als das salzige Meerwasser ist, lagert es sich auf dem Meerwasser ab. Dieses Phänomen nennt man Stratifizierung. Diese Süßwasserschicht verhindert wie eine Decke, dass das Meerwasser Gase wie zum Beispiel Sauerstoff mit der Atmosphäre austauscht. Derartige Stratifizierungen kennt man auch aus anderen Küstengebieten, etwa der Ostsee zwischen Dänemark und Schweden oder aus den norwegischen Fjorden. Im Fall des Mississippi aber ist die Situation verschärft, weil das Flusswasser besonders viele Nährstoffe enthält. Die Nährstoffe führen zu üppigem Algenwachstum. Wenn die Algen sterben, sinken ihre Überreste in die untere Wasserschicht. Dort werden sie durch Bakterien abgebaut, die Sauerstoff verbrauchen. Dadurch nimmt die Sauerstoffkonzentration in der tief gelegenen Salzwasserschicht gefährlich ab. Frei bewegliche Organismen fliehen vor dem Sauerstoffmangel. Weniger mobile Lebewesen wie etwa Muscheln sterben. Daher werden die sauerstoffarmen Gebiete vor der Küste von Louisiana und Texas „dead zone“, Todeszone, genannt. Im Jahr 2002 wurden niedrige Sauerstoffkonzentrationen auf einer Fläche von mehr als 20 000 Quadratkilometern beobachtet. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass die mit der Stratifizierung einhergehenden Sauerstoffprobleme erst seit Mitte des letzten Jahrhunderts vermehrt auftreten. Der Grund dafür dürften die angestiegenen Nährstoffkonzentrationen, insbesondere der Stickstoffe, sein, die sich seit den 1950er Jahren verdreifacht haben. Die Stratifizierung im nördlichen Golf von Mexiko ist an sich ein natürliches Phänomen, das vor allem in niederschlagsreichen Jahren ausgeprägt ist. Sturmereignisse wie Hurrikans können das Wasser stark durchmischen und der Stratifizierung sogar entgegenwirken. Dennoch ist die Nährstofffracht des Mississippi zu groß. Mithilfe eines Managementplans versucht man nun, die Nährstoffeinträge zu reduzieren, um die Todeszone auf eine maximale Größe von etwa 5000 Quadratkilometern zu begrenzen. Zu den Maßnahmen gehören eine verbesserte Klärung der Abwässer, eine Optimierung der Düngung und die Schaffung von Überflutungsflächen entlang der Flüsse, die beträchtliche Nährstoffmengen abfangen können. 4.5 > Der Mississippi schleppt Unmengen von Sedimenten (gelbbraun) und Nährstoffen in den Golf von Mexiko, die durch den Wind nach Westen die Küste entlang transportiert werden. Die Nährstoffe bewirken ein starkes Algenwachstum (grün). Durch den bakteriellen Abbau der Algen in der Tiefe wird Sauerstoff verbraucht. Dadurch entsteht in einem weiten Areal entlang der US-Küste eine völlig sauerstofffreie Todeszone.

4.5 > Der Mississippi schleppt Unmengen von Sedimenten (gelbbraun) und Nährstoffen in den Golf von Mexiko, die durch den Wind nach Westen die Küste entlang transportiert werden. Die Nährstoffe bewirken ein starkes Algenwachstum (grün). Durch den bakteriellen Abbau der Algen in der Tiefe wird Sauerstoff verbraucht. Dadurch entsteht in einem weiten Areal entlang der US-Küste eine völlig sauerstofffreie Todeszone. © with courtesy of Nancy Rabalais, Louisiana Universities Marine Consortium, with MODIS true color image from the Earth Scan Lab, Louisiana State University