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1 Mit den Meeren leben – ein Bericht über den Zustand der Weltmeere

Müll

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Die Folgen der Vermüllung für den Menschen

Lange hielt man den Müll in den Meeren für ein rein ästhetisches Problem. Allein die Seebäder bekämpften den Müll, indem sie regelmäßig die Abfälle vom Strand räumten. Doch in dem Maße, wie die Müllmassen wuchsen, nahmen die Probleme zu. Wie die Menge des Mülls selbst lassen sich auch seine Folgekosten nur schwer quantifizieren. In einer Studie aber konnten britische Forscher zeigen, dass die Konsequenzen der Vermüllung für den Menschen und insbesondere die Küstengemeinden durchaus ernst sind. Zu den wichtigsten Folgen zählen:
  • Gesundheitsrisiken für den Menschen: Verletzungsgefahr durch Glasscherben, angespülte Spritzen oder Chemikalien;
  • steigende Kosten für die Säuberung von Stränden, Häfen oder Meeresabschnitten und Folgekosten durch Bereitstellen von Installationen für die Entsorgung;
  • abschreckende Wirkung auf Touristen, insbesondere wenn Küstenabschnitte als verschmutzt gebrandmarkt sind – die Folge sind Einbußen im Fremdenverkehrsgeschäft;
  • Schäden an Schiffen: zerbeulte Rümpfe, abgerissene Anker, Schiffsschrauben, die sich in Netzresten oder Leinen verfangen;
  • Schäden für die Fischerei: zerrissene Netze, verschmutz-te Reusen, verschmutzte Fänge; die Menge des gefangenen Fisches kann durch mit Müll verstopfte Netze abnehmen;
  • Schäden für die Landwirtschaft entlang der Küsten: verschmutzte Felder, Raine und Zäune durch zahlreiche herangewehte Plastik- und Müllteile aus dem Meer; Vergiftung von Vieh durch Fressen von Plastikteilen, Tüten.
4.11 > Eine Suppenschildkröte hat sich im Komoren-Archipel im Indischen Ozean in einer Plastiktüte verfangen. Zum Verhängnis wird diesen Tieren der Abfall, wenn sie sich darin so verheddern, dass sie nicht mehr zum Atmen auftauchen können.
4.11 > Eine Suppenschildkröte hat sich im Komoren-Archipel im Indischen Ozean in einer Plastiktüte verfangen. Zum Verhängnis wird diesen Tieren der Abfall, wenn sie sich darin so verheddern, dass sie nicht mehr zum Atmen auftauchen können. © Pierre Huguet/Biosphoto

Die Folgen der Vermüllung für die Tiere

Geradezu katastrophal wirkt sich die große Menge an Müll auf Meerestiere aus. Seevögel, wie etwa Albatrosse oder Eissturmvögel, picken Plastikteile von der Wasser­oberfläche, verschlucken diese und verfüttern sie oftmals sogar an ihre Jungen. Nicht selten verhungern die Tiere, weil sich ihr Magen statt mit Nahrung mit Müll füllt. Untersuchungen des Mageninhalts von Seevögeln haben gezeigt, dass 111 von 312 Seevogelarten Plastikteile zu sich nehmen. Zum Teil hatten 80 Prozent aller Vögel einer Art Abfälle geschluckt. In einer anderen Studie wurden 47 Nordseeschweinswale untersucht. Zwei Individuen hatten Nylonfäden und Plastikteile verschluckt. In anderen Fällen kann der Abfall sogar zur tödlichen Falle werden. So verheddern sich Delfine, Schildkröten, Seehunde oder Seekühe in Netzresten oder Schnüren. Manche Tiere ertrinken. Andere tragen Verkrüpplungen davon, weil Plastiknetze und -fäden oder Gummiringe das Wachstum der Gliedmaßen oder des Körpers behindern. Und noch eine Gefahr geht vom Plastikmüll aus: Da die unverwüstlichen Abfälle Tausende von Seemeilen über das Meer treiben und viele Jahre alt werden können, stellen sie für viele Meerestiere ideale Flöße dar. Fremde Arten können auf ihnen ganze Ozeane überqueren und Distanzen überbrücken, die sonst unüberwindlich wären. Der Plastikmüll kann damit zur Verschleppung von Arten in neue Lebensräume beitragen. In einzelnen Fällen kann dadurch das Gleichgewicht eines Habitats aus den Fugen geraten (Kapitel 5). >
4.12 > Im Great Pacific Garbage Patch zwischen Hawaii und Nordamerika kreisen Unmengen von Müll. Viele Plastikteile trieben Tausende von Kilometern über das Meer, ehe sie vom Wasserwirbel eingefangen wurden.
4.12 > Im Great Pacific Garbage Patch zwischen Hawaii und Nordamerika kreisen Unmengen von Müll. Viele Plastikteile trieben Tausende von Kilometern über das Meer, ehe sie vom Wasserwirbel eingefangen wurden. © maribus
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