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1 Mit den Meeren leben – ein Bericht über den Zustand der Weltmeere

Müll

Allgegenwärtig – der Müll im Meer

> Alljährlich gelangen große Mengen Müll ins Meer. Weil vor allem Plastik­reste besonders haltbar sind, nimmt die Masse ständig zu – mit oft tödlichen Folgen für eine Vielzahl von Meerestieren. Eine Gefahr geht möglicherweise auch von den mikroskopisch kleinen Abbauprodukten aus, die man erst in jüngster Zeit näher untersucht. An einer wirkungsvollen Strategie zur Eindämmung der Müllflut aber fehlt es bislang, obwohl das Problem nicht neu ist.

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Die Top Ten der weltweit häufigsten Müllteile im Meer:

  1. Zigaretten/ Zigarettenfilter
  2. Tüten (Plastik)
  3. Lebensmittel-verpackungen
  4. Deckel/ Verschlüsse
  5. Getränkeflaschen (Plastik)
  6. Tassen, Teller, Gabeln, Messer, Löffel (Plastik)
  7. Glasflaschen
  8. Getränkedosen
  9. Strohhalme, Rührstäbchen (Plastik)
  10. Papiertüten

Die Herkunft des Abfalls

Wer nach einem Sturm einen Strandspaziergang macht, bekommt eine Ahnung davon, wie viel Müll in den Ozeanen treibt: Plastikflaschen, Fischkisten und Glühbirnen, Badelatschen, Fetzen von Fischernetzen und Bretter liegen verstreut im Sand. Der Anblick ist weltweit der gleiche, denn die Meere sind voll mit Abfällen. Die Mengen sind beträchtlich. So schätzte die National Academy of Scien­ces in den USA den jährlichen Eintrag in die Ozeane bereits 1997 auf rund 6,4 Millionen Tonnen. Die tatsächliche Menge des durch die Meere vagabundierenden Mülls ist aber schwer abzuschätzen, weil er ständig in Bewegung und daher kaum fassbar ist. Erschwerend kommt hinzu, dass der Abfall auf vielen Wegen ins Meer gelangt. Der größte Teil stammt vom Land. Der Müll wird mit Abwässern über die Flüsse ins Meer gespült oder von Müllkippen an der Küste ins Wasser geweht. Vielerorts lassen Badegäste ihre Abfälle achtlos am Strand liegen. Auch die Schifffahrt trägt zur Vermül­lung der Meere bei. Dazu zählen Abfälle von Handels- und Sportschiffen, die über Bord geworfen werden oder versehentlich ins Wasser fallen, und vor allem auch verloren gegangene Fischernetze. Da der Müll zu einem großen Teil aus Plastik besteht, das im Wasser nur sehr langsam abgebaut wird und häufig Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte überdauert, wächst das Müllvolumen stetig. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die Müllmenge in verschiedenen Meeresgebieten unterschiedlich groß ist. In vielen Bereichen zählten die Forscher zwischen 0 und 10 Plastikteilen pro Quadratkilometer. Im Ärmelkanal waren es zwischen 10 und 100 Teilen. In den Küstengewässern Indonesiens schließlich wurden je Quadratmeter 4 Müllteile gemessen – ein Vielfaches des Durchschnittswerts. Doch nicht allein die Küsten sind betroffen, denn, getrieben durch Wind und Meeresströmungen, wandert der ausgesprochen langlebige Müll sehr weit. So findet man Müll heute selbst an entlegenen Stränden und auf unbewohnten Inseln. 1997 entdeckten Forscher, dass sich der treibende Müll mitten im Ozean sammelt – beispielsweise im Nordpazifik. Permanent rotieren dort gigantische Wassermengen in mehreren Hundert Kilometern breiten Wirbeln, die durch gleichmäßige Winde angetrieben werden. Hier endet die Weltreise des Plastikmülls. Der Abfall kreist ununterbrochen. Ständig kommt neuer Müll hinzu. Great Pacific Garbage Patch (Großer pazifischer Müllflecken) nennen Umweltforscher den Wirbel inzwischen. Bedenkt man, dass sich der Müll auf offener See, mehrere Tausend Kilometer vom Festland entfernt befindet, ist die Müllmenge erschreckend groß: Auf einem Quadratkilometer konnten Wissenschaftler fast eine Million Plastikteile nachweisen. Allerdings handelte es sich dabei meist um kleine Plastikbruchstücke, die mit feinmaschigen Netzen aus dem Wasser gefischt worden waren. Im Ärmelkanal und bei vielen anderen Studien hatten Forscher die Müllteile hingegen im Vorbeifahren vom Schiff aus gezählt. Schon die treibenden Meeresmüllmengen sind beträchtlich. Rund 70 Prozent der Abfälle aber, so schätzt man, sinken früher oder später zu Boden. Zu den besonders betroffenen Gebieten zählen die Küstengewässer dicht besiedelter oder touristisch stark genutzter Regionen wie etwa Europa, die USA, die Karibik oder Indonesien. In europäischen Gewässern wurden auf dem Meeresboden pro Quadratkilometer bis zu 100 000 mit dem bloßen Auge sichtbare Müllteile gezählt. In Indonesien waren es sogar bis zu 690 000 Teile pro Quadratkilometer. In vielen Fällen ist der Müll harmlos. Immer wieder aber sterben Tiere daran, die am Meeresgrund nach Nahrung jagen – Robben oder Otter zum Beispiel, die sich von Fischen, Krebsen oder Seeigeln ernähren.
4.10 > Die Müllmenge nimmt in den Ozeanen beständig zu. Viele der Abfälle bauen sich nur langsam ab. Besonders haltbar sind Kunststoffflaschen oder Fischleinen aus Nylon. Zwar zerbrechen viele Plastikteile in kleinere Stückchen. Bis diese ganz verschwunden sind, vergehen aber Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte (Schätzwerte).
4.10 > Die Müllmenge nimmt in den Ozeanen beständig zu. Viele der Abfälle bauen sich nur langsam ab. Besonders haltbar sind Kunststoffflaschen oder Fischleinen aus Nylon. Zwar zerbrechen viele Plastikteile in kleinere Stückchen. Bis diese ganz verschwunden sind, vergehen aber Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte (Schätzwerte). © maribus (nach South Carolina Sea Grant Consortium, South Carolina Department of Health & Environmental Control; Ocean and Coastal Resource Management, Centers for Ocean Sciences Education Excellence Southeast; NOAA 2008)

Winzig klein und doch gefürchtet – Mikroplastik

Seit einigen Jahren konzentrieren sich Wissenschaftler zunehmend auf das, was vom Plastikmüll übrig bleibt, wenn er Wellen, Salzwasser und Sonnenstrahlung lange ausgesetzt war. Die Kunststoffe zerfallen in winzig kleine Plastikteilchen, das sogenannte Mikroplastik. Mikroplas­tik lässt sich heute weltweit vielerorts im Wasser, in Sänden und im Sediment am Meeresboden nachweisen. Die winzigen Partikel sind mit 20 bis 50 Mikrometer kleiner als der Durchmesser eines Haares. Meeresorganismen wie etwa Muscheln filtern diese Partikel aus dem Wasser. In Experimenten konnte nachgewiesen werden, dass sich das Mikroplastik nicht nur im Magen der Schalentiere sammelt, sondern im Gewebe und sogar in der Körperflüssigkeit anreichert. Noch ist unklar, welche Konsequenzen das hat. Da viele Kunststoffe giftige Zusätze wie Weichmacher, Lösemittel oder andere chemische Substanzen enthalten, wird befürchtet, dass Mikroplastik zur Vergiftung von Meereslebewesen und über die Nahrungskette möglicherweise auch des Menschen führen könnte.

Die stillen Fänger – Geisternetze

Eine besondere Bedrohung für Meereslebewesen sind sogenannte Geisternetze. Dabei handelt es sich um Netze, die beim Fischen abgerissen und verloren gegangen sind, oder um beschädigte Altnetze, die absichtlich über Bord geworfen wurden. Solche Netze können noch für Jahre im Meer treiben. Sie sind eine Gefahr für Fische, Schildkröten, Delfine und andere Organismen, die darin hängen bleiben und verenden. In dem schwebenden Wirrwarr verfangen sich weitere Netze, Fangleinen oder andere Müllteile, sodass die Geisternetze mit der Zeit zu Flößen von vielen Hundert Metern Durchmesser anwachsen können. Manche Netze sinken auf den Meeresboden ab und können dort beträchtlichen Schaden anrichten. Getrieben von der Strömung, können sie Korallen abreißen und andere Lebensräume, wie zum Beispiel Wälder aus Meeresschwämmen, schädigen. >
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