Suche
english
1 Mit den Meeren leben – ein Bericht über den Zustand der Weltmeere

Gestörter Planktonkreislauf

Störung im Planktonkreislauf

> Aktuelle Experimente und Studien zeigen, dass der Klimawandel, besonders die Erwärmung der Erde, eingespielte biologische Systeme aus dem Takt bringt. Für manche Lebewesen ist das fatal. Beunruhigend ist vor allem, dass sich der Lebensrhythmus der wichtigsten Nahrungsgrundlage in den Ozeanen, der des pflanzlichen Planktons, verändert.

Seite:

Lebenswichtige Einzeller

Das Plankton ist von enormer Bedeutung als Nahrungsquelle für das Leben im Meer. Das Phytoplankton, Algen und Cyanobakterien, nimmt im Wasser gelöste Nährstoffe auf, wächst und teilt sich. Dadurch wird im Meer die Biomasse produziert, von der sich Zooplanktonorganismen, wie Kleinkrebse und Fischlarven, ernähren. Das Zooplankton wiederum wird von Fischen und ihren Larven gefressen. Das Plankton spielt somit in den biogeochemischen Kreisläufen des Ozeans eine Hauptrolle. Durch den Klimawandel bewirkte Veränderungen des Planktons werden daher in der Zukunft auch einen entscheidenden Einfluss auf das Funktionieren des gesamten pelagischen Systems haben.

Die Copepoden Copepoden (Ruderfußkrebse) zählen zu den Krebsen (Crustacea). Sie besiedeln sowohl Meerwasser als auch Süßwasser. Die meist nur wenige Hundert Mikrometer bis wenige Millimeter großen Tiere sind die artenreichste Gruppe der Crustaceen (etwa 14 000 Arten) und machen den größten Anteil des marinen Zooplanktons aus. Copepoden stellen damit eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fische und andere Krebsarten dar.

Zusatzinfo Plankton-Experiment: Klimawandel im Wassertank

Das Planktonwachstum kommt aus dem Takt

Zum Plankton gehören überwiegend kurzlebige Organismen. Diese vermehren sich in der Regel so schnell, dass innerhalb eines Jahres mehrere Generationen entstehen können. Grundsätzlich folgt die Entwicklung der Planktonorganismen einem regelmäßigen Jahreszyklus, der mit der Frühjahrsblüte des Phytoplanktons beginnt. Dementsprechend bewirkt das zunehmende Lichtangebot im Frühjahr, dass die Menge des Phytoplanktons extrem schnell zunimmt. Schon wenige Wochen nach dem winterlichen Minimum erreicht die Biomasse einen Jahresspitzenwert. Danach nimmt die Biomasse wieder kontinuierlich ab. Zum einen, weil das Zooplankton das Phytoplankton wegfrisst, zum anderen, weil die im Wasser gelösten Pflanzennährstoffe während der Blüte stark aufgezehrt wurden und absinken. Die Phytoplankter finden also im Wasser immer weniger Nahrung. In nährstoffarmen und kalten Meeresgebieten ist die Frühjahrsblüte die einzige, in vielen anderen Meeresgebieten die größte Nahrungszufuhr für das Zooplankton im Jahresverlauf. Damit ist die Frühjahrsblüte auch für die Ernährung der Fische, die sich vor allem von Zooplankton ernähren, von größter Bedeutung. Die Bodenlebewesen wiederum profitieren von den großen Mengen absinkenden organischen Materials, den Resten der abgestorbenen Phyto- und Zooplanktonorganismen. Das kurzlebige Plankton reagiert ausgesprochen schnell auf physikalische und chemische Veränderungen im Meer oder Schwankungen im Nahrungsangebot. Gelegentlich kann die Größe der Populationen innerhalb nur weniger Tage oder Wochen extrem variieren. In anderen Fällen verändert sich die Zusammensetzung der Planktongemeinschaften: Bestimmte Planktonarten dominieren auf einmal. Veränderungen durch den Klimwandel sind in jedem Fall schon erkennbar. Einige davon entsprechen den Erwartungen: So wie die Obstbaumblüte an Land beginnt auch die Frühjahrsblüte des Planktons in vielen Meeresgebieten früher. Zudem verschieben sich die Verbreitungsgebiete von Planktonarten aufgrund der Meeres­erwärmung weiter Richtung Pol. Ein Beispiel ist die nach Norden gerichtete Ausbreitung der für die gemäßigte Zone charakteristischen Copepoden-Art Calanus helgolandicus, eines Kleinkrebses, der die in skandinavischen Breiten heimische Art Calanus finnmarchicus verdrängt. Da beide Arten wichtige Fischnährtiere sind und ein ähnliches Nahrungsspektrum haben, sollte das keine gravierenden Auswirkungen auf das Funktionieren des Ökosystems haben. Aber nicht alle Veränderungen in den Plankton-Lebensgemeinschaften sind so unbedenklich. In manchen Fällen führt die Erwärmung des Wassers dazu, dass der Zooplanktonnachwuchs zu früh schlüpft und verhungert. >

Seite: