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1 Mit den Meeren leben – ein Bericht über den Zustand der Weltmeere

Ökosystem

Auswirkungen des Klimawandels auf das marine Ökosystem
> Dass der Klimawandel die Lebensgemeinschaften im Meer verändern wird, steht außer Frage. Zwar haben Veränderungen in den Ökosystemen meist mehrere Ursachen, doch spielen der steigende Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre und die globale Erwärmung eine entscheidende Rolle. Offen ist, wie stark Lebensgemeinschaften dadurch ins Wanken geraten.

Biologische Systeme im Stress

> Grundsätzlich sind Lebewesen gut an natürliche Bedingungsschwan-kungen in ihrer Umwelt angepasst. Sie ertragen für begrenzte Zeit sogar extreme Situationen. Der Klimawandel aber verändert manche Lebensräume so stark, dass für viele Arten der Stress zu groß wird. Kommen mehrere ungünstige Faktoren zusammen, können diese in der Summe sogar zum Aussterben von Arten führen.

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Störung im Planktonkreislauf

> Aktuelle Experimente und Studien zeigen, dass der Klimawandel, besonders die Erwärmung der Erde, eingespielte biologische Systeme aus dem Takt bringt. Für manche Lebewesen ist das fatal. Beunruhigend ist vor allem, dass sich der Lebensrhythmus der wichtigsten Nahrungsgrundlage in den Ozeanen, der des pflanzlichen Planktons, verändert.

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Neue Arten in fremden Revieren

> Schon lange verfrachten Menschen Lebewesen von einem Teil der Welt in einen anderen – manchmal unbeabsichtigt, manchmal aber auch bewusst. Ganze Ökosysteme wurden dadurch bereits verändert. Der Klimawandel könnte diese Probleme verschärfen, denn mit der Erwärmung des Wassers könnten zuwandernde Arten häufiger gute Lebensbedingungen vorfinden.

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Die Rolle der biologischen Vielfalt im Meer

> Lange Zeit war unklar, inwieweit die biologische Vielfalt im Meer von Bedeutung ist. Inzwischen gilt als sicher, dass sie ein Ökosystem funktionstüchtig und leistungsfähig hält. Außerdem macht sie Lebensräume widerstandsfähiger gegen Umweltveränderungen. Doch das eingespielte Artgefüge gerät mehr und mehr durcheinander.

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Die Folgen des Klimawandels für die biologische Vielfalt im Meer

Der globale Klimawandel wird zwangsläufig dazu führen, dass sich in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten zahlreiche Umweltvariablen mehr oder weniger gleichzeitig verändern. Wie stark einzelne Arten und Lebensgemeinschaften davon betroffen sein werden, hängt von verschiedenen Einflussgrößen ab. Noch kann niemand sicher abschätzen, inwieweit sich die Lebensbedingungen in verschiedenen marinen Ökosystemen regional verändern werden. So könnten antarktische Plank­tonalgen von einer Meerwassererwärmung sogar profitieren und Süßwasser liebende Arten in der östlichen Ostsee von der Aussüßung ihres Lebensraums. In manchen Lebensräumen wird die Einwanderung fremder Spezies möglicherweise sogar eine Zeit lang die Artenvielfalt erhöhen. In den meisten Fällen jedoch wird die Verschiebung von Umwelteigenschaften zu Stress führen, der die Toleranz der Organismen übersteigt. So wird der an Kaltwasser an­gepasste Blasentang an seinem südlichen Verbreitungsrand vor Portugal durch die künftige Erwärmung wohl über seine Toleranzgrenzen hinaus gestresst werden. Dieser abiotische Stress könnte auch dadurch verschärft werden, dass die Veränderungen schneller eintreten, als sich die Art daran anpassen kann. Arten, die sich an die abiotischen Veränderungen nicht anpassen können, werden sich in günstigere Habitate zurückziehen müssen, um zu bestehen. Können sie sich aber nicht schnell genug oder hinreichend verbreiten oder in ihrer neuen Lebensgemeinschaft behaupten, werden sie aussterben. In beiden Fällen sind lokale Artverschiebungen zu erwarten. Sensitive Arten verschwinden, opportunistische, anpassungsfähigere Arten hingegen werden häufiger. Zu diesen gehören auch viele eingeschleppte Spezies. Die Neu­strukturie­rung des Artenmenüs einer Lebensgemeinschaft kann letztlich auch die Funktionalität der Gemeinschaft verändern. Welche Ökosystemleistungen die marinen Lebensgemeinschaften in Zukunft erbringen werden, ob sie die bislang existierenden besser oder schlechter ausüben, ob bislang erbrachte Leistungen völlig verschwinden oder sich nur jahreszeitlich oder räumlich verlagern, hängt davon ab, ob die ökologischen Funktionen einer verschwindenden Art durch andere bereits vorhandene oder neu eingeschleppte Arten ersetzt werden können. In einzelnen Fällen mögen Ökosysteme die regionale Veränderung der Artengemeinschaft beispielsweise durch Zuwanderung verkraften. Global gesehen aber werden Arten verloren gehen und Ökosysteme ihr Gesicht verändern. Welche Konsequenzen der Ausfall einer Art haben kann, zeigt eindrucksvoll das klassische Beispiel des in Kelpwäldern heimischen Seeotters. See­otter ernähren sich unter anderem von Seeigeln, die Kelptange fressen. Da die Seeotter in manchen Gebieten intensiv bejagt wurden, konnten sich die Seeigel explosionsartig vermehren und die Kelpwälder großräumig zerstören. Damit veränderte sich nicht nur der Lebensraum, sondern mancherorts sogar die Strömung in Küstennähe.