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1 Mit den Meeren leben – ein Bericht über den Zustand der Weltmeere

Stand der Meeresfischerei

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Zusatzinfo Das Schicksal des Kabeljaus

Von der Schwierigkeit der Bestandsschätzung

Grundsätzlich ist es schwierig,
die Fischbestände richtig abzuschätzen,
denn direkt zählen kann man Fische nicht. So werden die weltweiten Fischbestände heute mithilfe mathematischer Modelle geschätzt. Eine wichtige Daten­grundlage sind die aktuellen Fangmengenzahlen der Fischerei. Berücksichtigt wird in den Modellen auch der Aufwand, der getrieben werden muss, um diese Menge Fisch zu fangen – beispielsweise die Zahl der Fangtage oder die Flottengrößen. Denn je weniger Fisch im Meer vorhanden ist, desto größer ist der Aufwand, um eine bestimmte Menge Fisch zu fangen. Allerdings werden heute nicht alle Fänge gemeldet, sodass
die Datengrundlage lückenhaft sein kann.
In die mathematischen Modelle fließen daher auch Informationen von wissenschaftlichen Probefängen ein, die Fischereibiologen regelmäßig durch führen. Dazu gehören auch Daten über die Altersstruktur der Fischbestände oder die Bestandsdichte. Gemessen am Gesamtgewicht der gefangenen Fische wird die Liste der bedeutendsten Fangnationen mit deutlichem Abstand von der Volksrepublik China angeführt, deren jährliche Anlandungsmenge auf mehr als 14 Millionen Tonnen geschätzt wird. Mit jährlich etwa 7 Millionen Tonnen Fanggewicht belegt Peru den zweiten Platz. Regional betrachtet sind der Nordwestpazifik (19,8 Millionen Tonnen) und der Südostpazifik (11,8 Millionen Tonnen) die Fischereigebiete mit den größten Fangmengen überhaupt. Der mengenmäßig wichtigste Fisch ist die peruanische Sardelle mit einer Fangmenge von 7 bis 10 Millionen Tonnen, die unter anderem von Peru gefischt wird, gefolgt vom Alaska-Pollak (2,9 Millionen Tonnen) und dem Atlantik-Hering (2,4 Millionen Tonnen).
6.3 > Die wichtigsten Fischereinationen nach Fangmenge. © maribus (nach FAO Fishstat)

6.3 > Die wichtigsten Fischereinationen nach Fangmenge.

6.6 > Fänge nach Regionen in Tonnen Lebendgewicht (2007).

6.6 > Fänge nach Regionen in Tonnen Lebendgewicht (2007). © maribus (nach FAO Fishstat)

6.9 > Verwertung des Fischfangs nach Mengenanteilen 2006. Beim Bereich Non-Food handelt es sich zum großen Teil um Fischmehl oder Fischöl, das in Fischfarmen oder in der Tierzucht verwendet wird. © maribus (nach FAO Fishstat) 6.9 > Verwertung des Fischfangs nach Mengenanteilen 2006. Beim Bereich Non-Food handelt es sich zum großen Teil um Fischmehl oder Fischöl, das in Fischfarmen oder in der Tierzucht verwendet wird.

Milliarden verdienen – mit Fischmehl und Schlemmerfilets

Der geschätzte Wert der weltweit angelandeten Fische beträgt etwa 90 Milliarden US-Dollar. Noch größer ist die Wertschöpfung in der verarbeitenden Industrie, die aus dem Frischfisch diverse Fischprodukte herstellt. In ihrem ökonomischen Wert unterscheiden sich die einzelnen Fischarten stark voneiander. Dies liegt einerseits an den unterschiedlich großen Angebotsmengen auf den Weltmärkten. Andererseits sind verschiedene Fischarten bei Konsumenten unterschiedlich beliebt.
Für seltene Tunfischarten werden auf dem asiatischen Markt Preise von mehr als 100 Euro pro Kilo gezahlt,
während Fischer für ein Kilo Sprotten nur etwa 10 bis 20 Cent bekommen. Welche Preise für Fischereiprodukte zu erzielen sind, hängt auch davon ab, wie die Fänge verarbeitet werden. Die Anteile der verschiedenen Verarbeitungsformen (Abb. 6.8) sind in den letzten Jahren in etwa konstant geblieben. Etwa drei Viertel des Fischfangs sind direkt für den menschlichen Verzehr bestimmt. Davon gelangt etwa die Hälfte als Frischfisch zu den Endverbrauchern, ein Viertel wird zu Tiefkühlware verarbeitet und ein weiteres Viertel wird durch Räuchern oder Beizen konserviert oder in Konserven auf den Markt gebracht. Die restlichen 23 Prozent des Fischfangs werden vor allem für die Futtermittelindus­trie zu Fischmehl und -öl verarbeitet und zum Beispiel zur Aufzucht von Fischen in Aquakulturen oder zur Aufzucht von Hühnern eingesetzt.
Je nach Region hat die Fischerei unterschiedliche Bedeutung für die Ernährung der Menschen.
Der Konsum von Fischereiprodukten schwankt vor allem in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit alternativer Nahrungsquellen und der Nähe zum Meer erheblich. Weltweit beträgt die Versorgung mit Fischereierzeugnissen, inklusive der Produkte aus inländischer Fischerei und Aquakultur, etwa 16,4 Kilogramm Lebendgewicht je Person pro Jahr (Durchschnitt 2003 bis 2005). Der Verbrauch in den Ländern der Europäischen Union (EU-15) liegt mit einem Pro-Kopf-Konsum von 25,7 Kilogramm jedoch weit über diesem Durchschnittswert. Im Gegensatz zu Ländern wie Spanien (42,6 Kilogramm) und Portugal (55,4 Kilogramm), in denen traditionell viel Fisch gegessen wird, liegt der Verbrauch an Fischereiprodukten pro Person in Deutschland mit 14,3 Kilogramm pro Jahr in etwa auf Weltniveau. Weltweit wird die Zahl der Fischer und Aquakulturbetreiber auf etwa 43,5 Millionen geschätzt, von denen der Großteil aus den asiatischen und afrikanischen Ländern stammt. Mit mehr als 12 Millionen Beschäftigten im Fischfang und der Aquakultur entfällt der größte Anteil auf die Volksrepublik China. Textende
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