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1 Mit den Meeren leben – ein Bericht über den Zustand der Weltmeere

Mineralische Rohstoffe

Marine mineralische Rohstoffe

> Erdgas und Erdöl werden schon seit Jahrzehnten aus den Ozeanen gewonnen. An den Erz- und Mineralienvorkommen am Meeresgrund hingegen bestand bislang wenig Interesse. Doch durch die steigenden Rohstoffpreise wird der Meeresbergbau jetzt interessant. So wird erwartet, dass die Ernte von Massivsulfiden und Manganknollen schon in wenigen Jahren beginnt.

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Kontinentalplatten Die Erdkruste besteht aus mehreren Kontinentalplatten, die permanent in Bewegung sind. Pro Jahr verschieben sie sich um wenige Zentimeter. Diese Kontinentalverschiebung bedeutet, dass sich Platten an manchen Stellen voneinander entfernen. An diesen Plattengrenzen reißt die Erdkruste auf. Aus den Rissen quillt ständig frische Magmamasse, die sich im Laufe der Zeit am Grund der Ozeane zu großen Meeres­rücken anhäuft.

Der Meeresboden – Rohstofflager der Menschheit

Die Ozeane bergen einen Schatz an wertvollen Rohstoffen. Sand und Kies sowie Öl und Gas werden bereits seit vielen Jahren im Meer abgebaut. Darüber hinaus fördert man aus den flachen Schelf- und Strandbereichen Minerale, die durch Erosion aus dem Hinterland an die Küste transportiert worden sind. Dazu gehören zum Beispiel die Diamanten vor der Küste Südafrikas und Namibias sowie Vorkommen von Zinn, Titan und Gold entlang der Ufer Afrikas, Asiens und Südamerikas. Seit Kurzem nun gibt es Bestrebungen, den Meeresbergbau auf die Tiefsee auszu­weiten. Im Fokus stehen die Manganknollen, meist in Wassertiefen jenseits der 4000 Meter vorzufinden, Gashydrate (in Bereichen zwischen 350 und 5000 Metern), die Kobaltkrusten entlang der Flanken submariner Gebirgszüge (zwischen 1000 und 3000 Metern) sowie die Massivsulfide und die Sulfidschlämme, die sich im Raum vulkanischer Aktivität an den Plattengrenzen in Wassertiefen zwischen 500 und 4000 Meter bilden.
Bereits in den 1980er Jahren gab es ein sehr großes Interesse am Abbau von Manganknollen und Kobaltkrusten. Diese erste Meeresbergbau-Euphorie führte auch zur Bildung der Meeresbodenbehörde der Vereinten Nationen in Jamaika (International Seabed Authority, ISA) sowie zur Unterzeichnung der Verfassung der Meere UNCLOS (United Nations Convention on the Law of the Sea) im Jahr 1982. Dieses große Abkommen bildet seit seinem Inkrafttreten 1994 für alle Unterzeichner die Grundlage für die Nutzung mariner Rohstoffe am Meeresboden außerhalb der Hoheitsgebiete der Länder (Kapitel 10).
Doch das rohstoffpolitische Interesse der Industrie­länder schwand. Zum einen sanken die Rohstoffpreise – es hätte sich nicht mehr gelohnt, die Brocken aus der Tiefsee emporzuholen und die darin enthaltenen Metalle nutzbar zu machen. Zum anderen fand man neue Landlagerstätten, die billiger auszubeuten waren. Das derzeit wiedererstarkte Interesse ist auf die in den letzten Jahren stark gestiegenen Rohstoffpreise – und dem damit lukrativer gewordenen Schürfgeschäft – sowie insbesondere auf das kräftige Wirtschaftswachstum in Ländern wie China und Indien zurückzuführen, die große Mengen an Rohstoffen auf dem Weltmarkt einkaufen.Auch die letzte Wirtschaftskrise wird diesen Trend vermutlich nicht lange aufhalten. Zusätzlich spielen auch geopolitische Überlegungen der Industrie- und Schwellenländer zur Ressourcensicherung eine Rolle. Gerade Nationen, die nicht über eigene Reserven verfügen, halten angesichts steigender Rohstoffnachfrage in den Weiten der Ozeane nach exterritorialen Claims Ausschau.

Manganknollen

Manganknollen sind kartoffel- bis salatkopfgroße Mineralienklumpen, die mit bis zu 75 Kilogramm pro Quadratmeter riesige Bereiche der Tiefseeebenen bedecken. Sie bestehen hauptsächlich aus Mangan, Eisen, Silikaten und Hydroxiden und wachsen mit einer Geschwindigkeit von nur 1 bis 3 Millimetern pro Million Jahre um einen Kristallisationskeim. Die chemischen Elemente werden dabei aus dem Meerwasser aufgenommen oder stammen aus dem Porenwasser der darunter ruhenden Sedimente. Die höchsten Knollendichten finden sich vor der Westküste Mexikos (in der sogenannten Clarion-Clipperton-Zone), im Peru-Becken und im Indi­schen Ozean. In der Clarion-Clipperton-Zone liegen die Manganknollen auf den Sedimenten der Tiefsee­ebene auf einer Fläche von mindestens 9 Millionen Quadrat­kilometern – ein Gebiet von der Größe Europas. Die Anreicherungen in diesem Bereich sind vermutlich auf einen erhöhten Eintrag von manganhaltigen Mineralien in das Sediment zurückzuführen, die vom ostpazifi­schen Rücken durch hydrothermale Aktivität, also durch Warmwasserquellen am Meeresboden, aus dem Erdinnern freigesetzt und durch die Meeresströmungen über weite Gebiete verbreitet werden.
7.4 > Der Meeresboden steckt voller Rohstoffe. Je nach Ursprung konzentrieren sie sich in bestimmten Regionen.
7.4 > Der Meeresboden steckt voller Rohstoffe. Je nach  Ursprung konzentrieren sie sich in bestimmten Regionen. © maribus (nach Petersen)
Schnitt durch eine Manganknolle: In Jahrmillionen lagern sich Mineralien an einem Keim an. 
© Manganknolle: Charles D. Winters/NatureSource/Agentur Focus Schnitt durch eine Manganknolle: In Jahrmillionen lagern sich Mineralien an einem Keim an.
Manganknollen bestehen vor allem aus Mangan und Eisen. Die wirtschaftlich interessanteren Elemente wie etwa Kobalt, Kupfer und Nickel sind in geringerer Konzentration vorhanden und bringen es zusammen auf etwa 3 Gewichtsprozent. Hinzu kommen noch Spuren anderer bedeutsamer Elemente wie Platin oder Tellur, die in der Industrie für verschiedene Hightechprodukte benötigt werden. Der Abbau selbst stellt grundsätzlich kein großes technisches Problem dar, da die Knollen relativ einfach vom Meeresboden gesammelt werden können. Schon 1978 hatte man Manganknollen in ersten Fördertests erfolgreich an die Meeresoberfläche transportiert. Um die Knollen in Massen abbauen zu können, müssen aber noch offene Fragen geklärt werden. So sind die Dichten der Knollenvorkommen oder die Variabilität der Metallgehalte nicht im Detail bekannt. Neuere Untersuchungen zeigen zudem, dass die Tiefseeebenen nicht so flach sind, wie noch vor 30 Jahren angenommen. Viele vulkanische Erhebungen schränken die Abbauflächen ein. Ein bergmännischer Abbau der Manganknollen würde darüber hinaus Teile des Ozeangrunds ver­brau­­chen, geschätzte 120 Quadratkilometer Meeresboden pro Jahr, eine Fläche von der Größe der Stadt Kiel, wobei gewaltige Mengen an Sediment, Wasser und zahllose Lebewesen mitgefördert würden. Der Eingriff in den Lebensraum Tiefsee ist erheblich. Ob und wie eine Wiederbesiedlung der abgeernteten Areale erfolgt, ist bisher kaum geklärt. Seit 2001 wurden von der ISA mehrere Lizenzen zur Erkundung von Manganknollenfeldern an staatliche Institutionen vergeben. Noch dreht es sich nicht um einen Abbau, sondern zunächst um die genaue Unter­suchung der potenziellen Abbaugebiete. Auch Deutschland hat sich 2006 für 15 Jahre die Rechte an einem 150 000 Quadratkilometer großen Gebiet gesichert – der doppelten Größe Bayerns. Über Kooperationen mit Entwicklungsländern (Tonga, Nauru) haben im vergangenen Jahr erstmalig auch Industriefirmen Anträge auf die Exploration von Manganknollenfeldern in der offenen See gestellt. >
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