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1 Mit den Meeren leben – ein Bericht über den Zustand der Weltmeere

Fossile Brennstoffe

Fossile Brennstoffe

> Erdöl und Erdgas sind die wichtigsten Rohstoffe moderner Industriegesellschaften. Doch die Vorräte schwinden, und die Preise steigen. Für die Ölkonzerne werden damit auch jene Ressourcen interessant, die bislang nur schwierig und teuer zu erschließen waren: die Gas- und Öllagerstätten tief im Meer. Schon heute liegt der Offshore-Anteil der weltweiten Gas- und Ölfördermenge bei gut einem Drittel.

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Abhängigkeit von Öl und Gas

Ohne Erdgas, Erdöl und Kohle stünde unsere Welt still. Kaum ein Auto, kaum eine Bahn, kaum ein Schiff würde fahren. In den meisten Büros gingen die Computer und das Licht aus. Die modernen Industrienationen sind von fossilen Rohstoffen fast gänzlich abhängig. In den vergangenen drei Jahrzehnten stieg der Energieverbrauch weltweit um 70 Prozent. Bis zum Jahr 2030 wird die Menschheit den Verbrauch nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris noch einmal um gut die Hälfte nach oben treiben. Die größten Energieverbraucher sind heute die USA, China und Russland. Auch in diesen Nationen wird die Energienachfrage weiter steigen. Angesichts des wachsenden Bedarfs und steigender Preise dürften künftig verstärkt Gas- und Öllagerstätten im Meer interessant werden, deren Abbau bislang zu teuer war.

Entstehung und Erkundung der fossilen Energieträger

Gas und Öl enstehen im Laufe von Jahrmillionen im Meer, weil Biomasse, abgestorbene Tiere und Pflanzen, in die Tiefe absinkt. Zusammen mit Partikeln, die vom Land ins Meer gespült werden, bildet sie am Meeres­boden kilometerdicke Sedimentpakete. Unter den dort herrschenden hohen Drücken und Temperaturen wandeln Bakterien die Biomasse in Vorläufersubstanzen um, aus denen sich schließlich Kohlenwasserstoffe bilden. Diese können bestimmte Gesteins- und Sedimentschichten durchdringen. Sie wandern durch den Boden per Auftrieb nach oben. Diesen Prozess nennt man Migration. In manchen Fällen sammeln sich die Kohlenwasserstoffe an undurchlässigen Schichten. Nur dort bilden sich schließlich die eigentlichen Lagerstätten. Je nach Umgebungsbedingungen entsteht Gas oder Öl. Die heutigen Vorkommen der fossilen Energieträger sind zwischen 15 und 600 Millionen Jahre alt. In diesem Zeitraum haben sich die Kontinentalplatten verschoben und Meere in Landmassen verwandelt, sodass heutige Rohstofflager sowohl im Meer als auch an Land zu finden sind. Für die heutigen Vorkommen im Meer gilt, dass Gas und Öl in der Regel nur dort zu finden sind, wo mächtige Sedimente den Meeresboden bedecken.
Bei der Suche nach neuen Lagerstätten, der Prospek­tion, bedient man sich heute seismischer Geräte. Bei diesen Verfahren erzeugt man Schallwellen, die von den Gesteins- und Sedimentschichten im Boden zurückgestreut werden. Anhand der akustischen Muster können Geologen ablesen, ob im Boden Schichten vorhanden sind, in denen Gas oder Öl lagern könnten. Auf See werden die Schallwellen durch eine sogenannte Airgun erzeugt – eine Art Unterwasser-Knallgerät, das mit Druckluft arbeitet. Die rückgestreuten Echos werden dann über Hydrophone am Meeresboden oder am Forschungsschiff empfangen.
7.1 > Gewinnungskosten von konventionellem Erdöl nach Art und Region nach Schätzung der IEA und des Ölkonzerns Petro-bras (Enhanced Oil Rec.: verbesserte Nutzung alter Ölfelder). © maribus (nach Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, BGR) 7.1 > Gewinnungskosten von konventionellem Erdöl nach Art und Region nach Schätzung der IEA und des Ölkonzerns Petro-bras (Enhanced Oil Rec.: verbesserte Nutzung alter Ölfelder).

Die Zukunft des Öls liegt im Meer

Seit Beginn der industriellen Ölförderung Mitte des 19. Jahrhunderts wurden 147 Milliarden Tonnen Öl aus den Lagerstätten rund um den Globus gepumpt – die Hälfte davon allein in den vergangenen 20 Jahren. Nur im Jahr 2007 lag der Mineralölverbrauch weltweit bei insgesamt rund 3,9 Milliarden Tonnen. Es steht außer Frage, dass die Förderung schon in naher Zukunft nicht mehr mit dem jährlich wachsenden Bedarf Schritt halten kann. Experten erwarten, dass in den kommenden zehn Jahren der sogenannte Peak Oil erreicht wird, der historische Scheitelpunkt der weltweiten Ölförderung. Derzeit schätzt man die konventionellen, das heißt die leicht und kostengünstig mit heutiger Technik gewinnbaren Öl­reserven auf gut 157 Milliarden Tonnen. Davon sind 26 Prozent (41 Milliarden Tonnen) in Offshore-Gebieten zu finden. Aus dem Meer gefördert wurden im Jahr 2007 1,4 Milliarden Tonnen Öl, was etwa 37 Prozent der jährlichen Ölproduktion entspricht. Damit ist der Offshore-Anteil der Förderung schon heute relativ hoch. Die ergiebigsten Gebiete sind derzeit die Nordsee und der Golf von Mexiko, der Atlantik vor Brasilien und Westafrika, der Arabische Golf und das Meer vor Südost­asien.
Seit einigen Jahren schon gibt es einen Trend zu immer größeren Wassertiefen. 2007 wurde Öl bereits aus 157 Feldern gefördert, die mehr als 500 Meter tief liegen. Im Jahr 2000 waren gerade einmal 44 solcher Felder in Betrieb. 91 Prozent dieser Felder liegen im sogenannten Goldenen Dreieck im Atlantik zwischen dem Golf von Mexiko, Brasilien und Westafrika. Während die Fördermenge in der mit durchschnittlich 40 Metern Tiefe relativ flachen Nordsee in den kommenden Jahren abnehmen wird, dürfte sie vor allem im Goldenen Dreieck, vor Indien, im Südchinesischen Meer und im Kaspischen Meer vor Kasachstan weiter wachsen. Die tieferen Meeresgebiete bergen für die Zukunft also zusätzliches Potenzial. Experten gehen deshalb davon aus, dass sich der Offshore-Trend mit der zu erwartenden Verknappung des Öls fortsetzen wird. Die Förderung hier aber ist aufwendig und kostspielig. So benötigt man beispielsweise für die Ausbeutung von Feldern in großer Tiefe Ölförder- und Produktionsschiffe oder fest montierte Pumpstationen am Meeresgrund. >
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